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Wurzen RB-Star Marcel Sabitzer zu Besuch in Bennwitz
Region Wurzen RB-Star Marcel Sabitzer zu Besuch in Bennwitz
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10:45 07.12.2018
RB-Spieler Marcel Sabitzer signiert auf dem Minitor, das der Bennewitzer Fanklub eigens für den örtlichen Sportverein gebaut hat. Quelle: Haig Latchinian
Bennewitz

Hätte RB-Star Marcel Sabitzer geahnt, dass ihn ein Mann mit offenen Armen erwartet, der regionales Bullenfleisch zu Knackern verwurstet – er wäre womöglich nicht in den tiefen dunklen Wald zu den RB Freunden Bennewitz gefahren. Doch er fuhr, sah und siegte. Jens Kühnapfel, Fleischer aus Bennewitz, belohnte diesen Mut und überreichte seinem Idol die leckeren „Bullenbeißer“ aus eigener Herstellung: Auf dass Sabi am Sonnabend in Freiburg möglichst bissig spiele.

Kevin Kampl musste kurzfristig absagen

Schon unter der Woche und vor dem Spiel am Sonnabend in Freiburg ging Fußball-Bundesligist RB Leipzig in die Offensive. Spieler schwärmten aus, um 14 der 44 offiziellen Fanklubs in der Stadt und auf dem Land zu beglücken. Die größte Herausforderung kam dabei Ösi-Ossi Sabitzer zu. Der schlug sich zu später Stunde bis zum Forsthof Waidmannsheil durch – mitten im Planitzwald. Feingeist Kevin Kampl, der als Begleiter geplant war, meldete sich kurzfristig krank, sah im heimischen Bett womöglich eh schon Gespenster.

Ösi-Ossi Marcel Sabitzer mit klarer Ansage: Wir wollen Champions League spielen

Viele Kinder(-fragen)

Wer sich zweimal den Arm auskugelt und trotzdem noch lachen kann, der schultert auch frei laufende Wildschweine, sagten sich wohl die Verantwortlichen. Und so spielte auch RB-Fan „Kühner“ auf Sabitzers Furchtlosigkeit an: „Warum läufst du als Einziger ohne Schienbeinschützer auf?“ Das sehe nur so aus, antwortete der 24-Jährige. „Ich spiele ja mit Schonern, habe aber meist die Stutzen unten. Das bringt mir Glück.“

Das Lokal von Wirt Sven Rauchhaupt, bekennender RB-Fan, war gut gefüllt. Die RB-Freunde Bennewitz, das sind fast 800 Männer, Frauen und viele, viele Kinder. Der kleine Luke war sogar in Porto mit und fragte: „Sabi, wenn du ein Angebot von Real Madrid bekommst, würdest du gehen?“ – Er würde ablehnen, entgegnete der österreichische Nationalspieler, der nicht wie andere in bunten Schuhen kickt, sondern noch in den guten alten schwarzen.

Pünktlich zur Adventszeit haben wir alle ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk durch den Verein bekommen... die Zusage für...

Gepostet von RB Freunde Bennewitz e.V. am Mittwoch, 5. Dezember 2018

Prägnante Antworten vom Profi

„Wie viele Euros kriegst du“, wollte Dreikäsehoch Moritz wissen. Davon hänge ab, ob er Fußballer oder Elektriker werde. Die Antwort blieb der Star ausnahmsweise schuldig. Er druckste auch rum, als ihn Youngster Albert auf den Kopf zu fragte, ob er bei Sabi mal zum Zocken vorbeikommen dürfe. Klein-Philipp interessierte, wie das so gewesen sei, als in Istanbul plötzlich das Flutlicht ausgefallen war? Sabitzer: „Dunkel.“ Was er nicht sagte: So dunkel wie im Planitzwald ...

