Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Preiswürdig: Brandiser Bambusmobile
Region Wurzen Preiswürdig: Brandiser Bambusmobile
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:03 11.10.2018
Kleiner Flitzer: Die Flügelkonstruktion mit Spiegeln macht das Solarmobil besonders leistungsstark. Quelle: privat
Brandis

Erneuter Erfolg für junge Forscher am Brandiser Gymnasium: Alexandra Helbig (12) wurde beim 28. Bundesumweltwettbewerb (BUW) mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Sie hatte die mechanischen Eigenschaften von Bambus im Hinblick auf seinen Einsatz als alternativer Konstruktionswerkstoff im Elektrofahrzeugbau untersucht. Und während Alexandra im Bremer Rathaus das Preisgeld von 500 Euro entgegennahm, schickten Konstantin Koark (17) und Julian Hellmann (17) bei der Deutschen Meisterschaft der Solarmodellfahrzeuge in Chemnitz einen Solarspider auf die Rennbahn.

Erfolgsgeschichte beginnt in AG Fotovoltaik

Begonnen hatte die Erfolgsgeschichte in der AG Fotovoltaik. Alexandra bastelte zunächst mit leichtem Balsaholz und fuhr mit ihrem Amphibienfahrzeug 2017 beim BUW auf Platz 1. „Aber es gab die Idee, auch mal ein ganz schnelles Fahrzeug zu bauen“, sagt Lehrer und Betreuer Lutz Feichtinger. Die Hürde: Für mehr Schnelligkeit braucht das Auto mehr Elektronik. Alexandra, damals 7. Klasse, holte sich Hilfe bei den beiden Elftklässlern, Leistungskurs Physik. „Wir haben sofort zugesagt“, erzählen Julian und Konstantin. „Das Knobeln um den besten Ansatz hat Spaß gemacht.“ Die drei nutzten Alex’ Erfahrung, die für ein Jugend-forscht-Projekt inzwischen mit Bambus experimentierte, für einen extrem leichten Gitterrahmen. Mit ihrem Solarmobil qualifizierten sich die „Brandiser Bambus-Bauer“ beim Regionalfinale in Leipzig für das Deutschland-Finale in Chemnitz. Hier allerdings hatte das Team „Triple B“ Pech. Wegen eines Solarzellenbruchs erreichte ihr Spider nicht die volle Leistung. Trotzdem gaben die Jungs nicht auf, schrammten knapp am Viertelfinale vorbei und kamen in der Ultraleichtklasse noch auf Platz 19 von 25 Teilnehmern. Die Brandiser waren damit zwar nicht die schnellsten auf der 10-Meter-Strecke mit dunklem Tunnel in der Mitte, die viermal, also mit Richtungswechsel, zu bewältigen war. Sie holten sich aber einen Innovationspreis. „Da von den 800 cm2 Mobiloberfläche nur 350 mit Solarzellen belegt werden durften, haben wir rechts und links der Solarzellen Spiegel angebracht und durch das Mehr an Licht 30 Prozent Leistungssteigerung erreicht“, erklärt Julian die pfiffige Lösung.

Tests und ein Modell

Alexandra punktete derweil beim BUW in Bremen. Der jährliche Wettbewerb zeichnet Schüler und junge Erwachsene aus, die Umweltproblemen mit Kreativität gemäß dem Motto „Vom Wissen zum nachhaltigen Handeln“ entgegentreten. Zur 28. BUW-Runde reichten 1113 junge Leute 332 Projektarbeiten ein. Alexandra wollte Bambus und Elektromobil zusammenbringen. Denn: „Bisher für den Fahrzeugbau eingesetzte Kohle- oder Glasfaserverbundkunststoffe sowie metallische Werkstoffe widersprechen dem Grundgedanken der ökologischen Nachhaltigkeit des Elektromobils. Ich musste also eine Alternative finden, die ökologisch unbedenklich, nachhaltig, von ausreichender Festigkeit, kostengünstig und leicht verfügbar ist.“ Die Gymnasiastin testete, nach eigenen Erfahrungen im Bogensport, daraufhin die Eigenschaften von Bambus und baute ein Modell zur Überprüfung ihres Konzeptes. Statt Verschraubungen und Klebstoffen gab sie Flachsfasern sowie Naturlatex den Vorzug, was die Jury als „beeindruckende Ingenieursleistung“ bezeichnete. „Wirklich bemerkenswert“ für „eine so junge Teilnehmerin“ aber sei, dass sie im Ergebnis „ein fertig entwickeltes und eigens konstruiertes Modellfahrzeug vorweisen“ kann, „das auch Belastungstests unterzogen wird und diesen standhält“. Alexandra hat dafür sogar praktische Einsatzmöglichkeiten im Blick: „Durch eine Kombination des Bambuschassis mit einem robusten Elektroantrieb mittels Solarenergie lässt sich möglicherweise ein Transportmittel bauen, welches beispielsweise in Entwicklungsländern attraktiv sein könnte.“

Voting für weiteres Projekt

Das Brandiser Gymnasium ist mit einem weiteren Projekt –„Maisspindeln als nachhaltiger Rohstoff“ – vom BUW für den Deutschen Engagementpreis vorgeschlagen worden. Bei dem bis 22. Oktober gehenden Online-Voting unter www.deutscher-engagementpreis.de gilt es, so viele Stimmen wie möglich zu sammeln. Der Preis ist mit 10000 Euro dotiert. „Mit einer solchen Förderung könnten wir viele Projekte anschieben“, sagt Feichtinger.

Von Ines Alekowa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zu den ersten Mietern des modernen Seniorenzentrums in Bennewitz gehören Ingrid und Gerhard Tzschentke. Sie zogen vor sechs Wochen in den „Alten Gasthof“, der heute 25 Wohnungen mit Pflegedienst und Tagesbetreuung bietet.

10.10.2018

Die im August 2017 entwendete Bronzebüste des Widerstandskämpfers Albert Kuntz im Stadtpark Wurzen soll ersetzt werden. Dafür wird jetzt in Wilsdruff bei Dresden ein Abguss des zweiten Originals erstellt.

09.10.2018

Eine 51-jährige Skoda-Fahrerin ist am Montag in Heyda (Lossatal) frontal mit einem Traktor zusammengestoßen. Die Frau wurde bei dem Unfall schwer verletzt.

09.10.2018