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Wurzen Rekordbeteiligung bei Gedenkmarsch
Region Wurzen Rekordbeteiligung bei Gedenkmarsch
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05:00 03.05.2010
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. Der schwerstbehinderte Mann in seinem Rollstuhl absolvierte jeden Meter der Strecke bis nach Wurzen aus eigener Kraft – und das, obwohl er keine Hände und nur einen Fuß hat.

In Gerichshain erlebte der junge Mann, wie Bärbel Rößler vom Kirchenchor etwas Kiesschotter aufs Pflaster schaufelte, um mit den Schuhen zu scharren: „Hört Ihr das Geräusch? Hört Ihr das Schlürfen der Pantinen? Was hätte ich, was hättest du, was hätten wir getan?"

Gegen Ende des Krieges versuchten SS und Gestapo, ihre Verbrechen zu vertuschen. Auf Himmlers Befehl ließen sie die Konzentrationslager räumen. Kein Gefangener, so hieß es, solle in die Hände des Feindes fallen. Und so wurden am 14. und 15. April zahllose Leipziger Häftlinge auch die Straße über Borsdorf und Wurzen in Richtung Osten gehetzt. Viele überlebten die Qualen nicht.

Erwin Bruse von der Initiativgruppe „Gedenkmarsch" berichtete in Machern vom Schicksal einer jungen Frau: „Sie läuft etwas außerhalb der Kolonne. Auf einmal nähert sich ein bewaffneter SS-Mann mit Motorrad und Beiwagen. Er schlägt das Rad ein, rammt die Frau und bringt sie zu Fall." Bruse verwies auf einen Macherner Augenzeugen, der sich den Veranstaltern des Gedenkmarsches erst jetzt anvertraut habe. „Wir wussten bereits von einer jungen Polin, die am 14. April 1945 in Machern erschossen wurde. Wahrscheinlich handelte es sich um jene angefahrene Frau", so Bruse.

Rolf Nicolaus, Aktivist der Gedenkmärsche, bewies im Crostigall, dass nicht alle Wurzener nur hinter der Gardine standen: „Aus dem Haus Nummer 64 wurden Tabak und Essbares geworfen. Was viele noch nicht wissen: Auch die Brombergerin Paula Schipinsky, Insassin des KZ Ravensbrück, wurde an diesem Haus vorbeigetrieben. Nach ihrer Befreiung kam sie nach Wurzen und wohnte viele Jahre in jener Nummer 64. Sie, die Beschäftigte im Nahrungsmittelwerk."

Die Wurzener Ingo Stange und Klaus Meißner, die Burkartshainer Helga und Georg Budnik, der Nerchauer Peter Köhler und der Leipziger Richard Gauch sprachen von einer Rekordbeteiligung: 300 Menschen, unter ihnen Schirmherr Peter Sodann und Wurzens Oberbürgermeister Jörg Röglin, zogen auf den Wurzener Friedhof, um dort der Toten des Hungermarsches zu gedenken.

Als Allererster aber erreichte Rollstuhlfahrer Uwe Adamczyk das Ziel. Ihm klangen noch die Worte des Theologie-Studenten Lars Schimpke in den Ohren. Dieser erinnerte an zwei aktuelle Ereignisse, den Naziaufmarsch zum Elbe-Day und die Krise in Griechenland. „Beides scheint nichts miteinander zu tun zu haben. Doch die letzte große Weltwirtschaftskrise war 1929. Vier Jahre später kam Hitler an die Macht. Lasst uns wachsam sein!"

Haig Latchinian

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