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Regionalverband legt in Wurzen Konzept gegen Leerstand vor

Kleingarten Regionalverband legt in Wurzen Konzept gegen Leerstand vor

Mit Flächenrückgaben bis hin zum Auflösen von Sparten will der Muldentaler Regionalverband der Kleingärtner auf den hohen Leerstand reagieren. Das sieht ein Konzept vor, welches der Verband jetzt den Vertretern des Stadtrates präsentierte. Derzeit sind in den 17 Wurzener Anlagen über 500 Parzellen verwaist.

Zäsur in der Vereinsgaststätte Sonnenblick: Frank Lichtenberger, Präsident des Muldentaler Regionalverbandes der Kleingärtner, stellt den Fraktionschefs des Stadtrates ein Zukunftskonzept vor, welches auf den akuten Leerstand in den Wurzener Gartenanlagen reagiert.

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wurzen. „Kleingartenentwicklungskonzept der Großen Kreisstadt Wurzen“ lautet der Titel eines 53-seitigen Papieres, das der Vorstand des Regionalverbandes (RV) Muldental der Kleingärtner jetzt erstmals öffentlich im Vereinslokal „Sonnenblick“ vorstellte. Eingeladen waren Oberbürgermeister Jörg Röglin (parteilos) sowie die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen.

Bereits im Vorfeld hatte sich das Stadtoberhaupt aufgrund wichtiger Termine entschuldigen lassen. Für die CDU nahm Matthias Rieder teil, für die SPD Heinz Richerdt, Klaus Meißner für die Linke sowie Sabrina Ryborsch für die „Bürger für Wurzen“. Ebenfalls zu den Gästen gehörte Stadtplaner Carl Rößler, der Vizepräsident des Landesverbandes Sachsen der Kleingärtner, Lothar Fritzsch, und Vertragsrechtsanwältin des RV Bianca Lemm. Zunächst eröffnete Schriftführer und Moderator Christian Krafczyk den Reigen und erläuterte kurz die Hintergründe des Treffens. Demnach erarbeitete der RV-Vorstand die Expertise innerhalb von vier Wochen (vom 18. Juli bis 18. August) auf Basiszahlen, die ihnen Rößler und Frank Rehmann, Leiter der Liegenschaften im Stadthaus, dankenswerterweise zur Verfügung stellten. Allein 120 Stunden ehrenamtlicher Zeit brachte der RV für den Inhalt auf, so Krafczyk. Und das, obwohl laut Vorgabe des Deutschen Städtetages jener Job zur Aufgabe der Kommunalverwaltung gehört. Das Stadthaus Wurzen lehnte jedoch ab und forderte vielmehr vom RV eine Entwicklungsstrategie für zehn bis 20 Jahre.

Grund für den Blick in die Zukunft ist der seit nunmehr 23 Jahren wachsende Leerstand in den Sparten. Aktuellen Daten zufolge sind derzeit in den 17 Wurzener Kleingartenanlagen 540 Parzellen verwaist, etwa ein Viertel des Gesamtbestandes. Wie RV-Präsident Frank Lichtenberger ausführte, verfügt die Muldestadt mit 16 424 Einwohnern über 2139 Kleingärten, die von 1615 Vereinsmitglieder gepflegt und gehegt werden. „Damit ergibt sich eine Kleingartendichte von 13,10 Prozent.“ Zum Vergleich: In Grimma beträgt das Verhältnis 4,75 Prozent (980 Parzellen zu 19 106 Einwohnern), in Leipzig 5,8 Prozent (32 479 zu 560 000) oder in Oschatz 9,12 Prozent (1383 zu 15 158). „Wurzen ist nicht nur eine der kleingartenreichsten Kommunen weit und breit, sondern mittlerweile eine derjenigen mit dem höchsten Leerstand.“

Gerade wegen der Brisanz des Themas suchte Lichtberger im Namen des RV schon vor über einem Jahr Kontakt mit Oberbürgermeister Röglin. „Die Gespräche scheiterten.“ Erst im Juni dieses Jahres erfolgte die Wiederaufnahme. „Im Ergebnis der intensiven und konstruktiven Beratungen wurden die Forderungen des Verbandes bei einer möglichen Freilenkung seitens der Stadt im Juli bestätigt und unsere Vereine informiert.“ Schließlich besitzt die Stadt Wurzen 75 Prozent des gärtnerischen Pachtlandes von circa 200 Hektar, den Rest teilen Privateigentümer, die Kirche und der Regionalverband unter sich auf.

Doch wie soll die Lage entschärft werden? Der Studie nach müsse „eine Flächenreduzierung angestrebt werden, um die Vereine nicht zu überlasten“ – von 500 bis 600 Parzellen sogar bis hin zur Auflösung von Sparten. Denn die Pflege des Leerstandes obliege den Vereinen und treibe sie wirtschaftlich an den Rand des Ruins. „Vereine mit über 150 Parzellen besitzen aktuell einen Leerstand zwischen 30 und 94 Kleingärten, etwa 420 sind derzeit nicht beräumt.“ Lichtenberger schätzt die Kosten des Rückbaus auf anderthalb Millionen Euro. Ohne Berücksichtigung in der Analyse blieb der hohe Altersdurchschnitt, der laut des RV-Präsidenten „dramatisch“ sei und die Situation überdies verschlimmere.

Im Anschluss informierte der 48-Jährige, welche Areale in welchen Sparten freigelenkt und der Stadt zum Beispiel für das Entwickeln von Wohn- oder Gewerbestandorten zurückgegeben oder als Parkplätze für die Kolonien genutzt werden könnten. Sichtlich verblüfft zeigten sich Lichtenberger und der RV-Vorstand in der anschließenden Diskussion über eine Aussage von Stadtplaner Rößler. Er ließ nämlich wissen, dass die Vorstellungen der Verwaltung „erheblich unter den Zielvorgaben des Regionalverbandes“ lägen – da derzeit „kein derart hoher Flächenbedarf“ für die Stadt abzusehen sei. Jene Aussage hätte Rößler vor seinem Urlaub Ende Juli sogar in einer Stellungnahme an den RV formuliert – mit der Bitte diese zuzustellen. Angekommen sei das neunseitige Papier mit neuer Faktenlage allerdings nie, wunderten sich Lichtenberger und der RV-Vorstand über die unverhoffte Wende aus dem Stadthaus. Denn gerade jene Aussage werfe das aktuelle Gutachten über den Haufen.

Aus den Reihe der Gäste gab es zumindest positives Echo und den einen oder anderen Ratschlag, was die mögliche Umsetzung des Kleingartenentwicklungskonzeptes betrifft.

Von Kai-Uwe Brandt

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