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Wurzen Ratskeller Brandis: Bibliothek statt Drogerie
Region Wurzen Ratskeller Brandis: Bibliothek statt Drogerie
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00:35 06.05.2018
Der ehemalige Ratskeller am Markt Brandis ist seit Langem eine Baustelle. Jetzt will die Stadt die Sanierung selbst in die Hand nehmen. Quelle: Foto:
Brandis

Die Stadt Brandis wird hinter die unendliche Geschichte vom Ratskeller nun wahrscheinlich selbst den Schlussstrich ziehen. Bürgermeister Arno Jesse (SPD) informierte im Stadtrat über das Ergebnis eines vor wenigen Tagen mit Sächsischem Innenministerium, Landesdirektion und Denkmalpflege stattgefundenen Gespräches.

Denkmalschutz besteht auf Erhalt

„Fakt ist, der Denkmalschutz besteht darauf, den Ratskeller in seinem Bestand zu erhalten“, berichtete Jesse. Das Haus ist im Verzeichnis der Kulturdenkmale Sachsens als Einzeldenkmal aufgelistet. Nach dem Stadtbrand 1696 war das damalige Rathaus 1697/98 wieder aufgebaut, 1709 mit einem kleinen Turm versehen worden. Es ist das älteste der in Brandis gebauten Rathäuser und das älteste Gebäude am Markt.

„Grundrisse sind zu erhalten, ebenso der Treppenaufgang“, zählte Jesse die Forderungen auf. Das marode Dach sei in seiner bestehenden Kubatur wieder aufzubauen. „Von Seiten des Landesamtes für Denkmalpflege ist es wünschenswert, wenn die historisch verbürgte Dachansicht mit Gauben und Türmchen wiederhergestellt wird“, sagte Jesse. Lediglich die Schaffung eines marktseitigen barrierefreien Zugangs sowie eines Aufzuges im Inneren sei mit dem Denkmalschutz vereinbar.

Für Investor unattraktiv

„Wir müssen akzeptieren, dass das für einen Investor unattraktiv ist“, beschrieb der Bürgermeister die Konsequenz. Zur Erinnerung: Brandis hatte nach langer vergeblicher Suche mit der Drogeriekette Rossmann einen Interessenten gefunden, der den Ratskeller abreißen und an seiner Stelle ein Geschäftshaus errichten wollte, in dessen Obergeschoss zum Beispiel Platz für Arztpraxen gewesen wäre. Die Fassade wäre der historischen Ansicht nachempfunden worden. Im Rathaus hatte man sich schon gefreut, dass damit nicht nur das ruinöse Gebäude am Markt verschwinden, sondern sich auch ein Frequenzbringer für die Innenstadt ansiedeln würde.

Alternativen für die Nutzung

„Jetzt“, so Jesse, „müssen wir uns um Alternativen bemühen.“ Wohnungen im Ratskeller schloss er nicht nur aufgrund der räumlichen Einschränkungen, sondern auch aus finanziellen Erwägungen aus. „Wenn wir das Objekt selbst nutzen und für Gemeinbedarf einrichten, bekommen wir die höchste Förderung“, erklärte er. Und die wird die Stadt auch benötigen, denn eine erste Kostenschätzung geht von zwei Millionen Euro Sanierungsbedarf aus. Der Vorschlag des Bürgermeisters geht deshalb in Richtung Bibliothek im Erdgeschoss und Saal für circa 160 Personen im Obergeschoss. Dass das funktionieren könnte, zeigte ein erstes, vom Wurzener Planungsbüro Kewitz skizziertes Raumkonzept. Die Bibliothek käme damit endlich aus den Containern am Gymnasium heraus, und der Veranstaltungsraum würde das Platzangebot von Mehrzweckhalle , CVJM-Haus und Oberschulforum um ein kleineres Format ergänzen.

Problem ist der Zeitdruck

„Das Problem ist, wir stehen unter Zeitdruck“, sagte Jesse mit Blick auf das Leaderprogramm, über das mit 80 Prozent die höchste Förderung unter den in Frage kommenden Programmen in Aussicht steht. „Noch sind die Töpfe voll, aber das wird sich ändern.“ Er warb deshalb um Einvernehmen, die erste Planungsphase umgehend auszuschreiben. Der Stadt kommt zupass, dass das bei einem Zwei-Millionen-Projekt nicht europaweit passieren muss, wie Bauamtsleiterin Kerstin Quandt erklärte. Es genüge, Planer über die Homepage der Stadt zur Bewerbung aufzufordern. Eine Fertigstellung bis Mitte 2020 hält Jesse für möglich.

Der Bürgermeister beschrieb auch die Alternative: „Wir lassen den Ratskeller eingerüstet stehen. Aber ich denke, das kann für eine Kommune mit 10 000 Einwohnern und einem Leitbild nicht die Lösung sein.“ Die Stadträte sahen das ähnlich. Antje Busch-Sandmann (Bürgerverein Brandis) begrüßte die Vorschläge. „Das ist das erste konstruktive Weiterdenken. Und eine Bibliothek an der Stelle finde ich gut.“ Fragen betrafen vor allem die Finanzierung. Natürlich würde die Sanierung zu Lasten anderer Projekte gehen, beantwortete Jesse die von Detlef Holzmann (Fraktion SPD/Grüne) nach Eigenmitteln. Die bevorstehende Haushaltdiskussion wird Klarheit bringen.

Von Ines Alekowa

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