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Renner im Muldental: Rallye ohne Stoppuhr

70. Verkehrstestfahrt Renner im Muldental: Rallye ohne Stoppuhr

Der Motorsportclub Wurzen veranstaltete am Sonntag zum 70. Mal seine Verkehrstestfahrt mit acht Kontrollpunkten. Statt Bleifuß war Gehirnschmalz gefragt. 17 Autobesatzungen begaben sich auf die Piste zwischen Wurzen und Grimma.

Maßarbeit: Fahrer Dieter Jährmann und seine Frau Christine halten mit viel Geschick die Spur. Kontrollposten Reik Keßler und Sohn Felix nehmen den Test ab.

Quelle: Christian Fest

Wurzen. Goldbarren statt Goldbärchen: An jeder Station reicht Beifahrerin Christine Jährmann kleine, in Stanniolpapier gewickelte Schokoladenriegel durchs Fenster: „Greift zu, Nervennahrung, keine Bestechung“, sagt die 58-jährige Nischwitzerin mit Augenzwinkern. Streckenposten wie Dirk Knorr, Joanna Fijalkowska oder Sabine Promm lassen sich nicht lange bitten.

Der Motorsportclub (MSC) Wurzen veranstaltete am Sonntag zum 70. Mal seine Verkehrstestfahrt mit acht Kontrollpunkten. Fragen zu Straßenverkehrsordnung, technischer Ausstattung und Erster Hilfe – der 50-Kilometer-Rundkurs sei keine Wettfahrt, so Rainer Wohlgemuth vom MSC. Seit 1961 gibt es den Verein mit heute gut zwei Dutzend Mitgliedern. „1980 starteten wir unsere erste Verkehrstestfahrt, noch zusammen mit Volkspolizei, Staatlicher Versicherung, Rat des Kreises – und gerade mal vier Teilnehmern.“

Christine Jährmann langt nicht nur Schokoriegel nach draußen, sie füttert ihren Mann auch mit Informationen zum Streckenverlauf. „Dieter, da ist wieder die gelbe Flagge, wir müssen rechts rein.“ Der etwas andere Boxenstopp: Ria Wohlgemuth kontrolliert Papiere, TÜV und – ganz wichtig – den Sanikasten. „Ist der abgelaufen, gibt’s fünf Strafpunkte.“

17 Autobesatzungen waren zwischen Deuben, Trebsen, Grimma, Pöhsig, Neichen, Burkartshain und Wurzen unterwegs. Das Startgeld betrug pro Auto acht Euro. Ob Feuerwehr mit Menschenrettung, PVM mit gechartertem Linienbus, Optiker Rost mit Sehtest oder Dekra mit mobilem Prüflabor – in all den Jahren hatte der MSC starke Partner. Diesmal war es das Deutsche Rote Kreuz.

Dieter Jährmann (57) wird von den Wurzener Jugendrotkreuzhelfern Lara Wirth, Florian Pernat, Robby Kurmann und Jonas Luge gefragt, was bei Verdacht auf Knochenbruch zu tun ist. „Ruhigstellen und kühlen.“ Richtig. Zur Belohnung gibt es aus dem Beutel von Ehefrau Christine die „zartschmelzende Versuchung“, doch nicht etwa für Dieter, sondern für die DRK-Jugend unter Gruppenleiter Andreas Preil. Christine Jährmann: „Unsere Fahrprüfung ist schon eine Weile her, da ist diese Auffrischung Gold wert“, sagt sie und verschenkt den nächsten Riegel.

Warnblinker mit verbundenen Augen betätigen, Mängel am unbekannten Fahrzeug aufspüren, Entfernungen durch den Rückspiegel schätzen – die Stationsleiter Nico Demmig, Arnd Promm, Jens-Uwe Lange, Thomas Siegemund und Sven Keßler forderten den Teilnehmern alles ab. Reik Keßler und Sohn Felix trainierten das fahrerische Können: Im eng abgesteckten Radius mussten die Teilnehmer die Spur halten.

Ohne Strafpunkte verlässt Dieter Jährmann den Nerchauer Parkplatz. Seit Jahrzehnten ist er ein vorbildlicher Kraftfahrer. Der einstige P 70- und aktuelle Dacia-Fahrer ist für den Förderverein Park Canitz tätig und heutzutage genau noch so auf das Auto angewiesen wie seine Frau Christine, die im ambulanten Pflegedienst arbeitet.

Im Deubener Landgasthof ehrte Fahrtleiter Lutz Kirsch (52) jene Fahrer mit den wenigsten Strafpunkten auf dem grünen Kärtchen: Dritter wurde Martin Wickert aus Zweenfurth, Platz zwei belegte Nora Scheibe aus Leipzig, der Siegerpokal ging an Sebastian Scholz aus Wurzen.

„Gewonnen haben wir alle“, sagt Dieter Jährmann. Gestrichelte Linien am Straßenrand als Schutzraum für Radfahrer, rot-weiß gestreifte Banderolen an Laternen, die nachts nicht durchgehend leuchten, dazu Berechnungen von Bremswegen – man lerne immer wieder etwas hinzu, was wichtig sei: „Wir kennen einen Fahrlehrer. Der hat uns einen aktuellen Prüfbogen vorgelegt. Ich sag’ Ihnen, uns hätten sie das Fahrrad weggenommen.“ Darauf einen letzten „Merci“-Goldbarren von seiner Christine.

Von Haig Latchinian

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