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Wurzen Peter Schnabel erledigt seinen letzten großen Auftrag
Region Wurzen Peter Schnabel erledigt seinen letzten großen Auftrag
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20:00 30.12.2015
Peter Schnabel am Räderwerk der Wiederauer Schlossuhr. Für ihn seine letzte große Auftragsarbeit. Quelle: dietmar schäfer
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Naunhof

Seine letzte große Auftragsarbeit hatte Peter Schnabel jetzt in der Mache. Zumindest geht der 75-jährige Uhrentechniker davon aus. Ein Hintertürchen lässt er sich allerdings offen. „Manche Künstler kommen schließlich auch wieder, obwohl sie ihre Karriere beendet hatten“, sagt er schmunzelnd. Gefragt wird der Naunhofer jedenfalls immer noch, ob er hier oder dort mal Hand anlegen könnte.

Das Turmuhrwerk im Schloss Wiederau bei Leipzig, das ungefähr aus dem Jahr 1700 stammt und völlig verrostet war, brachte Schnabel in Gang. Er hat es gereinigt und fehlende Teile ersetzt, einen elektrischen Gewichtsaufzug angefertigt und installiert. Dieser Tage wurde das wertvolle historische Stück im Turm eingebaut.

„Ich befasse mich bereits zwölf Monate damit“, berichtet Schnabel. „Immer mal wieder, wenn ich als Rentner Zeit habe.“ Seit zehn Jahren schon lebt er im (Un-)Ruhestand, hat in dieser Zeit weiter in seiner Werkstatt „Uhrentechnik Peter Schnabel“ in Klinga gearbeitet. Zum 1. Juni 2014 übergab er sie an Nachfolger Mike Scholze, der einer breiten Öffentlichkeit unter anderem durch die Sanierung des Uhrwerks in der Wurzener St.-Wenceslai-Kirche bekannt wurde. Er ist der Lebensgefährte seiner Tochter und schon lange im Betrieb tätig.

Alter macht sich bemerkbar

„Wer aufhört zu arbeiten, der rostet“, meint Schnabel. Deshalb wollte er eigentlich weiter machen wie gehabt. „Aber es wurde Zeit, dass die Jugend Verantwortung übernimmt“, sagt er offiziell. Und nach innen geblickt, gibt er zu: „Das Alter macht sich bemerkbar, wenn man zwei- bis dreimal am Tag einen Kirchturm erklimmt und wieder absteigt, wenn man Uhrwerke nach unten und oben schleppt, wenn man Glocken umhängt. Ich habe Klöppel saniert, die bis zu 100 Kilogramm wogen. Das fiel mir körperlich immer schwerer.“

Das Wiederauer Schloss. Quelle: Günther Hunger (Archiv)

Wie fit war Peter Schnabel doch in seiner Jugend! In Leipzig geboren, wurde er Dreher und strampelte mit dem Fahrrad zur Arbeit. Stets kam er dabei an der Turmuhrenfabrik Zachariä vorbei, an der eines Tages ein Schild hing, dass jemand gesucht wird, der eben dieses Handwerk beherrscht. In seinem Tatendrang bewarb er sich, ab 1956 verdiente er dort als Mechaniker und Monteur seine Brötchen. 1960 bis ‘65 bildete er sich im Abendstudium zum Maschinenbauingenieur weiter, danach wurde er zum technischen Leiter befördert. 1991 schied er mit seiner Ehefrau Helga, die als Technische Zeichnerin und Teilkonstrukteurin bei Zachariä angestellt war, aus dem Betrieb aus.

Schritt in die Selbstständigkeit

„Ich meldete ein Gewerbe an, kaufte in Klinga ein landwirtschaftliches Gebäude und baute es aus“, schildert Schnabel den Schritt in die Selbstständigkeit. Ehrenamtlich gründete er mit seiner Frau den Verein, der seit 1995 in der Naunhofer Ungibauerstraße das Turmuhrenmuseum betreibt.

„Hier und da habe ich mir ein Denkmal gesetzt“, sagt der Senior stolz, der bis 2014 Obermeister der Uhrmacherinnung Leipzig war. „Wenn ich durch die Landschaft fahre, kann ich sagen, dies oder jenes habe ich gebaut. Ich konnte der Nachwelt Uhren erhalten, die Bestand haben. Das ist mein Teil, um die Menschen zu erfreuen.“

Wollte er die größte Uhr wiedersehen, die er neu hergestellt hat, müsste er allerdings weit fahren. Sie befindet sich im Wasserturm von Lünen bei Dortmund und hat vier Ziffernblätter mit Durchmessern von sechs Metern. In Königswinter am Rhein baute er im Schloss Drachenburg eine neue Uhr ein, deren Ziffernblatt er überholte. 2008 wurde er für die Restaurierung des historischen Turmuhrenwerks der Kirche im nordsächsischen Polbitz erster Preisträger des Denkmalpflegepreises.

Spuren in Leipzig

Auch Leipzig trägt seine Handschrift. So sanierte er unter anderem die Turmuhr des Kochhochhauses am Augustusplatz, bekannt durch Mondkugel und Schlagwerk. Er entwarf die Klangschale in Specks Hof, deren Wasser sprudelt, wenn an ihr gerieben wird. Und er baute die Schlageinrichtung für die Demokratieglocke am Augustusplatz.

„Noch heute bitten mich Leute, Turmuhren zu restaurieren“, berichtet der Naunhofer, der von sich weiß: „Das Kribbeln in den Fingern spüre ich weiterhin.“ Mit dem Turmuhrenmuseum hat er, wie er sagt, eigentlich genug zu tun. „Aber ich weiß auch, dass ich es brauche, Aufgaben zu haben“, merkt er augenzwinkernd an.

Von Frank Pfeifer

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