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Wurzen Protest gegen Autobahnlärm
Region Wurzen Protest gegen Autobahnlärm
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00:00 28.04.2011
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. „Tiere haben ein noch viel feineres Gehör als wir Menschen. Meine Katze leidet unter dem stressigen Dauerlärm. Sie hat chronische Bronchitis."

Umweltaktivist Jens Haubner konnte das mit Augenzwinkern nur bestätigen: „Dieser Lärm. Da graut‘s den Hund mitsamt der Hütte. Vielleicht machten dieser Tage Rüde und Hündin ja deshalb die Autobahn bei Grimma dicht!" Den tierischen Protest komplettierten gestern am Mutzschener Zubringer zwei riesige aus Pappmaschee und Kaninchendraht gebaute Ohren, fast so groß wie die von Elefanten.

Der 69-jährige Gerold Meißner aus Prösitz beteiligte sich schon zum wiederholten Male an der Demo: „Der Autobahnlärm ist gerade bei Westwind sehr belastend. Es ist empörend: Da wird die Fahrbahn in unserem Abschnitt gerade erneuert. Aber an die Bewohner denkt niemand! Wann, wenn nicht jetzt, sollte eine Lärmschutzwand gebaut werden?!" Wermsdorfs Bürgermeister Matthias Müller unterstützte die Forderungen der friedlichen Demonstranten genauso wie sein Mutzschener Amtskollege Carsten Graf. Der erschien mit professionellem Equipment auf der Autobahnbrücke: „Die Ohrenschützer hatte ich das letzte Mal in Hockenheim bei der Formel 1 auf", witzelt der Ortschef und ergänzte: „Die Kommunen an der A 14 haben sich bekanntlich zu einem Kartierungsverbund zusammengeschlossen, um die von Brüssel geforderten Planungen auf den Weg zu bringen. Nach der Lärmkartierung wissen wir, was wir eigentlich schon vorher wussten: Es besteht dringend Handlungsbedarf, besonders hier in Prösitz und Deditz." Graf nannte es abermals einen Skandal, dass Kommunen viel Geld für beschriebenes Papier ausgeben mussten – „Und das, obwohl es sich um eine Bundesautobahn handelt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Jetzt folgt der Aktionsplan."

Torsten Nehring, Heilpraktiker aus Prösitz, äußerte sich ähnlich enttäuscht: „Es kann doch nicht sein, dass das Autobahnamt eine Lärmschutzwand nur bei Neubau oder dreispurigem Ausbau vorsieht. Dass der Verkehr hier aber immer heftiger wird, juckt da oben offensichtlich keinen." Die Oschatzerin Uta Schmidt von Bündnis 90 / Die Grünen forderte zumindest ein Tempolimit in der Höhe von Prösitz: „Damit würde sich auch der Ausstoß von Kohlendioxid reduzieren." Der Mutzschener Gero Weigelt mit Söhnen Arne und Malte hatte den Lärmmesser parat: „85 dB. Das ist so laut wie ein Staubsauger!" Frank Rötzsch aus Leipnitz, der bereits einige Veranstaltungen der Arbeitsgruppe „Kunst und Natur an der A 14" moderierte, erinnerte an die im Gremium schon vor Jahren geäußerte Idee einer Lärmschutzwand samt Sonnenkollektoren. Er sieht im möglichen Zusammenspiel aus Kunst, Wirtschaft, Ökologie und Gemeinwesen eine echte Chance. Und so bezeichnete er den Bürgerprotest als großen Erfolg: „Denn wer nur zu Hause hockt und schimpft, manövriert sich schnell in die Opferrolle. Wer aber aktiv wird, fühlt sich nicht ohnmächtig und überhaupt besser." Und das erst recht, weil Ute Hartwig-Schulz, Helgard Flügge und all die anderen Künstlerinnen im Anschluss an die Demo noch zum geselligen Kuchenessen einluden.

Haig Latchinian

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