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Partheland von Leipzig über Borsdorf bis Brandis zieht Forscher an

Kulturlandschaft im Fokus Partheland von Leipzig über Borsdorf bis Brandis zieht Forscher an

Wie lässt sich die Kulturlandschaft Partheland als Natur-Refugium bewahren? Was muss getan werden, um Landschaftspflege nachhaltig zu gestalten? Dieser Frage geht derzeit ein Forschungsvorhaben der TU Dresden nach.

Die Innovationsgruppe hat mit Mentoren und regionalen Auftragnehmern eine zweitägige Fahrradexkursion durchs Partheland unternommen. Dabei wurden das Verständnis für die Region verstärkt, der informelle Austausch zwischen den Partnern gefördert und neue Ideen sowie Ansätze für die Projektbearbeitung entwickelt.

Quelle: Projektleitung/TU Dresden

Borsdorf. Spätestens seit der Diskussion um die umstrittene Bundesstraße 87 n zwischen Leipzig und Torgau ist die Parthenaue in aller Munde. Ganze Dörfer begehren auf gegen die nach wie vor drohende Gefahr, die Trasse könne die Landschaft zerschneiden. Was die Parthenaue ausmacht und welche Möglichkeiten es gibt, sie als Kulturlandschaft zu erhalten, ist Gegenstand eines Forschungsvorhabens, das vom Bund mit rund zwei Millionen Euro gefördert wird. „Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt und läuft noch bis 31. August 2019“, erläutert Florian Etterer, Experte der Technischen Universität Dresden. Eingebunden sind außerdem der Zweckverband Parthenaue (ZVP) mit seinen Mitgliedskommunen Borsdorf, Taucha, Großpösna und Leipzig, der Grüne Ring, das Deutsche Biomasseforschungszentrum Leipzig sowie weitere Partner. „Am Beispiel des Parthelandes wollen wir die besondere Herausforderung von Stadt-Umland-Regionen untersuchen – mit dem Ziel einer nachhaltigen Landschaftspflege“, sagt der Projektkoordinator.

Das Untersuchungsgebiet erstreckt sich vom dicht bebauten Leipziger Zentrum bis hinein in ländliche Räume. Interessenkonflikte bei der Bewirtschaftung der Flächen, eine hohe Bautätigkeit, aber auch weitläufige Agrarlandschaften prägen die Region, so Etterer. Das Problem: Die Pflege wertvoller Landschaftselemente sei kaum mehr rentabel. „Es muss aber etwas geschehen, weil sonst die zunehmende Vernässung der Parthenaue nicht mehr beherrschbar ist“, mahnt der Experte. Dieser Hilferuf sei insbesondere vom Zweckverband Parthenaue ausgegangen, der sich im Auftrag der Kommunen um die Gewässerpflege kümmert. Gemeinsam mit den lokalen Akteuren soll jetzt nach Auswegen gesucht werden.

Sylvia Raubold, Projektbetreuerin beim Grünen Ring, legt den Fokus auf das Thema Reststoffe. In der Region fallen jährlich bei der Landschafts- und Grünflächenpflege größere Mengen organischer Überbleibsel an. „Aufgrund fehlender Verwertungsalternativen werden diese zumeist kostenpflichtig entsorgt. Das Forschungsvorhaben soll klären, wie sich dieser Aufwand minimieren lässt.“ Mit den verantwortlichen Partnern sollen neue, innovative und praktikable Verwertungskonzepte und -verfahren erarbeitet werden, so die Diplom-Geografin. Dazu wird unter anderem am 25. Februar im Biomasseforschungszentrum ein Runder Tisch stattfinden.

Die Probleme sind dabei durchaus konkret. „Wir betreiben als Gemeinde schon seit Längerem eine eigene Kompostieranlage, den Nutzen dürfen aber nur wir als Kommune haben“, macht der Borsdorfer Bürgermeister Ludwig Martin (CDU) auf ein Dilemma aufmerksam. „Denn sonst würden wir privatwirtschaftlich tätig werden, was wir laut Gesetz nicht dürfen.“ Ganz ohne Forschungsvorhaben hat das Rathaus eigenständig nach Wegen gesucht, den Stoffkreislauf in der Parthenaue auf seine Weise zu lösen. Auf dem Gelände einer ehemaligen Deponie wird das im Gemeindegebiet anfallende Laub, Gras und Schreddergut gesammelt. So erspart sich Borsdorf den für die Gemeindekasse kostspieligen Abtransport. Regelmäßig wird eine Siebmaschine gemietet, die das Material in feinste Muttererde, Substrat und Reststoffe sortiert. Damit deckt die Kommune ihren eigenen Bedarf, gewinnt Muttererde für Spielplätze, den Schwanenteichpark und weitere Grünflächen. „Von der Kapazität her“, überlegt Martin, „könnten wir auch Grünabfälle von anderen Kommunen sowie Gärtnereien annehmen.“ Anliegen des Forschungsvorhabens müsse es deshalb sein, auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen für derart kreative Ansätze zu verbessern.

Dem Verlust wertvoller Ackerböden für Ausgleichsmaßnahmen soll in Zukunft ebenfalls ideenreich begegnet werden. „Wenn bauliche Eingriffe in Natur und Landschaft kompensiert werden müssen, soll das keine Landwirtschaftsflächen kosten“, stellt Etterer klar. „Vielmehr sollen innerhalb von Feldern Areale naturschutzfachlich aufgewertet werden.“ Sogenannte Blühfenster werden dafür bereits gemeinsam mit Landwirten erprobt. Innerhalb seines Ackers lässt der Landwirt dafür einige Quadratmeter frei. „Lerchen nehmen diese Flächen dankbar an und brüten hier“, berichtet Axel Wei­nert, Projektverantwortlicher beim ZVP, über erste Erfolge. Der Vorteil: Die Areale bleiben ihrem Status nach Landwirtschaftsflächen, sie könnten, so die Überlegung, als gesetzlich geforderte Ausgleichsflächen entsprechend finanziert werden.

Um wieder ein Bewusstsein für die Parthenaue zu wecken, startet 2016 zudem eine besondere Veranstaltungsreihe – die Parthelandküchen. „Dabei wollen wir das Forschungsvorhaben einer breiten Öffentlichkeit vorstellen“, erläutert Florian Etterer. Unter dem Motto „Spannenlanger Hansel, nudeldicke Dirn“ soll es unter anderem im September um das Thema Obstanbau gehen. Nicht nur in der Forschung, auch ganz praktisch am Herd werden dabei neue Rezepte fürs Partheland gesucht.

www.stadtpartheland.de

Von Simone Prenzel

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