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Wurzen Pfarrstelle war lange vakant: Alexander Wieckowski tritt in Wurzen an
Region Wurzen Pfarrstelle war lange vakant: Alexander Wieckowski tritt in Wurzen an
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00:18 22.07.2017
Alexander Wieckowski ist der neue Pfarrer in der Wurzener Stadtkirche. Quelle: Andreas Döring
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Wurzen

Wenn man wie er zehn Jahre lang Pfarrer in Oberlausitzer Dörfern war, dann fühle sich Wurzen beinahe schon wie eine Großstadt an, lacht Alexander Wieckowski. Um so mehr freue es ihn, morgens trotzdem weiter vom Hahn geweckt zu werden. „Ganz in der Nähe meiner Wohnung am Domplatz kräht ein stolzer Gockel in aller Herrgottsfrühe“, sagt der 39-Jährige.

Wurzen, der letzte Schrei und für Wieckowski erste Wahl. Vor wenigen Tagen hat er seine Stelle als neuer Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinden St. Wenceslai Wurzen und Kühren-Burkartshain angetreten. Erste Amtshandlung: Offene Türen! Das überrascht, schließlich sorgten Einbrüche im Pfarrhaus ausgerechnet am Heiligen Abend und am Neujahrstag für Schlagzeilen. „Ich möchte für alle ansprechbar sein“, betont der Optimist.

Der historische Stadtkern, die beleuchtete Kirchturmuhr, der beeindruckende Friedhof – Wurzen ist dem gebürtigen Dresdener stets nahe gewesen: „Nach dem Theologiestudium sammelten meine Frau Beate und ich beim damaligen Wurzener Gemeindepädagogen Stefan Winkelmann erste Erfahrungen. Pfadfinderarbeit, Kinderbibeltage, Rüstzeiten – es war eine wunderbare Zeit“, schwärmt der Familienvater und Kirchenhistoriker. Für die Sächsischen Heimatblätter verfasste er anlässlich des Tages der Sachsen einen Artikel übers Wurzener Domkapitel. Sein Onkel Michael Beyer, ebenfalls Kirchenmann, wohnt in Schönbach bei Colditz. Außerdem stamme seine Frau aus der Gegend.

Der einstige Gemeindepädagoge Winkelmann freut sich genauso auf seinen einstigen „Schützling“ wie der Kirchenvorstand um Thomas Müller. Nachdem sich Pfarrer Martin Schiefer in den Ruhestand verabschiedet hatte, war die Stelle von Anfang November bis Ende Juni vakant. Pfarrer Martin Handschuh aus Püchau, seine Kollegen und viele Ehrenamtliche sprangen ein.

Während sich seine bessere Hälfte vornehmlich um die Christenlehre kümmern wird, will Wieckowski die über 2000 Gemeindeglieder ermutigen, nicht miesepetrig, sondern freudig durchs Leben zu gehen: „Ich lache gern und bringe andere auch gern zum Lachen.“ Dabei kennt er – und das ist ihm wichtig – nicht nur die Sonnenseiten. Seine Mutter kam bei einem Autounfall ums Leben, sein Vater ist seither querschnittsgelähmt. In seinem persönlichen Umfeld gab es zudem einen Menschen mit Drogenproblemen.

Obwohl er gewarnt worden sei – Wurzen ist für Alexander Wieckowski keine rechte Hochburg. „Ich habe hier in den vielen Monaten, die ich bei Gottesdiensten ausgeholfen hatte, so viele liebe Menschen kennenlernen dürfen. Schauen Sie sich den Dom an, die Frauen schmücken ihn in Eigenregie mit Blumen.“ Er halte nichts von Begriffen wie links und rechts. Natürlich dürfe über Flüchtlinge diskutiert werden und – ja – die Politik habe sicher nicht alles richtig gemacht. Aber wer in Not sei, dem müsse und werde in Wurzen auch geholfen. Die Stadt ist für Wieckowski in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung: Die über 20 Mitarbeiter, der kirchliche Kindergarten, die Kooperation mit dem Domkapitel. Er will Wurzen und seine „Schwestern“ Kühren, Burkartshain, Nemt, Nitzschka sowie Sachsendorf näher zusammen bringen, wobei die Kirche im besten Sinne im Dorf bleiben soll. Ihm sind Ökumene, Besuchsdienst und Kirchenmusik wichtig: „Wir haben einen hauptamtlichen Kantor, für mich eine große Freude, kann man doch insbesondere über die Musik viele Menschen erreichen“, sagt Wieckowski, der Posaunenspieler. Mit seinem Elektrofahrrad möchte er das Wurzener Land erkunden, er, der die Natur liebt und vom Hahn geweckt wird: „In der Oberlausitz hatte ich noch Kaninchen, die konnte ich leider nur in der Tiefkühltruhe mitbringen...“

Einführungsgottesdienst am 20. August, 14 Uhr, im Wurzener Dom.

Von Haig Latchinian

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