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Wurzen Panitzsch: Meisterhafte Malkultur in Grautönen
Region Wurzen Panitzsch: Meisterhafte Malkultur in Grautönen
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14:33 19.05.2015
Besucheransturm in der alten Panitzscher Schule: Die Vernissage des Kunstvereins mit Bildern von Heinz Müller lockte am Sonntag so viele Besucher wie lange nicht in die Dorfstraße. Quelle: Klaus Peschel

Die Vernissage lockte am Sonntag so viele Besucher an, wie die alte Schule lange nicht gesehen hatte. Viele zusätzliche Stühle waren nötig.

Manchmal war es schwierig, den Bildern nahe zu kommen, den unaufgeregten Stillleben, den schwermütigen Fassaden mit der Aura hundertfach gelebten Lebens. Müller gewinnt der Agonie bröckelnder Mauern, zerschlagener Fenster, verlassener Fabrikgelände in malerischer Dichte und mit treffsicher gesetzten Lichteffekten ein Strahlen ab, das Erinnerungsbilder freisetzt und überblendet. Den umfassendsten Eindruck vermittelt ein Kabinett, für das sich 13 Leihgeber, Freunde und Sammler für die Schau von ihrem Lieblings-Müller getrennt hatten.

Der Journalist Thomas Mayer vom Kunstverein würdigte den 2007 verstorbenen Meister der Grautöne, den einstigen Dekorationsmaler, der Messestände anstrich, bevor er zur Kunst gelangte, sein Leben "ohne Krach und ohne Crash". Müller seien nach 1990 manche Modelle verloren gegangen, Teile seines alten Stötteritz dem Abriss zum Opfer gefallen. Blitzende Fassaden von Banken und Versicherungen, die neuen Kathedralen, hätten die Patina verdrängt.

Müllers Enkel Michael Ernst, als Zootierpfleger fernsehbekannt, erinnerte coram publico an den Großvater, von dem er nicht nur die morgendliche Gewohnheit der Haferflockensuppe übernommen hat. Er schilderte Müllers Alltag zwischen Atelier und Küche, sein konzentriertes Arbeiten, das nur von Essen und Mittagsschlaf unterbrochen wurde, sehr wohl aber Zeit für den Enkel einschloss. Begegnungen mit Diego Rivera, mit Giorgio Morandi und Paul Cezanne in den Bildbänden des Malers wurden für Ernst ebenso nachhaltige Kindheitsimpressionen wie die Vorliebe seines Großvaters für Wilhelm Busch. "Kommen sie wieder und bringen sie Freunde mit. Das ist das, was ich im Zoo immer sage. Aber das geht hier genauso", schloss Ernst seine muntere Rede. Ulrike Richter bot zur Ausstellungseröffnung mit Liedern zur Harfe eindrucksvolle musikalische Akzente.

"Wahre Kunst braucht keine vordergründigen Schlagzeilen, sie setzt sich ohne sie durch", hatte Mayer an Müllers Maxime erinnert. Die Besucherflut zur Vernissage konnte dieses Credo nur bestätigen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.02.2014
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