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Wurzen Nerchauer Verkäuferin kämpft ums Überleben
Region Wurzen Nerchauer Verkäuferin kämpft ums Überleben
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05:00 04.02.2010
Händlerin aus Leidenschaft: Petra Schönbier im Laden. Quelle: Ralf Zweynert
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Nerchau

Das aber kommt für mich nicht in die Tüte.“ Also steht Petra Schönbier auch weiter jeden Tag den ganzen Tag in ihrem Schreib- und Spielwarenladen. Wie viele andere Gewerbetreibende in Nerchau kämpft sie ums Überleben.

Petra Schönbier ist Verkäuferin aus Leidenschaft. Wenn einer als Letzter das Licht ausmacht, dann wäre sie es. Als junge Frau stand sie im Konsum in Grimma hinterm Ladentisch. 1970 zog sie der Liebe wegen nach Nerchau. Hier arbeitete sie zunächst im Textilkonsum, ehe sie 1974 als Verkaufsstellenleiterin das Schreib- und Spielwarengeschäft (ehemals Böhme) übernahm. Längst war es in der Stadt ein geflügeltes Wort – „Ich gehe bei Böhms“, womit die Einheimischen den Laden von Petra Schönbier meinten. Bis 1992 war sie im Ort der einzige Anbieter für Schreib- und Spielwaren. Von A wie Anspitzer bis Z wie Zirkel – sie hatte zwar nicht alles, aber vieles. Dazu Autos, Teddys und Bastelkästen. „Ich kann Ihnen sagen. Zur Faschingszeit hatte ich manchmal über 50 Kostüme. Die Nachfrage war riesig.“ 1992 machte sie sich selbstständig. „Anfangs lief es gut. Doch mit dem Euro kam das Unglück.“ Einkaufsmärkte seien wie Pilze aus dem Boden geschossen: „Die führen zum Teil auch mein Sortiment. Mit diesen Preisen kann ich nicht mithalten“, sagt die alleinstehende Frau.

Gastwirtin Karla Thiemer versteht die Sorgen nur zu gut. „Deshalb geht unser Nerchauer Gewerbeverein jetzt in die Offensive. Veranstaltungen richten wir bereits aus – vom Gewerbeball über den Maitanz bis zum Weihnachtsmarkt. Viele unserer Mitglieder, auch Petra Schönbier, spenden dafür. Deshalb wäre es schön, wenn man uns gegenüber nicht nur die Hand aufhält.“ Die Nerchauer sollten eben mal nicht in Leipzig, sondern ganz bewusst in Nerchau und Umgebung einkaufen. „Wer weiß schon, dass man bei Frau Schönbier auch Schulranzen bekommen, Zuckertüten bestellen und Wäsche zur Reinigung geben kann?!“ Der Verein, so Karla Thiemer, werde nun einen Flyer mit den einzelnen Gewerken gestalten. „Ehe wir uns mit den Angeboten präsentieren und auch zu öffentlichen Fachvorträgen einladen, müssen wir Mitglieder des Gewerbevereins zunächst erst einmal mehr über uns selber erfahren. Nur so kann der Friseur meinetwegen den Bäcker oder die Gastwirtin etwa das Geschäft von Petra Schönbier empfehlen. Damit in Nerchau nicht bald noch mehr leersteht.“

Dabei halten die Älteren ihrer Petra Schönbier weiter die Treue. Hier kaufen sie nicht nur Geburtstags- oder Trauerkarten, sondern nutzen die Vertrautheit zum kleinen Schwatz. Petra Schönbier: „Ich biete jetzt auch den Hermesversand sowie Näh- und Bügelarbeiten mit an. Leider, für die Computerschiene bin ich zu alt. Am liebsten würde ich ja noch viele Jahre verkaufen. Der Laden ist mein Leben. Vielleicht übernimmt ihn ja sogar mal jemand. Erst kürzlich hatte ich meine ehemaligen Kollegen zum Karpfenessen eingeladen. Wenn hier das Licht für immer ausgemacht würde – ich wäre sehr traurig.“

Haig Latchinian

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