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Wurzen Pläne für Hohburger Altenpflegeheim haben einen langen Bart
Region Wurzen Pläne für Hohburger Altenpflegeheim haben einen langen Bart
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15:00 18.05.2016
2010 ließ sich Weigelt so lange den Bart wachsen, bis in Dresden Tatsachen für den Bau eines Seniorenheims in Hohburg geschaffen wurden. 22 Wochen lag = sechs Zentimeter. Quelle: Frank Schmidt
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Lossatal/Hohburg

Nach sechsjährigem Bemühen in Hohburg ein Altenpflegeheim zu bauen, hat sich nun sichtlich etwas bewegt. Bürgermeister Uwe Weigelt (SPD) sprach von einer „ganz spontanen Aktion“. Ein Bagger, geführt von André Ullrich, nahm sich die Altbausubstanz des ehemaligen Hohburger Bauhofes zur Brust, um dort Baufreiheit für den geplanten Seniorenneubau zu schaffen, sodass nutzlose alte Bausubstanz durch neue ersetzt werden kann. Soll heißen, dass der letzte Baggerbiss nicht der erste Spatenstich ist.

Vorausgegangen ist dem ein jahrelanger Kampf sowohl um die Genehmigung als auch um den Standort, der sich geändert hat, nachdem sich der erste Investor zurückgezogen hatte beziehungsweise zurückziehen musste. Jetzt steht ein neuer Investor bereit, für etwa sechs Millionen Euro das Projekt bis Ende 2017 zu realisieren. Ein dreigeschossiges Gebäude für 72 Senioren. „Insbesondere die Gemeinschaftsräume sind großzügig ausgerichtet, um Wohngruppen zu bilden, in denen die Bewohner Kontakte untereinander pflegen können. Denn sie werden zumeist vom Lande kommen und sind Großfamilien gewöhnt“, erklärte Jens Karnahl von der Investorengruppe. Und, so ergänzte der 63-Jährige, das Obergeschoss soll mit angeschrägten Dachelementen dem Charakter der ländlichen Bauweise angepasst werden.

Rückblende: Im Frühjahr 2010 wurde die Gemeinde Lossatal vom Investor angesprochen, besagtes Seniorendomizil bauen zu wollen. Die Suche nach einem geeigneten Standort am Kaolinsee sollte dabei die kleinste Hürde gewesen sein. „Aber der Landesentwicklungsplan des Freistaates Sachsen schien das Vorhaben zu kippen, denn zum damaligen Zeitpunkt waren Altenpflegeheime nur in Ballungszentren wie Wurzen oder Leipzig vorgesehen“, blickte Bürgermeister Uwe Weigelt (SPD) darauf zurück. Deshalb strengte die Gemeinde ein sogenanntes Zielabweichungsverfahren an und konnte planerisch belegen, „mit dem Vorhaben zum einen nicht den Standort Wurzen zu gefährden, zum anderen den Landesentwicklungsplan nicht zum Einsturz zu bringend“. Dass aber die Mühlen der Bürokratie länger als gedacht mahlen würden, hatte die Gemeinde so nicht auf dem Schirm. Weshalb es zu einer spektakulären Bartaktion kam (die LVZ berichtete).

Weigelt verweigerte ab 22. September 2010 das Rasieren. Und zwar so lange, bis das von Dresden zu bearbeitende Zielabweichungsverfahren abgeschlossen ist. Beziehungsweise bis Weigelt ein „so langer Bart“ wuchs, quasi als symbolisches Spiegelbild für die Bearbeitungsdauer in den Dresdener Ministerien. Um das auch dem Landesvater Stanislaw Tillich (CDU) vor Augen zu führen, bekam er jede Woche aus dem noch damaligen Hohburg Rathaus – die Eingemeindung war später – eine Mail mit aktueller Bartlänge. Ganze 22 Wochen lang. Dann brachte Innenminister Markus Ulbig (CDU) neben dem positiven Bescheid zum Zielabweichungsverfahren auch eine Schere mit, um damit am 24. Februar 2014 den inzwischen sechs Zentimeter langen Bart zu entfernen.

Dennoch ist das Projekt zum vorläufigen Stillstand gekommen, obwohl es schon einen Bebauungsplan gab und auch die Baugenehmigung vorlag. „Der Investor schwächelte und konnte die Finanzierung nicht mehr stemmen, was dazu führte, dass schon der Ankauf des geplanten Grundstückes am Kaolinsee scheiterte“, bedauerte der Gemeindechef.

Mit dem jetzigen Investor soll es besser laufen. Dafür haben die Gemeinde und ein dreitagebärtiger Bürgermeister Weigelt die baulichen Voraussetzungen am alten Bauhof geschaffen.

Von Frank Schmidt

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