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Nepperwitz - ein Opferdorf?

Nepperwitz - ein Opferdorf?

Knut Becker wäre lieber, er hätte nicht Recht behalten. "Schon immer haben wir davor gewarnt, dass das Hochwasser 2002 kein Einzelfall bleiben wird", erklärt der Vorsitzende des Nepperwitzer Heimatvereins, der sich seit Jahren für einen besseren Flutschutz engagiert.

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Offen wie ein Scheunentor: Der Deichbruch bei Grubnitz lässt die Nepperwitzer nicht ruhig schlafen.

Quelle: Andreas Röse

Bennewitz/Nepperwitz. Wie schon 2002 wälzte sich die Mulde durch den Ort. "Dabei", bemängelt Becker, "hätte der neue Damm längst fertig sein können."

Seit 2002 wartet das 120-Seelen-Dorf auf den Beginn versprochener Schutzmaßnahmen. Ironie der Geschichte: Im Juni wollte die Talsperrenverwaltung loslegen, die millionenschweren Hochwasserschutzbauten nach quälenden Jahren des Stillstandes in Angriff nehmen. - Doch das Wasser war schneller.

Pläne für die Deichrückverlegung zwischen Grubnitz und Püchau liegen seit Jahren in der Schublade. Doch Grundstücksbesitzer hätten mit immer neuen Winkelzügen den Bau verhindert, heißt es in Nepperwitz. Wie schon 2002 sei man der Mulde deshalb ausgeliefert gewesen, die nördlich von Bennewitz immer wieder durch ihr altes Bett strömt - ohne Rücksicht auf Verluste. "Der entscheidende Unterschied zu 2002 war, dass diese Überflutung hätte verhindert werden können", bezieht der Vereinschef von "Wir für Nepperwitz" klar Position. Auch dem vor der Flut ankündigten Investitionsbeginn misstrauen die Betroffenen: "Der Bau des neuen Deiches sollte im Juni starten. Bisher wurde aber noch nicht einmal mit den restlichen archäologischen Untersuchungen begonnen", kritisiert Becker und befürchtet neuerliche Verzögerungen.

Hinzu kommt der böse Verdacht, der Dammbruch bei Grubnitz sei möglicherweise in Kauf genommen worden, um andere Landstriche zu schützen. Laut Gemeinderat Lars Nicol brach der Deich an exakt derselben Stelle wie schon 2002. Warum, fragt der Verein, wurde die Schwachstelle nicht wie andere Abschnitte zur Gefahrenabwehr mit Spundwänden verstärkt? Und warum, zeigt sich Becker auch um die Aufarbeitung der Juni-Flut bemüht, wurde der Schutzwall, als die Pegel stiegen, nicht zusätzlich mit Sandsäcken gesichert? "In vielen Bereichen waren freiwillige Helfer bei der Verteidigung von Deichen aktiv. Das wäre in unseren Dörfern auch möglich gewesen." Warum solche Rettungsaktionen von vornherein ausblieben? Das ist eines von vielen Rätseln rund um das verhängnisvolle Deich-Leck bei Grubnitz.

Unbequeme Fragen richtet der Verein an alle beteiligten Behörden bis hin zur sächsischen Staatskanzlei und dem Bundeskanzleramt: "Wie positionieren Sie sich zu der Aussage, bei der Bruchstelle zwischen Grubnitz und Nepperwitz handele es sich um eine Sollbruchstelle zur Entlastung flussabwärts liegender Einrichtungen und Ortschaften?" Außerdem wollen die Nepperwitzer wissen, ob in den Augen der Verantwortlichen ein Neudeich, der im ersten Bauabschitt seit April 2011 hätte errichtet werden können, die Ortschaft ausreichend vor einer Überflutung geschützt hätte. Und letztlich bohrt der Verein in einer offenen Wunde und fragt: "Sind die für die Verzögerung Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen?"

Um wieder ruhig schlafen zu können, fordern die Nepperwitzer vor allem zwei Dinge: eine umgehende Schließung der Bruchstelle und eine zügige Beendigung der Planfeststellung auch für den zweiten Bauabschnitt des Neudeichs im Bereich Dögnitz/Groitzsch. Zu allen Problemen erwarte man von den Politikern und Behörden zügige Antworten, erklärt Knut Becker. "Wir werden nicht zulassen, dass der Hochwasserschutz weiter auf die lange Bank geschoben wird."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.06.2013

Simone Prenzel

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