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Ringelnatz-Geburtshaus in Wurzen zeigt Ausstellung über Otto und Elise Hampel

Angebot Ringelnatz-Geburtshaus in Wurzen zeigt Ausstellung über Otto und Elise Hampel

Ab 21. Oktober wird im Ringelnatz-Geburtshaus eine Ausstellung zum Wirken und zur Geschichte von Otto und Elise Hampel gezeigt. Das Ehepaar, das 1940 bis 1942 in Berlin Postkarten-Flugblätter gegen Hitler ausgelegt hatte und denunziert worden war, beschäftigte auch Hans Fallada in seinem Roman „Jeder stirbt für sich allein“.

Das Ringelnatz-Geburtshaus zeigt ab 21. Oktober eine neue Ausstellung zur Geschichte von Otto und Elise Hampel.

Quelle: Waltraud Grubitzsch

Wurzen. Er wurde zum Welterfolg, Falladas Roman „Jeder stirbt für sich allein“. Seit der Jahrtausendwende wurde er in vielen Länder neu übersetzt noch einmal aufgelegt. In Deutschland erschien 2011 eine neue am Original orientierte Ausgabe. Der Roman basiert auf dem authentischen Fall des Ehepaars Otto und Elise Hampel, das 1940 bis 1942 in Berlin Postkarten-Flugblätter gegen Hitler ausgelegt hatte und denunziert worden war. Fallada schrieb den Roman Ende 1946 in knapp vier Wochen; am 5. Februar 1947 starb er. Nach dem Roman entstanden fünf Verfilmungen.

Ab 21. Oktober wird im Ringelnatz-Geburtshaus eine Ausstellung zum Wirken und zur Geschichte von Otto und Elise Hampel gezeigt. Ihr Leben lieferte keineswegs direkt die Vorlage für den Roman. Fallada selbst betonte, dass er sich von der Vorlage gelöst habe und keine Wirklichkeit berichte. Gerade das hat den Kurator und Erforscher der Originalbiografie des Ehepaars Hampel, den Bremer Christian Winterstein gereizt. Er geht Brüchen und Gewissensentscheidungen im Leben der beiden gründlich nach, etwa ihrem ursprünglichen Engagement im Nationalsozialismus, ihren Zweifeln, ihrem Mut, ihren Ängsten, der Atmosphäre von Denunziation und Gewalt, der Tödlichkeit der Maschinerie der Gestapo, den Grenzen, ihr individuell standzuhalten. Es gehe ihm nicht um politisch organisierten, sondern ganz privaten, zivilen Widerstand gegen das Naziregime, betont Winterstein. Um weghören oder nicht weghören, um Nachbarn und Abhängigkeiten, um Gewissen und Angst. Um Entscheidungen im eigenen Lebensumfeld, so, wie sie auch heute jeder zu treffen hat.

Der Joachim-Ringelnatz-Verein habe keine Minute gezögert, so Vereinsvorsitzende Viola Heß, diese Ausstellung kurzfristig im Geburtshaus zu zeigen. „Auch deshalb, weil sich Ringelnatz selbst sehr klar gegen den Nationalsozialismus positionierte, Lauheit und Selbstbetrug in der Wahrnehmung des Hitlerregimes anprangerte und mit Auftrittsverbot belegt wurde.“ Seine Bilder wurden aus den Galerien entfernt. Der finanziellen Mittel für seine Existenz und die Erhaltung seiner Gesundheit beraubt, starb Ringelnatz 1934 an Tuberkulose.

Die Ausstellung entstand aufgrund der Zusammenarbeit des Joachim-Ringelnatz-Vereins mit der Hans-Fallada-Gesellschaft Carwitz und wurde in dieser Form eigens für den Ausstellungsort in Wurzen konzipiert. Zeitgleich werden weitere Dokumente und Hintergründe im Fallada-Museum in Carwitz gezeigt. Die Stadtverwaltung unterstützte das Zustandekommen mit Geldern aus der Kulturförderung, und Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) übernahm die Schirmherrschaft.

Die feierliche Eröffnung findet am 21. Oktober, 15 Uhr, im Crostigall 14 statt. Sie ist bis zum 27. Januar 2018 zu sehen und zu allen Veranstaltungen im Ringelnatzhaus sowie sonntags von 14 bis 17 Uhr zu besichtigen.

Von lvz

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