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Wurzen Ringelnatz wird zum Selbstläufer
Region Wurzen Ringelnatz wird zum Selbstläufer
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05:00 08.08.2011
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. Cheforganisator Thomas Zittier springt ein, spurtet quer über den Markt und treibt bei Stadtsprecherin Cornelia Hanspach alias Obstfrau Conny eine Banane auf. Maria Hentzschel in der Läuferschar staunt nicht schlecht, als ihr der geistige Vater des Laufes höchstselbst den etwas anderen „Stab" überreicht. Der spaßbetonte 1. Wurzener Ringelnatzlauf wird schnell zum Selbstläufer.

Ringelnatz, dem großen Sohn der Stadt, hätte die Bananen-Nummer besonders gefallen. Schließlich schipperte er als Matrose einst in der Südsee, weshalb Bettina Kretzschmar vom Kulturbetrieb eigens Palmen und Liegestühle auf den Markt bringen lässt. Und weil sich die Sportler ihre Südsee-Sehnsucht auch nicht von Petrus vermiesen lassen wollen, deuten sie den Regen nicht etwa als Weinen: „Der Himmel schwitzt mit!" Schützenbruder Gerd Bretschneider („nicht mit zwei ,t‘, so harte sinn mir nisch") feuert mit seinem Karabiner den Startschuss ab. Durch die Schuhgasse rennen die 280 Sportler über fünf oder zehn Kilometer in Richtung Schloss, die Domgasse hinunter, vorbei am Markt in die Badergasse und weiter ins Ringelnatzgässchen. Hier springt die Athleten ein knallgelbes Ringelnatzkonterfei an. Darauf zu lesen: „Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine, kürzt die öde Zeit, Und er schützt uns durch Vereine – Vor der Einsamkeit." Der ironische Ringelnatz! Er passt zu all den Iron-Männern. Der 65-jährige Streckenposten Helmut Wandel, Alterspräsident des ausrichtenden Wurzener Tri-Sport-Vereins, startet am 11. September sogar bei der Iron-Man-WM in Las Vegas.

Durch den Badergraben geht es weiter Richtung Barbaragasse. Hier weist Stefan Gnüchtel von der Wurzener Feuerwehr bereitwillig den Weg. Am Crostigall reicht Marlen Dier („mit D, nicht mit B") Getränke. Die Lehmanns und Großkopfs schmücken zur Feier des Tages ihr Gasthaus mit Wimpeln. Sogar Stammgast Rolf Wimmer ist aus dem Häuschen. An den Mühlentürmen wird der zehnjährige(!) Robin Kramer lautstark von Papa David angefeuert. Dank Nasenpflaster hat der kleine Wintersportler aus Hohburg noch genug Puste, um die Steile Wand von Wurzen, die Kannengießergasse, zu meistern. Hier wartet schon der versammelte Fanblock des 75-jährigen Wurzeners Ernst Petter. Enkel Ole mit Rassel hüpft in heller Erwartung von einem Bein aufs andere. Über den Jacobsplatz spurtet nun alles dem Ziel entgegen. Auch Großvater Petter reißt die Arme hoch. Seit dem 17. November 1975 lässt er so gut wie kein Rennen aus. Ob Rennsteig oder Kernberg – auf über 30 000 Starts brachte er es: „Endlich mal ein Lauf nur in Wurzen!" Er beißt in die Banane, während andere um einen Stempel für die Krankenkassen-Bonuskarte bemüht sind.

Haig Latchinian

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