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Parthensteins Bürgermeister: „Wir müssen nach Einsparungen suchen“

Jürgen Kretschel im Interview Parthensteins Bürgermeister: „Wir müssen nach Einsparungen suchen“

Ein neues Einsatzfahrzeug hatte die Klingaer Feuerwehr im vergangenen Jahr erhalten, wofür die Gemeinde 45.000 Euro zahlte. Ansonsten hielt sich die Kommune bei den Ausgaben zurück. Wie steht es um ihre finanzielle Situation und was hat sie dieses Jahr vor? Bürgermeister Jürgen Kretschel (61/parteilos) gab Auskunft im LVZ-Interview.

Bürgermeister Jürgen Kretschel im Gespräch mit der LVZ.

Quelle: Frank Pfeifer

Parthenstein. Ein neues Einsatzfahrzeug hatte die Klingaer Feuerwehr im vergangenen Jahr erhalten, wofür die Gemeinde 45.000 Euro zahlte. Ansonsten hielt sich die Kommune bei den Ausgaben zurück. Wie steht es um ihre finanzielle Situation und was hat sie dieses Jahr vor? Bürgermeister Jürgen Kretschel (61/parteilos) gab Auskunft im LVZ-Interview.

2015 wurde nur die eine große Investition getätigt. Geht dem Dorf die Puste aus?

Sicher nicht. Wir versuchen noch zu investieren, vor allem in die Feuerwehr und das Vereinswesen. Zurzeit bemühen wir uns um Fördermittel für ein neues Löschfahrzeug in Grethen. Das jetzige ist 20 Jahre alt, dafür bekommen wir keine Ersatzteile mehr. Zum anderen unterstützen wir den TSV Großsteinberg, der Bauherr ist für die Erweiterung des Sanitär- und Umkleidetrakts seines Sportlerheims. Die Fördermittel sind bewilligt, wir als Gemeinde bezuschussen das Vorhaben zu 50 Prozent, also mit 62.000 Euro.

Sind dieses Jahr weitere Investitionen geplant?

Nicht in den Größenordnungen von einigen zehntausend Euro. Unser Etat muss die Mittel hergeben, mit denen wir Investitionen finanzieren können. Doch selbst als vermeintlich reiche Gemeinde haben wir Mühe, den Ergebnishaushalt auszugleichen.

Warum diese Mühe?

Die Standards, die wir geschaffen haben, wollen wir nicht ändern. Vereine können kostenlos kommunale Einrichtungen nutzen. Außerdem unterstützen wir sie finanziell. Andererseits muss in anderen Bereichen mehr ausgegeben werden.

Welche Bereiche sind das?

In erster Linie die Lohnkosten, unser Kommunalanteil steigt bei Tariferhöhungen. In diesem Jahr kommen 100.000 Euro mehr an Personalkosten auf uns zu.

Das heißt, der Handlungsspielraum wird enger?

Man muss immer die Balance finden zwischen Wollen und Können. Handlungsspielraum erlangen wir, indem wir höhere Einnahmen erzielen und nach Einsparungen suchen.

Wo kommen für Sie Einsparungen infrage?

Wir müssen täglich überlegen, was nachhaltig, sinnvoll und wirtschaftlich ist. Jeder unserer Mitarbeiter sollte sich Gedanken machen, was unbedingt nötig ist, um unsere Aufgaben zu erfüllen. Das geht bei kleinen Dingen los. Zum Beispiel haben wir uns von der Teilleistung einer Reinigungsfirma ab 1. Juli 2016 im Großsteinberger Kindergarten getrennt. Die Arbeit übernimmt dann das eigene Personal. Ich rechne mit einer Einsparung von 5000 Euro.

Ist es auch möglich, Einnahmen zu erhöhen?

Das Rechnungsprüfungsamt rügt uns regelmäßig, weil die Grundsteuern in Parthenstein unter dem sächsischen Landesdurchschnitt liegen. Wenn sich unser Haushalt nicht ausgleichen lässt, wäre es die erste Maßnahme, hier etwas zu ändern. Kredite möchten wir jedenfalls keine aufnehmen. Und wir wollen nicht unsere Liquidität verfrühstücken. 2015 hatten wir einen Haushalt mit einem Fehlbetrag von 272.000 Euro beschlossen. Das geht zu Lasten der Liquidität und soll nach Möglichkeit dieses Jahr nicht wieder vorkommen.

Wie liquide ist die Gemeinde?

Wir haben 1,4 Millionen Euro. Wenn wir aber so weitermachen wie bisher, sind sie in fünf Jahren aufgebraucht. Das darf nicht geschehen. Wir brauchen die liquiden Mittel, um auch einmal unvorhersehbare Ausgaben finanzieren zu können.

Größere Bauvorhaben wie das Dorfgemeinschaftszentrum Klinga stehen also nicht an?

Nein. Nach zehn bis 15 Jahren müssen wir uns dahin orientieren, den Wert unserer Einrichtungen zu erhalten. Es stehen Reparaturen und Instandsetzungen an. Der Fuhrpark des Bauhofs ist nicht mehr der beste. Die Feuerwehrfahrzeuge müssen nach und nach ersetzt werden.

Erwarten Sie Mehrausgaben für die Beherbergung von Flüchtlingen?

Wir versuchen erst einmal zu prüfen, inwieweit die Unterbringungsbehörde, also der Landkreis, mitwirkt. Ihm haben wir drei Objekte angeboten. Jetzt erwarten wir Aussagen, wie die Finanzierung vonstatten geht.

Gibt es schon eine Reaktion aus der Kreisbehörde auf das Angebot?

Nein, noch nicht.

Inwieweit sehen Sie eine Notwendigkeit zur Verbesserung der Infrastruktur?

In Pomßen haben wir noch einen großen Bedarf am Bau von Abwasserkanälen. Dieses Jahr sind die Schloss- und die Parkstraße, die Straße am Rittergut und der Goldbrunnen dran. Das Planungsbüro schließt gerade Hausanschlussvereinbarungen mit den Grundstückseigentümern. Im zweiten Quartal will der Abwasserzweckverband Parthe loslegen.

Dann ist die gesamte Gemeinde abwassertechnisch erschlossen?

Ja, bis auf die Bergstraße in Großsteinberg. Vielleicht schaffen wir sie nächstes Jahr. Ansonsten bleiben nur einzelne Grundstücke im Außenbereich, deren Eigentümer schon vollbiologische Kleinkläranlagen haben oder noch errichten müssen.

Von Frank Pfeifer

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