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Wurzen Naturschützer machen Thallwitzer Eiskeller zum Fledermausquartier
Region Wurzen Naturschützer machen Thallwitzer Eiskeller zum Fledermausquartier
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00:19 30.10.2017
Vor der Abriegelung des Eiskellers führten Marco Roßner (links) und Frank Meisel (3. von links) Interessierte und Unterstützer des Projekts im künftigen Fledermausquartier herum. Ein Video sehen Sie auf lvz.de/wurzen. Quelle: Foto:Thomas Kube
Thallwitz

Für Fledermäuse gibt es immer weniger Lebensraum: Gebäudesanierungen und Baumfällungen rauben den Flugtieren allmählich jene Quartiere, die sie sowohl zur Brutzeit als auch im Winter benötigen. In Thallwitz unweit von Wurzen wird dem nun entgegen gesteuert: Dort steht den Tieren seit Freitag ein riesiges Winterquartier in Form eines alten Eiskellers zur Verfügung.

2013 waren die auf Fledermäuse spezialisierten Naturschützer vom Fachbüro Hochfrequent von den Thallwitzern auf das rund 150 Jahre alte Gewölbe hingewiesen worden. Schon damals nutzten es einige Fledermäuse trotz des schäbigen Zustandes als Winterquartier. Die Kelleranlage war eine wahre Müllhalde: Holzreste, Plastiktüten und -kanister, Paletten und sogar Möbel waren hier entsorgt worden. „Vermutlich hatte hier jemand eine Party gefeiert“, mutmaßt Marco Roßner vom Büro Hochfrequent.

Nachdem die Naturschützer Einfluglöcher in die baufällige Eingangstür geschweißt hatten, kehrten immer mehr Fledermäuse in den Keller ein. Im vergangenen Sommer begannen – mit finanzieller Unterstützung des Landratsamtes – die Aufräumarbeiten und die Sanierung: Zum einen wurde die Tür erneuert, zum anderen rund 30 Quartiersteine an Wänden und Decken angebracht. Sie bieten den Tieren Unterschlupf in Form von schmalen Spalten, in denen sie ihren Winterschlaf halten können. Für die Öffentlichkeit ist der Keller nicht zugänglich – die Naturschützer aber werden den Tierchen in unregelmäßigen Abständen einen Besuch abstatten, um die Population zu dokumentieren.

Eine weitere wichtige Aufgabe des Büros Hochfrequent: das Klimamonitoring. Drei Messgeräte geben den Naturschützern alle drei Stunden Auskunft über Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Gewölbe. Einerseits benötigen die Flughäute der Tiere ein gewisses Maß an Feuchtigkeit, andererseits darf das Thermometer im Winter nicht die Marke von sieben Grad überschreiten. „Das würde den Stoffwechsel der Fledermäuse zu stark anregen und sie würden den Winter nicht überstehen“, erklärt Roßner. Gegebenenfalls können die Mitglieder des Büros Hochfrequent Luftzugklappen öffnen, um das Klima im Keller zu optimieren.

Bei einer letzten Besichtigung vor der Abriegelung des Kellers zeigte sich Roßner erfreut über die Tiere, die hier bereits vorzeitig ihr Quartier bezogen haben. Vier Arten macht er aus: Mopsfledermäuse, Große Mausohren, Breitflügelfledermäuse und Braune Langohren. Alle leben sie friedlich beisammen, gelegentlich sogar unmittelbar nebeneinander. „Fledermäuse haben keine Probleme damit, ihren Winterschlaf zusammen mit anderen Arten zu verbringen.“

Die Naturschützer sind guter Dinge, dass das Quartier in den kommenden Monaten und Jahren zur Heimat für immer mehr Fledermäuse werden wird. Sollte dem so sein, werden sie in nächsten Jahren weitere Quartiersteine installieren. Roßner: „Einige Tiere fliegen in den nächsten Tagen nochmals hinaus, um zu jagen. Dann geben sie die Information, dass es hier einen idealen Unterschlupf gibt, an ihre Artgenossen weiter.“

Und so wird ein 150 Jahre altes Gewölbe, das zunächst als Eis- sowie Bierlager diente und in der DDR zur Pilzzüchtung genutzt wurde, an die Natur zurückgegeben.

Von Christian Neffe

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