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Neue Sonderschau im Hohburger Museum mit historischem Werkzeug

Steinarbeiterhaus Neue Sonderschau im Hohburger Museum mit historischem Werkzeug

Passend zu den ohnehin vorhandenen breiten Holzdielen, den Kneipentischen und Stühlen widmet sich das Steinarbeiterhaus in seiner neuen Sonderausstellung vor allem dem Handwerkszeug der Tischler, Stellmacher und Zimmermänner: „Faszination historisches Werkzeug“ ist die 60. Schau überschrieben, die bis Oktober zu sehen ist.

Werkzeugschrank von Tischler Max Kleine mit Porträtfotos einstiger Größen der Sozialdemokratie.

Quelle: Haig Latchinian

Lossatal/Hohburg. „Täglich geht die Sonne auf und nieder, täglich weicht die Nacht dem Licht, alles siehst du einmal wieder, nur verpumptes Werkzeug nicht.“ Mit umso größerer Spannung wird der neuen Sonderausstellung im Steinarbeiterhaus entgegen gefiebert. Denn im traditionsreichen Hohburger Museum ist ein Wiedersehen mit A wie Anreißwinkel bis Z wie Zimmermannsaxt programmiert: Alles dreht sich diesmal um die „Faszination historisches Werkzeug“.

Passend zu den ohnehin vorhandenen breiten Holzdielen, den Kneipentischen und kultigen Stühlen zeigt Museumsleiter Matthias Müller (MMM) vor allem das Handwerkszeug der Tischler, Stellmacher und Zimmermänner. Mehr noch: „Ich habe damals Geschichte beim führenden Volkskundler Wolfgang Jacobeit in Berlin studiert. Der schärfte uns ein, dass es nicht reiche, nur das Werkzeug zu sammeln, auch Kiste und Schrank gehörten dazu“, sagt der 59-jährige Museumsleiter. In diesem Sinne hätte in Hohburg sicher des Professoren Herz gelacht. Zu sehen ist etwa die Schenkung des Hohburger Heimatfreundes Rolf Jando: ein Werkzeugschrank samt Inhalt von Tischler Max Kleine. In den Wirren des Sozialistengesetzes verschlug es ihn einst nach Hohburg. Neben Zange und Zollstock zieren den Schrank sämtliche Porträts von Sozialdemokraten der Reichstagsfraktion von 1912 bis 1918, unter ihnen August Bebel.

MMM schwärmt von Fülle und Vielfalt des Werkzeugs, könnte allein über 50 verschiedene Hobel ausstellen. Er liebt all die damals noch so wunderschön verschnörkelten Holzgewinde und Griffe. Er erinnert an körperlich schwere Arbeit, etwa daran, Löcher mit der Brustleier zu bohren oder Backtröge mit Dexeln aus ganzen Baumstämmen zu schlagen.

Die mittlerweile 60. Schau ist ab sofort und noch bis Ende Oktober sonntags bis donnerstags von 13 bis 16 Uhr zu besichtigen. Gruppen können sich unter Telefon 034263/4 13 44 auch außerhalb dieser Zeiten für einen Besuch anmelden. Dann gibt es auf Wunsch neben Kultur auch Kaffee und Kuchen.

Wie immer konnte MMM auch diesmal auf einige treue Heinzelmännchen bauen: Gisela Beringer reinigte die Exponate, Bernhard Strauch zauberte sie an die Bretterwand. Otto Wegel vermachte dem Museum im Vorfeld jede Menge Zimmermannswerkzeug seiner Altvorderen. Die Verwandtschaft von Hobbyschnitzer Richard Gruhle steuerte Schnitzmesser und Stemmeisen bei, Tischlermeister Christof Schneider einen urigen Leimtopf. Und Thomas Höhne war es, der die unter Pinselstrichen verborgenen Porträtdrucke besagter Sozialdemokraten freilegte.

Das weit über die Dorfgrenzen hinaus bekannte Steinarbeiterhaus wurde 1802 erbaut. Bis 1980 war es bewohnt. 1985 wurde es als Museum eröffnet. Betrieben wird es von einem Förderverein. Zweimal jährlich organisiert das Haus ambitionierte Sonderschauen – vor Weihnachten traditionell die Adventsausstellungen.

Ob Nährösschen, Bügelsäge oder Nuthobel – die aktuelle Ausstellung bietet Schmeckerchen, wohin das Auge blickt. Eine Rarität ist auch der Versandhauskatalog von 1911, mit Preislisten für Fahrräder, Nähmaschinen, Musikinstrumente, Spielzeug, Hausrat und eben auch Werkzeug.

Das Steinarbeiterhaus ist ein würdiger Ort für die Schau, zumal der Steinbruch nie ohne Zimmerleute und Tischler auskam. Nicht umsonst entdeckte Museumsleiter Matthias Müller in einer Werkstatt des Steinbruchs Zinkenberg seltene Schablonen für Hammerstiele und Holzschubkarren. Sie haben einen Ehrenplatz.

Von Haig Latchinian

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