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Nepperwitzer Eule-Orgel in Not – Gemeinde sammelt für Verjüngungskur

Um Sanierung bemüht Nepperwitzer Eule-Orgel in Not – Gemeinde sammelt für Verjüngungskur

„Pfeife vibriert“, hat Organist Rico Feist auf den Zettel vor einem Bleistift geschrieben, der eine der großen Pfeifen im schlichten Prospekt der Nepperwitzer Orgel stabilisiert. „Sieht nicht schön aus, hilft aber!“ Es ist nicht das einzige Zipperlein, das die Königin der Instrumente plagt. „Sie braucht dringend eine Generalüberholung“, sagt Pfarrer Martin Handschuh, „bisher wurde sie immer nur notdürftig geflickt.“

Die kleine Kirche im Bennewitzer Ortsteil Nepperwitz birgt eine Eule-Orgel. Das Instrument braucht dringend eine Kur.
 

Quelle: Foto: Thomas Kube

Bennewitz/Nepperwitz.  „Pfeife vibriert“, hat Organist Rico Feist auf den Zettel vor einem Bleistift geschrieben, der eine der großen Pfeifen im schlichten Prospekt der Nepperwitzer Orgel stabilisiert. „Sieht nicht schön aus, hilft aber!“ Es ist nicht das einzige Zipperlein, das die Königin der Instrumente plagt. „Sie braucht dringend eine Generalüberholung“, sagt Pfarrer Martin Handschuh, „bisher wurde sie immer nur notdürftig geflickt.“

Die 1911 von dem bekannten Bautzener Orgelbauer Hermann Eule als Opus 128 gebaute Orgel ist immerhin schon etwas älter geworden als ihre Vorgängerinnen. Die Internetseite http://www.orgel-in-sachsen.de führt als erste Orgel ein 1704 von Andreas Schmidt, Taucha, gebautes Instrument auf. „Die Orgel wurde vermutlich 1729 von Püchau nach Nepperwitz versetzt, da Püchau in diesem Jahr eine Silbermann-Orgel erhielt.“ Für den Einbau in die Ende des 15. Jahrhundert angelegte gotische Kirche musste eine Orgelempore gebaut werden. Wenig zimperlich verkürzte man dafür den die beiden Seitenemporen schmückenden Bilderzyklus aus dem 17. Jahrhundert. Entlang der ersten Empore wird die Schöpfungs- und entlang der zweiten die Passionsgeschichte gezeigt. Die 24 in Temperafarben gemalten und gefirnissten Kassettenbilder waren erst 1971 während einer Renovierung unter mehreren Farbschichten wiederentdeckt und restauriert worden. Die zweite Orgel fertigte 1804 der Torgauer Orgelbauer Johann Christian Friedrich Flemming.

Pfarrer Handschuh hofft auf eine baldige Sanierung der Orgel

Pfarrer Handschuh hofft auf eine baldige Sanierung der Orgel.

Quelle: Foto: Thomas Kube

1911 dann Nummer drei, ein romantisches, durch viele Grundstimmen charakterisiertes Instrument mit zwei Manualen und Pedal sowie elf Registern. „Alle Teile sind noch original“, betont Handschuh. Aber einige sind von offenbar musikalischen Holzwürmern befallen, die Pfeifen verschmutzt, Lederbälgchen porös. Zu schaffen macht der Orgel aber auch Luftfeuchtigkeit. Bei der Flut 2002 stand die Mulde im erst wenige Wochen zuvor nach einer Innensanierung wieder eingeweihten Gotteshaus– die Höhe von 70 Zentimetern ist noch heute ablesbar am ausgebleichten Holz der Sakristeitür. Mit Nepperwitz, Bennewitz, Grubnitz, Deuben und zwei Pfarrhäusern waren damals vier der sieben von Handschuh betreuten Kirchen, alle an der Mulde gelegen, betroffen. 2013 habe man Glück gehabt, erzählt der Pfarrer. Nur der Boden war nass. Aber die aufsteigende Nässe sitzt noch immer im Mauerwerk, der Putz im Altarraum ist 40 Zentimeter hoch abgehackt, damit sie entweichen kann. Die Summe all dieser widrigen Faktoren wird in den Fehltönen der Orgel hörbar. „Es erfordert alle Kunst des Organisten, die Heuler zu überspielen“, weiß Handschuh.

Hinweis vom Organisten

Hinweis vom Organisten: Ein Stift und ein Büchlein stabilisieren die Pfeife.

Quelle: Foto: Thomas Kube

Zum Beispiel die von Rico Feist. Der Leipziger, von Beruf eigentlich Informatiker, sei Nepperwitz sehr verbunden, freut sich der Pfarrer, denn die Nepperwitzer Kirche hat keinen eigenen Organisten. Die Macherner Kantorin Birgit Hampel könne nicht überall sein und deshalb nur gelegentlich in Nepperwitz spielen, erklärt er, weshalb man sich mit Honorarkräften behelfen müsse. Feist gibt sogar ab und zu ein Konzert in der kleinen Kirche - das jüngste im Dezember.

Der Erlös aus solchen Veranstaltungen werde für die geplante Orgelsanierung verwendet. „Und wir werben natürlich bei den aller drei Wochen in Nepperwitz stattfindenden Gottesdiensten“, sagt der Pfarrer. Insgesamt geht die Kostenschätzung von etwas über 25 000 Euro aus, anschließende Nebenarbeiten, wie Farbanstrich, eingerechnet. „Zwei Drittel davon muss die Kirchgemeinde selbst aufbringen, was den Rest anbelangt, hoffen wir auf Unterstützung aus dem Orgelfonds der Landeskirche“, sagt der Pfarrer. Immerhin liegen für Nepperwitz schon rund 14 000 Euro im Sparstrumpf. „Wir haben vorausschauend für Kleinreparaturen über die Jahre Geld zurückgelegt“, so Handschuh. „Und seit mittlerweile drei Jahren sammelt die Kirchgemeinde ganz intensiv Spenden.“ Unterstützung erfahre man dabei auch vom Heimatverein „Wir für Nepperwitz“. „Der engagiert sich sehr, das muss man hoch anrechnen.“

Eine Prognose, wann man die Orgelsanierung angehen kann, möchte Handschuh nicht abgeben. „Aber je schneller die Orgel eine Kur erhält, um so besser. Denn wenn noch mehr ausfällt, müssen wir das Orgelspiel ganz einstellen“, befürchtet Handschuh, habe doch der Orgelbauer angedeutet, dass nur ein weiteres Flicken der Orgel, die Mitte der 80er und Ende der 90er schon einmal repariert wurde, keinen Sinn macht. Ein Verstummen der Orgel aber würde wahrscheinlich nicht nur der Pfarrer sehr bedauern. „Denn in der Kirche finden ja nicht nur Gottesdienste statt, sondern auch Trauungen, Taufen, Beerdigungen und andere Veranstaltungen, und da wäre es schade, wenn die Orgel nicht bespielbar ist. – Musik aus der Konserve ist kein wirklicher Ersatz.“

Von Ines Alekowa

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