Die Antworten so kurz und knackig wie die RB-Trainingseinheiten – die dauerten in der Regel nicht länger als anderthalb Stunden. Sabitzer lobte den „detailversessenen“ Trainer, die stabilisierte Abwehr, das hoch professionelle Umfeld. Alle Spieler bekämen ihre Einsatzzeiten, niemand müsse auf der Bank schmoren. Auf Ulis Frage, was er zu Euro League 1 und 2 sage, antwortete er: „Nichts, wir wollen Champions League spielen.“ Beifall gab’s, als Sabitzer den RB-Fans ein Kompliment machte: „Die Stimmung ist phänomenal. Du denkst, das Stadiondach fliegt weg.“

Kabinen-DJ Ilsanker

Der kleine Luke wollte es genauer wissen. Nachdem er erfahren hatte, dass Sabitzer eher auf längere Haare stehe, hakte er nach: „Sabi, hast du Hobbys?“ – „Zwei Hunde, eine Freundin und eine Playstation.“ Moderator Rainer interessierte, welche Mucke in der Kabine laufe und wer DJ sei: „Ilse (Stefan Ilsanker) hat eine Liste zusammengestellt. Ich selbst höre Hip-Hop.“ Sprach’s und signierte die Latte jener beiden bereitstehenden Tore, die der Bennewitzer Fanklub extra für den örtlichen Sportverein gebaut hatte.

Jungspund Luke ließ sich sogar ein Autogramm auf seiner neuen schicken Winterjacke verpassen. Zuvor erkundigte sich Sabitzer, wohl erzogen wie er ist, beim Vater, ob er das tatsächlich tun solle. Die Schlange derer, die ein Foto mit Sabitzer wünschten, wollte kein Ende nehmen. Es gab Kesselgulasch für die Besucher und Bennewitzer Butter-Rosinen-Stollen für den Star-Gast. Bullenbeißer und Butterstollen – jetzt fehlt nur noch der Sabitzer-Doppelpack in Freiburg.

Faszination Fußball

Grund zur Freude gibt es heutzutage wahrlich nicht für jeden. Das Leben ist für viele ein ständiger Kampf. Es herrschen allzu oft Missgunst, Hass und – Zukunftsangst: Behalte ich meinen Job? Kann ich auch morgen noch die Miete zahlen? Was wird mit den Eltern? Was mit den Kindern?

Wohl dem, der Fußballfan ist und es mit RB Leipzig hält. Zwar hat es ihm die Mannschaft in den vergangenen Wochen und Monaten nicht immer leicht gemacht – doch letztlich überwiegt absolut das positive Gefühl, mitunter sogar pure Begeisterung, vor allem aber Stolz. Stolz darüber, dass in unserer so sportlichen Region der Fußball wieder auf höchstem Niveau rollt.

Der Fanclub RB-Freunde Bennewitz zählt fast 800 Mitglieder – in Worten achthundert! Wer schon einmal das Glück hatte, all die dazugehörigen Familien kennenzulernen, der spürt die verbindende Kraft dieser Faszination Fußball. Ob arm oder reich, dick oder dünn, groß oder klein – alle sind sich plötzlich ganz nah. Mal keine Politik, mal keine Sorgen, mal keine Nöte.

Alle sind beseelt von Fairness, berauscht im Triumph, zu Tode betrübt in der Niederlage. Doch selbst der Kummer nach einer sportlichen Pleite lenkt zumindest für ein Wochenende von den wahren Problemen ab. Dass sich Fußballvereine ihrer größtenteils heilenden Wirkung bewusst sind, beweisen Aktionen wie die vom Mittwoch. In Bennewitz war Marcel Sabitzer zu Gast. Die Fans konnten ihm die Hand schütteln, ein Foto mit ihm schießen, um ein Autogramm bitten. Er hat sich die Zeit genommen, sehr viel Zeit. Alle, die dabei waren, haben es genossen. Sie wussten, schon am nächsten Morgen beginnt der tägliche Überlebenskampf – aber: auch die Vorfreude auf das Wochenende.

Von Haig Latchinian

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