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Raus aufs Wurzener Land

Wohnen Raus aufs Wurzener Land

Vom Einwohnerzuwachs in Leipzig möchte auch das Wurzener Land profitieren. Die vier Kommunen Wurzen, Lossatal, Bennewitz und Thallwitz präsentieren sich deshalb am 11. März mit einer Infoveranstaltung im Haus der Demokratie.

Leipzig boomt - das Wurzener Land möchte dabei nicht abseits stehen.

Quelle: dpa

Wurzen/Leipzig. Leipzig boomt – und das Wurzener Land möchte gern von diesem rasanten Wachstum profitieren. Um den Blick auch über die Grenzen der Großstadt hinaus zu weiten, laden die vier Kommunen des Wurzener Landes am 11. März zu einer Informationsveranstaltung unter dem Titel „Raus aufs Wurzener Land“ ein.

Während Leipzig wächst und erst kürzlich die 570 000-Einwohner-Marke geknackt hat, wünscht sich manch ländliche Umlandgemeinde einen ähnlichen Bevölkerungszuwachs. Landwucht statt Landflucht ist das Schlagwort.

Um die Adressaten – potenzielle Neubürger – zu erreichen, rühren die vier Stadt- und Gemeindeoberhäupter von Wurzen, Thallwitz, Bennewitz und Lossatal die Werbetrommel direkt vor Ort: in Leipzig. Dazu wird am Freitag ab 16 Uhr ins Haus der Demokratie in der Bernhard-Göring-Straße eingeladen. Eine derartige Präsentation findet erstmals statt. „Es geht uns darum, auch in der Messestadt das Interesse fürs Wurzener Land zu wecken“, erklärt der Thallwitzer Ortschef Thomas Pöge. „Wenn Leipzig so einen beachtlichen Einwohnerzuwachs verzeichnet, wieso sollen wir im Windschatten der Metropole davon nicht auch profitieren“, meint der Rathauschef der 3600-Seelen-Kommune im Norden des Landkreises.

Auf der Veranstaltung soll gezielt für alternative Wohn- und Nutzungsformen im ländlichen Raum geworben werden, heißt es auch aus dem Wurzener Rathaus. Und auch Bennewitz möchte die Chance beim Schopf packen. „Auch in unserer Gemeinde gibt es potenzielle Entwicklungsflächen, auf denen eine weitere Bebauung möglich wäre“, zeigt sich der Bennewitzer Rathauschef Bernd Laqua ebenfalls empfangsbereit für neue Einwohner.

„Der Fokus“, ergänzt Winfrid Haas, „ist insbesondere auf alternative Wohn- und Nutzungsformen gerichtet.“ Der Soziologe gehört dem Leipziger Arbeitskreis Integriertes Wohnen (Akiw) an und gibt seit mehreren Jahren Denkanstöße, wie gemeinschaftliche Wohnprojekte umgesetzt werden können. Im Arbeitskreis haben sich Architekten, aber auch Denkmalschützer und andere Experten zusammengefunden, denen selbstorganisierte Wohnprojekte am Herzen liegen. Jährlich organisieren sie die Leipziger Wohnprojekte-Tage. An der Pleiße gebe es immer mehr Vorhaben mit dem Anspruch der sozialen, ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeit. Der Raum für diese Klientel, sich zu entfalten, werde aber immer enger, so Haas. Vor allem bezahlbare Wohn- und Lebensprojekte würden sich immer schwieriger umsetzen lassen – angesichts des zunehmend angespannten Immobilienmarktes. „Deshalb hat die Idee durchaus Charme, wenn sich das Wurzener Land als eine denkbare Alternative präsentiert“, betont der Vertreter des Arbeitskreises. Dies decke sich auch mit den Zielen der Leader-Region Leipziger Muldenland, die Wiedernutzung und Revitalisierung leerstehender Liegenschaften zu ihren Handlungsschwerpunkten zählt.

Ortschef Thomas Pöge zum Beispiel hat ganz konkrete Objekte im Gepäck, auf die er die Besucher der Veranstaltung aufmerksam machen möchte. „Zum Beispiel gibt es in den sogenannten Wasserdörfern entlang der Mulde durchaus einige interessante Gebäudeensembles, die sich für Mehrfamilienwohnen eignen.“ Der Thallwitzer denkt hier unter anderem an den Kastanienhof, der im Prinzip leer steht. Aber auch im Ortsteil Röcknitz könne das ehemalige Inspektorenhaus vielleicht mit viel Eigeninitiative aus seinem Dornröschenschlaf erweckt werden. Pöge kann sich auch vorstellen, den Kontakt zu älteren Hauseigentümern herzustellen, die mit der Unterhaltung großer Höfe überfordert sind, aber ihren Besitz dennoch nicht verlassen möchten.

„Immer mehr junge Familien suchen den Weg aufs Land. Dabei geht es ihnen häufig um Familiengründung, Heimatverbundenheit, Natur und Entschleunigung. Leipzig wird immer größer, teurer und hektischer. Unser ländlicher Raum hingegen punktet mit Ruhe und Geborgenheit bei bezahlbaren Preisen in netter Umgebung von bekannten Nachbarn“, formuliert der Lossataler Ortschef Uwe Weigelt. „Hier können wir Landeier helfen, indem wir frei werdende Grundstücke vermitteln, alternative Wohnmodelle unterstützen und gemeinsam mit den Interessenten neue Formen der Daseinsvorsorge kreieren.“ Weigelt sieht sich dabei in der Funktion des Moderators, Organisators und Kommunikators.

„Der Info-Termin am Freitag kann ein Auftakt sein, dem weitere intensive Kontakte folgen sollen“, ergänzt Winfried Haas. Auch andere Bürgermeister hätten bereits Interesse signalisiert, ihre Kommunen in ähnlicher Weise vorzustellen. Als Moderator wird Michael Stellmacher vom Verein Haus und WagenRat Leipzig agieren. Matthias Wagner, Regionalmanager der Leader-Region Leipziger Muldenland, wird Fördermöglichkeiten zur Umnutzung ländlicher Liegenschaften erläutern.

Eine Anmeldung zur Veranstaltung ist erwünscht unter akiw.leipzig@t-online.de

Von Simone Prenzel

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