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Pausitz: Mit Wasser im Keller steigt die Wut

Pausitz: Mit Wasser im Keller steigt die Wut

Bennewitz/Pausitz. Man muss nicht unmittelbar an der Mulde wohnen, um nasse Füße zu bekommen. Diese leidvolle Erfahrung musste eine ganze Reihe Pausitzer Einwohner nun schon zum dritten Mal innerhalb von drei Jahren machen: Mit dem Unwetter am vergangenen Donnerstag ergoss sich erneut eine Schlammlawine vom Planitz über das von der Machern Landwirtschafts GmbH beackerte Maisfeld bis ins Unterdorf.

Mit dem Wasser in den Kellern steigt auch die Wut, dass die Gemeinde Bennewitz auf die Gefahrenlage bisher nicht reagiert hat.

"Die Straße hatte sich innerhalb weniger Minuten in einen reißenden Bach verwandelt", schildert Paul Kupas. "Und erst gestern hat das Oberflächenwasser aufgehört reinzudrücken." Er wohnt am Dorfausgang im Zeititzer Weg und bekam Wasser und Schlamm sozusagen aus erster Hand. Er habe noch schnell versucht, mit den vom 9. Juni, als das Wasser schon einmal ins Dorf flutete, übrigen Sandsäcken die Garagenzufahrt abzuschotten, aber viel geholfen habe das nicht. Mehr Glück hatte er in seiner Montagebau-Firma in der Straße An der Technik. "Dort hat das Wasser vor der Tür Halt gemacht." Kupas hat die Nase gestrichen voll, denn es ist seit 2011 das dritte Mal, dass es ihn erwischt. Und diesmal zahle keine Versicherung mehr. "Ich bin jetzt dabei, den Besitzer des Feldes, die BVVG, auf Schadenersatz zu verklagen", sagt er. "Man kann nicht alles aufs Unwetter schieben", fügt er hinzu, Eigentum verpflichte zur Vorsorge. Am Dienstag griff er erst mal zur Selbsthilfe. Mit einem gemieteten Mini-Bagger zog er zwischen Feld und Grundstück einen Graben, und in die Garageneinfahrt baute er eine Art Schwelle ein.

Letzteres hatte Thomas Lorenz an der Grimmaischen Straße (B 107), wo erst Mitte der 1980er Jahre die ersten Häuser entstanden, noch vor 14 Tagen auch als Lösung angesehen. Er erhöhte bis zu der Stelle, wo das Wasser am 9. Juni stoppte. Doch die Welle, die diesmal vom Feld zwischen Bauhof und Feuerwehr hindurch - nicht ohne auch dort Schlamm in die Garagen zu kippen - und über die B107 rauschte, nahm die neue Hürde locker. "Das kann man nicht beschreiben", sagt Lorenz, der - selbst bei der Feuerwehr - sicher schon einiges gesehen hat. "Drei Pumpen konnten das Wasser nicht fern halten. Im Keller stand es in Tischhöhe." Den Heizungsbrenner habe er zum Glück vorsorglich ausgebaut gehabt, auch sonst habe er aus dem ersten Ereignis 2011 gelernt und zum Beispiel vieles in Plastekisten gepackt. Trotzdem: "Ich denke nicht, dass wir so etwas jedes Jahr aushalten können", sagt er.

"Etwa 30 Grundstücke hat es diesmal unter Wasser gesetzt", schätzt Walrath Richter aus der Seitenstraße. Darunter ist auch seines, gebaut vor 20 Jahren. "Es war diesmal noch schlimmer als September 2011", sagt er. Bretter und Sandsäcke waren im Nu überspült. Durch die Tiefgarageneinfahrt kam die Brühe herein und stand teilweise 47 Zentimeter hoch im Keller. Die Heizung ist im Eimer, Möbel und anderes mehr. "Wir haben von 19.30 bis 1.30 Uhr gepumpt. Feuerwehrleute waren die einzigen, die sich um die Einwohner gekümmert haben", sagt Doris Richter und fügt hinzu: "Besonders dankbar bin ich unseren Nachbarn, die noch geholfen haben, Geräte hochzustellen." Denn seit einer OP ist die 64-Jährige noch nicht wieder so gut zu Fuß, wie sie möchte.

Für Richters steht fest: "Im Interesse aller Betroffenen - wozu mit Bauhof und Feuerwehr auch die Gemeinde selbst gehört - müssen die Ursachen für die immer häufiger wiederkehrenden Überflutungen beseitigt werden." Und das nicht nur, weil man sich schon nicht mehr traue, in den Urlaub zu fahren, sondern vor allem, "weil die Häuser sonst durch die Nässe in zehn Jahren Schrott sind". Walrath Richters Meinung nach müsste der Schutz schon am Wald beginnen, dort, wo die Flutwellen entstehen. "Maßnahmen nur am Ortsrand würden zu kurz greifen." Richter, über Erfahrungen in der Thallwitzer Agrargesellschaft verfügend, listet eine Reihe von "kleinen, aber in Summe wirksamen Maßnahmen" auf, um Bodenerosion zu vermindern: die zugewachsenen und teilweise bis oben versandeten Gräben beräumen und weitere anlegen, die stellenweise Ansaat von Wiesengräsern auf dem Feld und Anpflanzen von Sträuchern, die Ernte - weil schwere Technik Furchen hinterlässt - quer zur Fließrichtung des Regenwassers, eine pfluglose Bodenbearbeitung und Erhöhung der Bordsteinkannte als "Flutdeich" an der Ostseite der B 107. Der Aufwand, meint Richter, sei gering. "Erforderlich dafür ist in erster Linie der politische Wille des Gemeinderates, alle Beteiligten - so wie schon 2011 versprochen - unverzüglich an einen Tisch zu bringen."

An den Gemeinderat haben sich Richters deshalb jetzt mit einem Brief gewandt, außerdem wollen sie eine Unterschriftensammlung initiieren, die dem Anliegen der Pausitzer Nachdruck verleiht. "Die Ereignisse müssten Sie alle wachrütteln und endlich ein Umdenken einleiten, nicht nur in Hinblick auf den Flutschutz für Pausitz, sondern ... auf die Arbeit des Gemeinderates und der -verwaltung...", heißt es darin. "Es wird massiv geklagt ..., dass alle Probleme, die die Menschen bewegen, auf der Strecke bleiben und sich kein Angestellter der Verwaltung und schon gar kein Gemeinderat kümmert...", kritisieren sie und fügen hinzu: "Das Ereignis zeigt wieder einmal deutlich, dass das Problem Amtsverweser Priorität haben müsste, denn dann hätten die Bürger wieder das Gefühl, einen Ansprechpartner zu haben."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.06.2013

Ines Alekowa

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