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Wurzen Püchauer Kirchbrücke droht einzustürzen
Region Wurzen Püchauer Kirchbrücke droht einzustürzen
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00:21 15.07.2018
Die vermutlich älteste Backsteinbrücke Sachsens im Macherner Ortsteil Püchau droht einzustürzen und muss deshalb für Fußgänger gesperrt werden. Die darunter verlaufende Fahrstraße ist ebenfalls von der Sperrung betroffen. Quelle: Thomas Kube
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Machern/Püchau

Als einstiger Adelssitz und ältestes Dorf Sachsens hat Püchau das Zeug zu einer touristischen Perle. Stattdessen schreckt Ausflügler jetzt eine hässliche Dauer-Baustelle ab: Wo man bislang vom Schloss zur Kirche schlendern konnte, ist ab sofort kein Durchkommen mehr: Die historische Fußgängerbrücke, die den Reiz des Ortskerns ausmacht, wird wegen Einsturzgefahr gesperrt.

Die Kirchbrücke wurde 1564 errichtet und ist Teil des historischen Püchauer Ortskerns. Quelle: Thomas Kube

Bauwerk mit bewegter Vergangenheit

Bemühungen der Kommune, das Bauwerk zu erhalten, waren bislang nicht von Erfolg gekrönt. Dabei hat die Brücke eine bewegte Vergangenheit und selbst Experten schnalzen angesichts ihrer Baugeschichte mit der Zunge. Die Püchauer Kirchbrücke gilt als älteste Backsteinbrücke Sachsens. Die

Pfarrer Martin Handschuh. Quelle: Archiv

damaligen Schlossbesitzer ließen den Übergang 1564 errichten. Noch heute zeugen die Wappen derer von Ende und von Ziegler von den Erbauern. „Der Graf wollte auf möglichst mWeg zum Gottesdienst in die Kirche gelangen“, berichtet der Püchauer Pfarrer Martin Handschuh.

Da Schloss- und Kirchberg ein tiefer Geländeeinschnitt trennt, ließ die damalige Herrschaft eine fünfbogige Verbindung bauen. Die Kirchbrücke überspannt seitdem in majestätischer Manier die Hohle. Vom einstigen Glanz des architektonischen Kleinods ist allerdings nicht viel übrig. Überall bröckelt der Putz, Behelfskonstruktionen sollen herunterfallende Steine abfangen. Ortsunkundige überlegen sich dreimal, ob sie mit ihrem Auto die Durchfahrt riskieren.

Kommune ist mit Erhaltung überfordert

Das gesamte Ensemble, zu dem die benachbarte Heinrichsburg, das Tudorschloss, der englische Schlosspark in der Muldenaue und die Peterskirche gehören, gilt als einzigartig. Doch die über tausendjährige Püchauer Geschichte ist für die Kommune eher Last als Lust. Denn in der Pflicht für die schwierig zu unterhaltenden Wege zwischen Ober- und Unterdorf, zwischen Kirch-und Schlossberg ist die Gemeinde, die die Aufgabe nur mit Mühe bewältigen kann.

Die wenige Meter oberhalb verlaufende Schlossbrücke konnte vor mehreren Jahren zwar mit Hilfe von Fördermitteln saniert werden. Sonst wäre die Zufahrt zum Schlosshof als wichtige Lebensader der Ortschaft gekappt worden. Doch für die kleinere Schwester, die nur Fußgänger nutzen dürfen, wartet der Ort seit Jahren vergeblich auf Taten.

Schlechte Note für den Zustand: 3,9 von 4

Bislang hatte die Gemeinde Machern nur Geld für notdürftige Sicherungsmaßnahmen. Um das Herabfallen von Steinen zu verhindern, wurden Hilfskonstruktionen errichtet. Quelle: Thomas Kube

Die aktuelle Überprüfung ließ schlimmste Befürchtungen nun zur Gewissheit werden: „Bei der letzten Kontrolle durch die Dekra bekam die Brücke nur noch die Note 3,9“, berichtet Macherns Vize-Bürgermeister Klaus Zaspel (CDU). Heißt: Das Bauwerk ist akut einsturzgefährdet. Die schlechteste Note, die eine Brücke bekommen kann, ist die 4. Die Kommune sieht sich angesichts der Hiobsbotschaft jetzt zum Handeln gezwungen: „Wir müssen sowohl die Brücke als auch die Hohle sperren. Sonst drohen Schadensersatzforderungen“, warnt Zaspel. Bereits in der Vergangenheit seien Steine herabgefallen. Man wolle sich nun um Fördermittel bemühen.

Um die Brösel-Brücke vorm weiteren Verfall zu bewahren, war bereits vor über zehn Jahren eine Holzkonstruktion auf die Brüstung gesetzt worden. Die ist inzwischen selbst verwittert und erfüllte wohl nie den Zweck, den man sich von ihr erhofft hatte. Alteingesessene Püchauer halten die Sanierung der Brücke kurz nach der Wende für den Krebsschaden. „Da sind viele Fehler gemacht worden“, gibt Harald Schmidt, Anwohner der nahen Arndsbergstraße, zu Protokoll.

Sperrung bremst Verkehr ins Unterdorf aus

Nicht nur bei ihm, sondern etlichen Püchauern sorgt die Sperrung verständlicherweise für Kritik. Insbesondere die Anwohner des Unterdorfs sind stinksauer. „Wie sollen wir künftig mit unseren Autos ins Oberdorf gelangen? Wie soll die Müllabfuhr funktionieren?“, fragen Betroffene. Wenn die Hohle gesperrt wird, bleibe den Bewohnern nur noch eine schmale Schluppe nach Lübschütz, um nicht gänzlich von der Außenwelt abgeschnitten zu sein.

Da man diesen Umweg niemandem zumuten will, wird eine bisherige Einbahnstraße vom Ober- ins Unterdorf – die Arndsbergstraße – künftig beidseitig befahrbar sein. Hierfür muss die Gemeinde jetzt löhnen – ob sie will oder nicht. Allein für Sperrschilder, Ampelregelung etcetera werden fast 25 000 Euro fällig.

Von Simone Prenzel

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