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Wurzen Netzwerk für Demokratische Kultur feiert zehnten Geburtstag
Region Wurzen Netzwerk für Demokratische Kultur feiert zehnten Geburtstag
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05:00 07.12.2009
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. Der Mitautor der Studie „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ gratulierte dem Netzwerk für Demokratische Kultur am Wochenende zum Jubiläum und ermutigte auch weiter zu „gesundem Nonkonformismus“. Es sei gut, wenn es einen solchen Verein gibt, der die Öffentlichkeit auch mal irritiert: „Irritation rüttelt Menschen wach.“

Ingo Stange, Netzwerk-Aktivist der ersten Stunde, sieht enorme Fortschritte bei der Herausbildung der Zivilgesellschaft. Er erinnert an die gewalttätigen Auseinandersetzungen und Übergriffe in den 90-er Jahren: „Andersdenkende, Andersaussehende, Andersliebende – keiner traute sich mehr irgendwohin. Die Nazis bewegten sich ungestört und versuchten, die Straße zu kontrollieren.“ Netzwerker Stephan Meister: „Wurzen galt als deutschlandweit erste so genannte national befreite Zone.“ Dagegen begehrten junge Wurzener auf. In einer Hinterhof-Fahrradwerkstatt mieteten sie sich ein, um an mehr Demokratie für Wurzen zu basteln.

Am 9. Dezember 1999 gründeten sie das Netzwerk. „Und zwar gegen Widerstände der Stadt. Der damalige Oberbürgermeister wollte weder uns anerkennen noch die Tatsache eines besonderen rechtsextremen Problems“, sagt Meister. Dieses beharrliche Verdrängen, so der Netzwerk-Vordenker, führte zu deutschlandweiter Aufmerksamkeit. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse wurde im Jahr 2000 zwar nicht im Rathaus empfangen, dafür aber um so herzlicher in der Fahrradwerkstatt. Im Rahmen des „Aufstands der Anständigen“ war das Netzwerk eine der ersten Initiativen gegen Rechtsextremismus, die Förderung aus dem Bundesprogramm „Civitas“ erhielt. Noch im gleichen Jahr gab es die Theodor-Heuss-Medaille.

Als Neonazis in Wurzen die Crew eines Hipp-Hopp-Konzertes überfielen, sorgte eine Mail vom Tatort für einen bundesweiten Aufschrei. Die „Zeit“, der „Stern“ und die Amadeo-Antonio-Stiftung initiierten eine Spendenaktion. Mit den 50 000 Euro kaufte der Verein 2003 das damals leerstehende Haus am Domplatz 5, das jetzige D 5. 60 Ehrenamtliche und Workcampteilnehmer leisteten 12 000 freiwillige Aufbaustunden. Am 2. Juni 2006 war Eröffnung. Kino, Lesungen, Konzerte und Bildungsreisen – Andreas Zick von der Uni Bielefeld nennt das Wurzener Projekt vorbildhaft für ähnliche Initiativen.

Der junge Spanier Antonio Grunfeld weilte als Freiwilliger ein Jahr in Wurzen. In der Medienwerkstatt des Netzwerks produzierte er seinen Film über das KZ Dachau. Im D 5 gab es die Antisemitismus-Ausstellung, hier wird der alljährliche Gedenkmarsch von Borsdorf nach Wurzen geplant, hier nahm der Stadtspaziergang mit Ringelnatz seinen Anfang. WRC-Geschäftsführer Eberhard Lüderitz hofft auf weitere zehn erfolgreiche Netzwerk-Jahre, Oberbürgermeister Jörg Röglin besucht die Podiumsdiskussion und Stephan Meister kündigt an, trotz Nestbeschmutzer-Vorwürfe kein bisschen leise zu werden. Stadträtin Kathrin Gehres-Kobe von der CDU-Fraktion spricht aus, was bei der Feierstunde viele denken: „Wir brauchen diesen ungeliebten Rufer in der Wüste – den Propheten, auch wenn er im eigenen Lande nichts wert ist.“ Also doch ein Minarett?

Haig Latchinian

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