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Wurzen Rettung für Fichten im Colditzer Forst: Fallen sollen Borkenkäfer eindämmen
Region Wurzen Rettung für Fichten im Colditzer Forst: Fallen sollen Borkenkäfer eindämmen
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00:17 09.10.2016
Ein Borkenkäfer auf einem Ast. Quelle: dpa-Zentralbild
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Bad Lausick/Colditz

Eine Reihe Fallen trennt die Freifläche, auf der bis zum Januar noch Fichten standen, von einem zweiten Fichtenbestand: Seit Jahren schon eingesetzte Lockstoff-Fallen sollen anzeigen, wie stark das Aufkommen des Borkenkäfers ist. Sie wechseln sich ab mit neuen, erst seit 2014 zugelassenen Fallen namens Trinet. Deren mit einem Pflanzenschutzmittel getränktes Gewebe tötet die anfliegenden Schädlinge und lässt sie durch einen großen Metalltrichter rutschen. Der Staatsbetrieb Sachsenforst hat die Wirksamkeit beider Fallen im Colditzer Forst seit April getestet. Jetzt, da die Käfer-Saison witterungsbedingt endet, geht es an die Auswertung der Ergebnisse.

„Wir können so viel schon jetzt sagen: Trinet funktioniert. Die Käfer werden abgetötet, auch jene, die nach der Berührung noch ein Stück weiterfliegen“, sagt Kerstin Rödiger, die im Auftrag der Sachsenforst-Geschäftsleitung die Untersuchung leitet. Klar sei aber auch: „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es auf diese Weise nicht. Das bruttaugliche Material konsequent aus dem Wald herauszubringen, bleibt deshalb das Allerwichtigste.“ Auf zwei Flächen – eine im Bereich des Waldmühlen-Reviers von Förster Falkhard Dau, eine andere im Revier Colditz, von Försterin Barbara Kotschmar betreut – kamen beide Fallen in den vergangenen Monaten zum konzentrierten Einsatz. Rödiger konnte dabei auf die Unterstützung der Forstlehrlinge des Forstbezirkes Leipzig um Forstwirtschaftsmeister Ulrich Zillmann zurückgreifen. Die waren einmal wöchentlich unterwegs, um die Fallen zu leeren und die Zahl der Buchdrucker und der Kupferstecher zu messen. „Ein erheblicher Zeitaufwand. Gut, dass uns die jungen Leute unterstützten“, sagte Zillmann.

Die Erprobung beider Fallen-Arten hat für Förster Dau große praktische Bedeutung. Man habe die Fallen-Reihe an der Westseite der 1,2 Hektar großen, käferbedingten Lichtung platziert, um den Fichten dahinter zu schützen. „Diese Front ist erst einmal gesichert“, stellte er fest. Im Frühjahr werde er auf der Freifläche, wo zuletzt in Monokultur Fichten standen, Roteichen in den Boden bringen. Die passten waldbaulich an dieser Stelle besser und kämen mit den sich verändernden Klimabedingungen souveräner zurecht. Allerdings bedürften sie des Schutzes durch die im Westen stehenden hohen Fichten mindestens so lange, bis sie auf Mannshöhe herangewachsen seien.

Das Thema Borkenkäfer ist eines, was die Forstwirtschaft dauerhaft begleitet. Aufgrund der großen Schäden, die die Käfer binnen kurzer Zeit verursachen können, hat man im Staatsbetrieb Sachsenforst kontinuierlich ein Auge darauf. Vor allem in der Sächsischen Schweiz und im Tharandter Wald habe es in diesem Jahr massiven Befall gegeben, sagt Kerstin Rödiger. In der Südleipziger Region sei die Situation weniger dramatisch, meint Falkhard Dau: „Wir sind mit einem hellblauen Auge davon gekommen.“ Jetzt, während der kalten Jahreszeit, ziehen sich die Käfer unter die Rinde oder in die Nadelstreu zurück. Die Witterung der nächsten Monate wird entscheiden, wie stark sie im Frühjahr auftreten. „Ich muss dranbleiben und im Frühjahr für die, die in der Streu überwintern, Fangbäume fällen „, so der Förster. Doch auch 2017 werde es ohne Fallen an besonders gefährdeten Stellen kaum gehen.

„Die noch vorhandenen Fichtenanbauten im Löss-Hügelland der nordwestsächsischen Region – schwerpunktmäßig im Colditzer und Wermsdorfer Wald – sind bereits unter den jetzigen Bedingungen nicht standortgerecht“, ergänzt Forstdirektor Andreas Padberg. „Die Vitalität der Fichten wird unter den im Klimawandel prognostizierten steigenden Jahresdurchschnittstemperaturen und geringeren Jahresniederschlägen weiter leiden, die Disposition gegenüber Borkenkäferbefall erhöht sich entsprechend“, so der Leiter des Forstbezirkes Leipzig. Eine langfristige Lösung könne nur der Umbau von Fichtenwäldern in stabile Laubmischwälder sein.

Von Ekkehard Schulreich

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