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Wurzen Neues Leben für wilde Müllhalde: Leipziger zieht’s nach Wurzen
Region Wurzen Neues Leben für wilde Müllhalde: Leipziger zieht’s nach Wurzen
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00:21 10.11.2017
André (l.) und Etienne Genedl mussten sich auf dem Grundstück zwischen Carl-Magirius-Straße und Salhausenweg durch jede Menge Müll und Wildwuchs kämpfen. Sie freuen sich schon auf ihr Haus mit Blick zur Wenceslaikirche. Quelle: Fotos: Haig Latchinian/privat
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Wurzen

Nein, sie sind keine Mitarbeiter des Ordnungsamtes, auch keine Ein-Euro-Jobber oder Müllmänner. Wenn sie bei ihren Arbeitseinsätzen von neugierigen Passanten angesprochen werden, stellen sich André und Etienne Genedl zwischen wilden Brombeersträuchern und vollen Babywindeln als die neuen Eigentümer vor. Eigentümer? Einer Müllhalde? Genau als solche galt die spitzzulaufende Wildnis zwischen Carl-Magirius-Straße und Salhausenweg lange. Umso größer die Freude der Wurzener, dass die prominente Dreckecke beräumt – mehr noch – dass hier ein Haus gebaut wird.

„Andere mögen den dreieckigen Zuschnitt des Grundstücks, noch dazu in unmittelbarer B 6-Nähe für wenig attraktiv halten. Für uns dagegen ist es ein Fleckchen Erde mit Charakter“, sagen die beiden Bauherren. Im Sommer 2016 entschieden sie sich zum Kauf, seit knapp einem Jahr sind sie die Eigentümer des 900 Quadratmeter großen Areals. Es sei eine reizvolle Aufgabe, dieses vernachlässigte Stück Land aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. Geschichtsträchtig die Umgebung: Hier das altehrwürdige, mit Jugendstilelementen verzierte Bankgebäude aus dem Historismus, dort der Klinkerbau der einstigen Fabrik, jetzt Pflegeheim. „Uns war schon klar, dass wir das Projekt entsprechend anpassen müssen. Das geplante zweigeschossige Massivhaus mit Klinkerfassade verbindet traditionelle Baukunst mit moderner klarer Linienführung.“

Für den in Wurzen geborenen und aufgewachsenen André Genedl ist der Hausbau verbunden mit der Rückkehr in seine Heimatstadt. Lange lebte der 38-jährige gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann in Leipzig. „Irgendwann überlegst du, wie es weiter gehen soll. Ewig Miete bezahlen, die eh immer teurer wird? Oder in ein gemeinsames Haus investieren – auch als Altersabsicherung?“ Sein Partner Etienne, der aus der Karlsruher Ecke stammt und in Leipzig als Schichtleiter bei einem großen Versandhandel arbeitet, kennt Wurzen gut: „André und ich sind Mitglieder im Ringelnatzverein. Er ist sogar Schriftführer im Vorstand, ich habe erst kürzlich einen Vortrag im Ringelnatzhaus gehalten“, sagt der 32-Jährige.

Teppiche und Fliesen, Matratzen und Taschen, Fahrrad- und Autoteile – die beiden Käufer kostete es viele Wochenenden, den seit Jahren wild entsorgten Müll abzufahren: „Offenbar schien es ein Kavaliersdelikt gewesen zu sein, alles über Zaun und Mauer zu werfen“, schimpfen sie. Ein Autoanhänger voller Altglas, dazu anderthalb Tonnen Abfall seien zusammen gekommen. Inzwischen sehen die Häuslebauer schon Land, selbst der Kampf gegen die Brombeeren nähert sich dem Ende.

Ortschronist Wolfgang Ebert freut sich besonders, dass die jungen Männer auch die Mauer am Salhausenweg so weit wie möglich erhalten wollen: „Bischof Johann von Salhausen, an dessen 500. Todestag die Wurzener im nächsten Jahr erinnern, hatte die kühne Idee, auch die Wenzelsvorstadt mit einer Mauer zu umgeben. Reste des niemals vollendeten Vorhabens sind noch an diesem Grundstück sichtbar.“ Auch Stadtplanerin Konstanze Mucke ist glücklich, dass sich die beiden Kämpfer des verwahrlosten Grundstücks angenommen haben: „Eine Dreckecke weniger in Wurzen! Ich bin mir sicher: Das geplante Haus passt sich mit Form und Fassade sehr gut ein.“

Wurzens Technischer Ausschuss segnete das Projekt bereits ab. Für Dezember wird die Baugenehmigung erwartet. Dann soll’s losgehen, damit spätestens im Herbst Einzug gefeiert werden kann, sagt André, der Mann der Zahlen und Fakten. „Wir können es kaum erwarten, die Zeit künftig von der Turmuhr der nahen Wenceslaikirche abzulesen“, ergänzt Etienne, der Romantiker.

Von Haig Latchinian

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