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Rathausgalerie Grimma zeigt Porträts und Aquarelle von Rocco Hettwer

Malerei Rathausgalerie Grimma zeigt Porträts und Aquarelle von Rocco Hettwer

Die Rathausgalerie Grimma zeigt noch bis zum 18. Juni Porträts und neue Aquarelle von Rocco Hettwer. Von einer Reise nach Madrid kam Rocco Hettwer mit vielen Bildern zurück. Diese zeigt der gebürtige Wurzener derzeit in der Grimmaer Rathausgalerie.

Rocco Hettwer vor dem Ölgemälde „Absence“, das geistige Abwesenheit thematisiert.

Quelle: Frank Schmidt

Grimma. Grimma. Von einer Reise nach Madrid kam Rocco Hettwer nicht nur mit inneren Bildern der spanischen Granden El Greco, Velazques, Zurbaran und Goya zurück. Die eigene malerische Ausbeute eines mehrwöchigen Intermezzos zeigt der gebürtige Wurzener derzeit in der Grimmaer Rathausgalerie.

Seine neuen Aquarelle entstanden ganz unter dem Eindruck einer sonnendurchglühten Landschaft, in der nach der Ernte im Reisemonat September kaum noch Farbe auszumachen war. Für Hettwer war es eine malerische Entscheidung, dieser Unfarbigkeit mit Krapplackdunkel und Chromoxidgrün beizukommen. So entstanden differenzierte Grautöne, von denen die Atmosphäre rund um die kleine Stadt Chinchón, 40 Kilometer von Madrid, auf erstaunlich eigenwillige Weise aufgenommen wird.

In einer schönen Blockhängung präsentiert die Galerie die 21 Blätter der Aquarellfolge einer Fiesta in Cinchón. Bei dem einwöchigen Fest zu Ehren der Mutter Gottes vom Rosenkranz verwandelt sich die Plaza Mayor in eine Arena, auf der Kampfstiere nach der Hatz durch eine Gasse vorgeführt und von mutigen jungen Leuten provoziert werden. Vom sicheren Standort einer Balustrade ließ sich Hettwer Tag für Tag von diesem, im Gegensatz zu einer Corrida, unblutigen Treiben faszinieren, ließ sich nach eigenem Bekunden ganz auf die „Sensation des Sehens“ ein. In feinen Abstufungen von Elfenbeinschwarz stellte sich der Künstler den harten Kontrasten wandernden Lichts, spielte nahezu vom gleichen Standpunkt mit den Wirkungen einer Markise, den Veränderungen seines Blickwinkels. So entwickelte er mit kleinen und kleinsten Pinselstrichen monochromatische Sequenzen von cineastischer Wirkung. Auch dem bizarr anmutenden Treiben im Vorfeld der Stierhatz konnte sich Hettwer nicht entziehen. Das zeigen merkwürdige Szenerien, auf denen sich Menschen coram publico im selbstvergessenen Spiel mit gehörnten Attrappen verlieren.

Die Ausstellungsdramaturgie in der Rathausgalerie profitiert darüber hinaus von neun Porträts, die nicht älter als drei Jahre sind. In diesen großformatigen Bildnissen junger Menschen gelingen Hettwer ambivalente Nuancierungen zwischen Aufsässigkeit und Unsicherheit, zwischen Versunkenheit und genervter Anspannung. Seine Porträts sind wie Momentaufnahmen. In der malerischen Bannung eines Sekundenbruchteils fallen sie mit souverän ausgespielten Stofflichkeiten wie ausgeklügelten Licht- und Schatteneffekten noch weit intensiver aus als mit modernster Fototechnik. Gern gibt der Maler seinem Gegenüber auch Gegenstände in die Hand, die er gegebenenfalls weglässt, so dass die Modelle in seltsamer Introvertiertheit erscheinen, voller Hingabe beim Bearbeiten einer plastischen Masse, beim Radio-Hören oder dem Blick durch eine Lupe.

Vor großer Besucherkulisse gab Ingrid Koch zur Vernissage am Sonnabend eine Einführung in die Arbeit des in Berlin lebenden Künstlers. Der gelernte Buchdrucker, Jahrgang 1964, habe an der Kunsthochschule Berlin Weißensee als Meisterschüler von Dieter Goltzsche einen Lehrer gefunden, der Form als Form und Malerei als Malerei gelten ließ. Nach den kraftvollen Blockbildern der 1990er Jahre dürfte Hettwer gespürt haben, dass er neue Entwicklungswege einschlagen müsse. Seit 2005, so blickte Koch zurück, setze sich der Künstler mit der Figur im Raum auseinander. Er lasse sie in einer traumhaften Aura voller Geheimnis erscheinen, das bis an psychische Abgründe führen könne. Hettwer knüpfe nicht an Schulen an, noch folge er offensichtlichen Leitbildern. „Er lässt Formen erzählen. Der Betrachter reimt sich Geschichten selbst zusammen“, konkretisierte die Dresdner Kunstwissenschaftlerin. Das reiche bis hin zur Selbstentdeckung. „Ein Bild sollte immer offen bleiben“ – das ist Hettwers Credo.

Von Ingrid Leps

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