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Püchau: Streit ums Schloss eskaliert

Püchau: Streit ums Schloss eskaliert

Püchau. Mit einer dicken Eisenkette und großen Gesteinsbrocken ist seit kurzem der Püchauer Schlosspark verbarrikadiert. Touristen stehen ebenso wie Einwohner vor verschlossener Tür, wenn sie die historisch wertvolle Anlage mit ihrem geschützten Baumbestand betreten wollen.

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„Was hier passiert, kann man nicht unkommentiert lassen", empört sich Pfarrer Martin Handschuh, der wenige Meter vom Schloss entfernt wohnt. „Seit Jahrhunderten ist der Park öffentlich zugänglich. Das hat es nicht mal zu Zeiten des Grafen gegeben, was sich jetzt hier abspielt." Er habe kürzlich an einer Führung des Naturparks Muldenland durch die Anlage teilnehmen wollen, berichtet Handschuh. „Doch der Termin musste ins Wasser fallen, weil wir den Park nicht betreten durften."

Die Gemeinde wähnt in der Aktion eine Trotzreaktion der Schlosseigentümer. Grund seien offenbar Maßnahmen des Landratsamtes. „Die Unternehmerfamilie Goldhahn, der Schloss und Park gehören, hat eine Nutzungsuntersagung durch das Bauordnungsamt zugestellt bekommen", ließ Macherns Bürgermeister Frank Lange wissen. „Ich finde es bedauerlich, dass die Sache jetzt so eskaliert." Es könne nicht sein, dass der Konflikt auf dem Rücken von Touristen ausgetragen wird, die Püchau als ersterwähnten Ort Sachsens entdecken wollen. Landratsamtssprecherin Brigitte Laux bestätigt, dass den Schlosseigentümern verboten wurde, weite Teile ihres Anwesens zu nutzen. „Dabei geht es um das Wohnrecht sowie um die Nutzung als Versammlungs- und Beherbergungsstätte." Nicht betroffen, so Laux, sei lediglich die Gaststätte.

Schlossbesitzer Lothar Goldhahn bekennt sich ganz offen zu seiner „Ketten-Reaktion". „Was das Landratsamt mit uns macht, können wir nicht hinnehmen. Es ist eine Frechheit, uns nach zwölf Jahren, die wir das Schloss schon bewohnen, jetzt die Nutzung zu untersagen." Die Argumente der Behörde könne er absolut nicht nachvollziehen. „Statt unseren Einsatz für das Denkmal zu schätzen, werden uns Knüppel zwischen die Beine geworfen." Während die Gemeinde der Annahme ist, dass eine von den Schlosseigentümern zu beantragende Nutzungsänderung durchaus Aussichten auf Erfolg hätte, kommt diese Prozedur für Lothar Goldhahn überhaupt nicht in Frage. „Wir müssten einen Architekten beauftragen, allein der zweite Rettungsweg würde uns 100 000 Euro kosten." Geld, das er nicht bereit ist zu investieren, weil es ihm dann für Restaurierungsarbeiten fehlen würde, wie Goldhahn sagt. Der Schlossbesitzer zeigt sich kämpferisch: „Wir machen den Park nicht eher auf, bevor die Sache nicht geklärt ist." Und weiter: „Wir leiden unter der Situation, dann soll jetzt auch die Öffentlichkeit leiden."

„Das geht doch aber nicht", reagiert Pfarrer Martin Handschuh noch einmal auf die Zuspitzung. „Die Familie wird doch auch durch Ein-Euro-Jobber unterstützt, die den Park pflegen, die Wege in Ordnung halten, den Rasen mähen. Die Besitzer können den Park doch nicht einfach zusperren, wenn sie andererseits von öffentlichen Geldern profitieren."

Laut Landkreis-Beigeordnetem Klaus-Jürgen Linke legte der damals mit dem Kreis für 350 000 D-Mark geschlossene Kaufvertrag fest, dass der Park öffentlich zugänglich bleiben müsse und eine Dienstbarkeit zugunsten der Gemeinde einzutragen sei. Was die Nutzungsuntersagung betrifft, erklärte Linke: „Die Besitzer können das öffentliche Baurecht nicht einfach ignorieren." Man werde sich allerdings noch einmal bemühen, Goldhahns „auf den Pfad der Tugend zurückzuführen".

Simone Prenzel

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