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Wurzen Ringelnatz fürs Auge - Bilder zeigen Wurzens wildes Marktgewimmel
Region Wurzen Ringelnatz fürs Auge - Bilder zeigen Wurzens wildes Marktgewimmel
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00:39 06.08.2015
Herzenswunsch erfüllt: Buchhändlerin Kristina Jurich freut sich über zwei außergewöhnliche Bilder zu einem Gedicht von Joachim Ringelnatz. Gezeichnet hat sie ihr väterlicher Freund Hans Pätzold, der in Wurzen aufwuchs. Quelle: Haig Latchinian
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Wurzen

Eines zeigt Herrn Doktor Schnetermann, der sitzt weich fast wie im Moose - in der gelben Eiersoße. Das andere zeigt ein Wildschwein, das kommt gelaufen und rennt eine Bauersfrau übern Haufen.

Die 63-jährige Büchernärrin Jurich liebt ihren in Wurzen geborenen Dichter Hans Gustav Bötticher alias Joachim Ringelnatz. Besonders mag sie dessen Gedicht "Töpfermarkt in Wurzen". Kein Wunder: Sie verkauft in ihrem Laden nicht nur Bücher, sondern auch Keramik aus Kohren-Sahlis. Tassen und Töpfe aus dem Hause Arnold, jener traditionsreichen Töpferei. In Wurzen habe es früher auch viele Töpfereien und eben Töpfermärkte gegeben, sagt Kristina Jurich: "Da herrschte ein derartiger Trubel, dass Ringelnatz dem Treiben - lustvoll wie eh und je - ein literarisches Denkmal setzte." Eine Kostprobe gefällig? Etwa vom wilden Schwein? Es läuft, dass alle Töpfer schrei'n. Und mitten in die Töpfe rein - da kommt in diesem Angstgeschrei, der Bauer dieses Schweins herbei, er fängt es ein und will davon! Jedoch der Schutzmann hält ihn schon, nun wird der Bauer fortgeführt und auf der Wache arretiert.

Die Buchhändlerin schwärmt von ihrem väterlichen Freund namens Hans Pätzold, der bereits hoch in den Neunzigern ist und in den alten Bundesländern lebt. "Herr Pätzold war vor dem Krieg Klassenkamerad meines inzwischen verstorbenen Vaters Alfred Sperling. Beide besuchten sie Wurzens Königliches Gymnasium. Sie hielten sich bis zuletzt die Treue, über die Jahre entwickelte sich sogar eine echte Familienfreundschaft. So sind mein Mann Hans-Otto und ich auch mit der Tochter von Hans Pätzold eng verbunden. Magda Bohlmann und ihr Mann Fritz waren auch schon oft bei uns in Wurzen."

Hans Pätzold, der das Malen einst in Wurzen beim bekannten Lithographen Albert Klesse in der Barbaragasse erlernte, erfüllte der Buchhändlerin einen lang gehegten Herzenswunsch. Er brachte zwei Szenen aus Ringelnatz' Gedicht "Töpfermarkt in Wurzen" zu Papier und schenkte sie ihr. Passanten können die beiden Originale seit neuestem im Schaufenster in der Wenceslaigasse bewundern. "Ich würde mich sehr freuen, wenn die beiden wunderschönen Aquarelle demnächst einen noch würdigeren Platz finden könnten", sagt die Buchhändlerin. Sie ist ganz hin und weg von der Fabulierkunst des Joachim Ringelnatz. Ähnlich wie Wilhelm Busch seinen Hans Guck-in-die-Luft ins Wasser laufen ließ, so kommt auch Doktor Schnetermann auf Wurzens Töpfermarkt vom rechten Wege ab und landet in einem Korb voller Eier von Verkäuferin Meier. Nun muss der Ärmste, ach, für 80 Eierschalen schweres Geld bezahlen.

Hans Pätzold, der seine Heimatstadt Wurzen liebt und sie so oft es geht auch noch besucht, soll Ringelnatz ähnlicher sein, als er das bisher zugegeben hat. Das jedenfalls behauptet Buchhändlerin Jurich: "Genau wie der große Dichter hat auch Herr Pätzold eine markante Nase und vor allem einen Riecher für hintergründigen Humor."

Ringelnatz soll daher auch hier das letzte Wort haben: Es war Töpfermarkt in Wurzen, da war die Freude groß, das war e' großer Jubel, als sei der Teufel los.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.08.2015
Haig Latchinian

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