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Wurzen Problemlösung in Brandis kommt aus Panama
Region Wurzen Problemlösung in Brandis kommt aus Panama
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15:21 19.05.2015
Zufriedene Gesichter: Jorge Escudero absolviert eine Ausbildung im Autohaus Graupner, auch Radmontage gehört dazu. Geschäftsführer Ingo Graupner ist froh, dass der 21-Jährige aus Panama den Weg nach Brandis gefunden hat. Quelle: Heinrich Lillie

In diesem Herbst allerdings war es fast so weit. Ingo und sein Vater Gerd, der Firmengründer, hatten die Hoffnung auf geeignete Bewerber schon aufgegeben. Doch dann stand plötzlich doch noch eine Lösung für das Problem vor der Tür - mit leuchtenden Augen und aus Panama.

"Wir hatten resigniert", redet Ingo Graupner nicht um den heißen Brei herum. Er und die für die Ausbildung Verantwortlichen im Haus waren von den diesjährigen Bewerbern enttäuscht. Sie hatten einfach nicht das Gefühl, dass es passte. Doch als sie gerade beschlossen hatten, das Thema Mechatroniker-Azubi abzuhaken und schon mit der Suche fürs nächste Jahr zu beginnen, stand Jorge Escudero an der Rezeption.

Seine Botschaft war überzeugend: "Ich liebe Autos und ich möchte alles über sie lernen." Diese erste Satz war das eine. Noch mehr aber fielen beiden Graupners die leuchtenden Augen, die Ausstrahlung des 21-Jährigen auf. Da stand einer vor ihnen mit einer Ausstrahlung, für die zwei Worte ausreichen: Ich will. Die Entscheidungen treffe Ingo, sagt Senior Gerd, doch diesmal habe er sich eingemischt: "Den musst du nehmen."

Und Ingo nahm. Bereut er es bisher keinen Moment lang. Genauso wenig, wie Jorge Escudero seinen Schritt gen Brandis. Das Meinungsforschungsinstitut Gallop kam im Dezember 2012 zu der Erkenntnis, dass die Panameños, die Einwohner Panamas, mit zu den glücklichsten Menschen auf der Erde zählen. Der junge Mann scheint das beste Beispiel zu sein. Wenn er über seinen abenteuerlichen Weg erzählt, der ihn zu den Graupners führte, hat er wieder das Leuchten in den Augen.

Groß geworden in Panama-City, zur Schule gegangen, ein Studium vor Augen - und nur ein Ziel: Deutschland. "Deutschland ist einfach Spitze, hat den besten Ruf", sagt er. Wer etwas mit Autos im Sinn habe, müsse einfach nach Deutschland. Seine Eltern hätten ihn nicht verstanden. Aber sein Opa, der in Panama so etwas wie ein Automechaniker gewesen sei, habe ihm zugeraten. Dabei, erzählt Jorge schmunzelnd, habe es allerdings einen kleinen Irrtum gegeben. Sein Opa, ein Sozialist, sei wohl nicht auf dem allerneuesten Stand gewesen, habe ihm Karl-Marx-Stadt empfohlen. Also stieg er vor zwei Jahren ins Flugzeug nach Frankfurt, wollte eigentlich nach Chemnitz und landete in Leipzig. Er absolvierte ein Studienvorbereitungsjahr an der Hochschule Zittau-Görlitz, lernte Deutsch, arbeitete freiwillig in verschiedenen Einrichtungen. Doch dann holte ihn die harte Realität ein. Geld fürs Studium habe er nicht und auch seine Eltern könnten es ihm nicht geben, so die Erkenntnis des 21-Jährigen. Von seinem grundsätzlichen Weg brachte ihn das aber nicht ab. Er recherchierte, fand Graupner - und ist glücklich. "Es ist alles in Ordnung", strahlt er. "Alles gut." Die Behördengänge - Ausländerbehörde und Arbeitsagentur zum Beispiel - erledigte er selbst, holte sich Aufenthalts- und Ausbildungsgenehmigung. Und jetzt will er Wissen und Erfahrung sammeln, um seine Kenntnisse eines Tages daheim anzuwenden. Was er in Deutschland lerne, könne Panama gut gebrauchen.

Jedes Wort, jede Geste verrät, dass Jorge Escudero genau weiß, was er will. Er ist ein 21-Jähriger mit klaren Zielen. "Wir werden unseren Betrag dazu leisten, dass er sie erreicht", verspricht Ingo Graupner.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 05.11.2013
Heinrich Lillie

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