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Reaktionen zum Fall Cordula im ZDF – ist eine heiße Spur dabei?

Aktenzeichen XY ... ungelöst Reaktionen zum Fall Cordula im ZDF – ist eine heiße Spur dabei?

Seit dem 15. Oktober 1993 fehlt von der damals 22-jährigen Cordula aus Wurzen jede Spur. Es heißt, sie habe zur Tante ihres Freundes nach Thüringen trampen wollen. Dort kam sie aber nie an. In der ZDF-Livesendung „Aktenzeichen X,Y ... ungelöst“ wandten sich Familie und Polizei an ein Millionenpublikum: „Jeder Hinweis ist wichtig, bitte melden Sie sich bei der Polizei.“

Die ZDF-Sendung „XY ungelöst“ zum Fall der vermissten Cordula Keller aus Wurzen erreichte bundesweite Aufmerksamkeit. Die ersten Hinweise sind eingegangen.

Quelle: Screenshot ZDF

Wurzen. Vor einem Jahr konnte sie den Interviewwunsch von „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ noch erfüllen. In Wurzen nahm sie alle Kraft zusammen und berichtete tapfer über den letzten Abend mit ihrer besten, damals 22-jährigen Freundin Cordula. In der Livesendung am Mittwochabend im Münchner ZDF-Studio wurden immer wieder Interviewschnipsel mit Solveig Fuhrmann eingespielt – persönlich war sie aber nicht mehr dabei: „Die Dreharbeiten warfen mich emotional aus der Bahn. Ich konnte einfach nicht noch einmal, wäre weinend rausgerannt oder hätte kein Wort rausgebracht.“ Solveig war es, die ihrer Freundin an jenem Abend zum 15. Oktober 1993 mit einem Rucksack aushalf. Cordula wollte mit ihrem Freund zu dessen Tante nach Thüringen trampen. Dort aber kam sie nie an und wird seitdem vermisst.


In der Sendung wird der anonyme Anruf bei Solveig Fuhrmann nachgestellt

In der Sendung wird der anonyme Anruf bei Solveig Fuhrmann nachgestellt. Auch der Rucksack, den die Freundin der Vermissten am Abend vor dem Tag ihres Verschwindens im Oktober 1993 leiht, wird abgebildet. Gesucht wird im Zusammenhang mit dem Vermisstenfall auch ein markanter Ohranhänger mit Peace-Zeichen gesucht, den Cordula Keller getragen haben soll.

Quelle: Screenshot ZDF

Ingo Schubert von der Kripo Grimma nannte es am Donnerstag gegenüber der LVZ ermutigend: „Immerhin, zehn Anrufer meldeten sich bereits während der Sendung. Wir gehen jedem einzelnen Hinweis nach.“ Seit einer halben Ewigkeit sucht der Polizeibeamte nach der heißen Spur. Ihm ist auch zu verdanken, dass das ZDF Cordulas rätselhaftes Verschwinden und damit einen der wohl spektakulärsten Vermisstenfälle Sachsens aufgriff.

Uwe Voigt, Leipzigs Polizeisprecher, ist voll des Lobes über seinen Kollegen: „Der Fall Cordula hat ihn nie losgelassen. Nichts ließ er unversucht.“ Rudi Cerne, Moderator von Aktenzeichen XY, lieferte im Themenspezial ,Wo ist mein Kind’ ein Beispiel: 13 Jahre nach Cordulas Verschwinden klingelt bei Freundin Solveig mitten in der Nacht das Telefon. Ein anonymer Anrufer sagt, Cordula sei umgebracht worden, liege im „tiefen, tiefen Dunkel“. Daraufhin beordert Ermittler Schubert tagelang Taucher in den Steinbruch am Wurzener Spitzberg, lässt ein verdächtiges Blumenbeet umgraben und öffnet mehrere Kontrollschächte an der Mulde. Doch – ohne Erfolg.

Von dem ominösen Anruf erfuhr Veronika Bänisch erst kurz vor der Sendung. Sie war genauso wie Ramona Starke im Studio. Die beiden älteren Schwestern von Cordula schließen ein Gewaltverbrechen nicht aus und gingen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit: „Proben, Schminken, dazu die ganzen Schicksale – wir waren fix und fertig.“ Ramona Starke, nach zwei schweren Operationen wieder genesen, hatte früher eine Kneipe. Der LVZ sagte sie am Donnerstag, dass vor Jahren ein Unbekannter ins Lokal kam und meinte, Cordula sei nicht mehr am Leben. Sie habe unverzüglich die Polizei gerufen, so die Schwester. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass die Person „total zugedröhnt“ gewesen sei.

Auf einer kompletten Seite berichtete die LVZ am 29

Auf einer kompletten Seite berichtete die LVZ am 29. Mai unmittelbar vor der Sendung über den Fall.

Quelle: LVZ

Auf die Frage, weshalb sie in jener Nacht, als der anonyme Anruf bei ihr einging, nicht ebenfalls sofort die Behörden einschaltete, sagte Cordulas beste Freundin Solveig: „Ich wusste nicht, ob ich das überhaupt ernst nehmen konnte. Deshalb hatte ich mich erst ein paar Tage später bei Herrn Schubert gemeldet.“ Leider habe man den unbekannten Mann am anderen Ende der Leitung nicht zurück verfolgen können, hieß es.

Seit 1991 hatten Solveig und Cordula viel Zeit gemeinsam verbracht: „Ich hatte ja schon Mann und Kind, Cordula war wie eine Schwester für mich. Sie holte das Kind aus der Kita ab, half im Garten, zusammen gingen wir auf den Rummel.“ Cordula wohnte mit ihrer großen Liebe Bruno, einem Punker, am Wurzener Clara-Zetkin-Platz. Sie hatte zur Altenpflegerin umgeschult und war glücklich. Eigentlich. Dass Cordula schwanger war, ahnte ihre beste Freundin. Was Solveig wusste: In der Beziehung mit Marco W., genannt Bruno, kriselte es, der hatte bereits eine andere. Ermittler Schubert in der Livesendung: „Am Vorabend der geplanten Tramp-Tour erwartete Cordula ihren Freund. Es kam zum Streit.“ Ob Cordula die Reise zu Marcos Tante allein antrat oder gar nicht – bis heute weiß das niemand.

Vier Jahre nach Cordulas Verschwinden warf sich Marco vor den Zug. Die Polizei kennt die eindeutigen Motive für den Suizid bislang nicht. In der Sendung am Mittwochabend hieß es, Marco sei ohne Führerschein am Steuer ertappt worden, eine Haftstrafe drohte. Gegenüber der LVZ sagte Cordulas beste Freundin Solveig am Donnerstag, Marco hätte wegen Schulden bereits Bekanntschaft mit dem Gefängnis gemacht, wollte „nie wieder in den Knast“. Er zog nach Engelsdorf, wohnte dort mit seiner Freundin Yvonne. Solveig Fuhrmann ist fest davon überzeugt: „Marco hatte seinen Selbstmord genau geplant. Er trennte sich von seinen Sachen und gab den Hund ab. Zweieinhalb Wochen vor seinem Tod besuchte er mich. Wenig später wusste ich, dass es der Abschiedsbesuch war.“

Ingo Schubert appellierte im Fernsehstudio an das Millionenpublikum: „Wer hat Cordula am Morgen des 15. Oktober oder danach gesehen? Jeder Hinweis, jede kleine Beobachtung kann helfen. Melden Sie sich bitte bei der Polizei. Die Familie hat ein Recht auf Klarheit.“

Kontakt Polizei Leipzig: 0341 /96 64 66 66

Von Haig Latchinian

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