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Pfarrer warnt: Brandiser Friedhof verliert durch Tongrube an Würde

Pfarrer warnt: Brandiser Friedhof verliert durch Tongrube an Würde

Unerwünschte Folgen der geplanten Tongrube befürchtet der Brandiser Pfarrer Ulrich Seidel (63). "Das Vorhaben ist schon sehr gewöhnungsbedürftig. Für den städtischen Friedhof ist es schlichtweg eine Katastrophe.

Brandis. " Wie Seidel erklärt, reiche das Abbaugebiet bis auf 50 Meter an die Gräber heran.

Die Vorstellung, dass die Ruhe der Verstorbenen bald von Baggern und Lastwagen gestört wird, hält Seidel für unerträglich. Seine Hinterbliebenen am Grubenrand zur letzten Ruhe zu betten, damit könne niemand einverstanden sein. "Der Friedhof wird dadurch an Würde verlieren", warnt der Geistliche. Das Vorhaben sei pietätlos. "Ich erinnere mich, dass im Markkleeberger Ortsteil Zöbigker zu DDR-Zeiten ein Friedhof entwidmet wurde, weil der herannahende Tagebau keine andere Wahl ließ." Eventuell müsse man auch in Brandis die Frage stellen, ob eine würdige Erinnerung an die Toten 50 Meter von einer Tongrube entfernt überhaupt machbar sei. Planer Bernd Knoblich, der das Vorhaben im Auftrag der Stadt kritisch hinterfragt, berichtet von einem zwei Meter hohen Wall, der zur Abgrenzung des Tonabbaus entlang des Friedhofs geplant ist: "Auch das gibt sicher kein angenehmes Bild." SPD-Stadtrat Frank Mieszkalski wälzte gestern das Sächsische Bestattungsgesetz. "Eventuell ergeben sich auch daraus noch Ansatzpunkte", erklärte er gegenüber LVZ.

Die Kritik der SPD an dem Vorhaben ist freilich grundsätzlicher Art. "Die Belastungen durch Verkehr, Lärm und Staub lassen den Lebens- und Erholungswert von Brandis und Polenz auf null sinken", kritisiert Mieszkalski im Namen seiner Fraktion. Man werde das Vorhaben geschlossen ablehnen. Damit nicht genug."Wir werden auch die Streichung des Vorbehaltsgebietes Brandis Nord Nr. 84 aus dem Regionalplan Westsachsen initiieren", erklärte SPD-Ortsvorsitzender Markus Bergforth. Denn die Ausweisung dieser Ton-Reserve werde einer geordneten räumlichen Entwicklung von Brandis schon längst nicht mehr gerecht. Das Unternehmen habe sich genau das Areal ausgesucht, moniert die SPD, das als einziges noch für eine Siedlungsentwicklung in Frage komme. Sonst sei Brandis bereits jetzt von einem "Käselochband" von Bergbaufolgelandschaften eingeschnürt. "Kindergarten und Jugendhaus wären auf ewig falsch platziert, auch die Sportplätze wären nicht erweiterbar." Zudem sehen die SPD-Räte einer Verfüllung mit Sorge entgegen: "Es bleibt das ungute Gefühl, dass es vordergründig nur um die Schaffung eines neuen großen Loches als Deponie geht." Auch die Aussicht auf lediglich sechs Arbeitsplätze vermag die Kritiker nicht von der Notwendigkeit des Abbaus zu überzeugen.

Mit bisherigen Aktivitäten der Firma geht die SPD hart ins Gericht: So gebe der Eigentümer, dem bereits das Ex-Silikatwerk gehört, die historische Fabrikantenvilla seit Jahren dem Verfall preis. "Auch die fehlende Transparenz bezüglich der stillgelegten Deponien Reinhild und Waldstraße hat bisher ebenfalls kein Vertrauensverhältnis befördert."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 06.02.2015
Simone Prenzel

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