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Wurzen Ringelnatzverein Wurzen zieht für das Jahr 2017 eine erfolgreiche Bilanz
Region Wurzen Ringelnatzverein Wurzen zieht für das Jahr 2017 eine erfolgreiche Bilanz
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00:18 31.12.2017
„Wir leisten professionelle Arbeit zum Nulltarif“, sagt Viola Heß, Vorsitzende des Ringelnatzvereins Wurzen. Quelle: Foto:
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Wurzen

Die Zahlen beweisen es: Nur anderthalb Jahre nach Übernahme des Ringelnatz-Geburtshauses hat der gleichnamige Verein dem Andenken des Schriftstellers, Kabarettisten und Malers Hans Gustav Bötticher (1883 – 1934), alias Joachim Ringelnatz, einen deutlichen Imageschub verpasst – in Wurzen und weit über die Stadtgrenzen hinaus. Zugleich verzeichnet die Gemeinschaft einen Zuwachs an Mitgliedern. „Als mancher Stadtrat im November 2015 noch über den Verkauf des Objektes im Crostigall 14 nachdachte, zählten wir 25. Und jetzt sind wir 125 Ringelnatzfreunde“, berichtet Vorsitzende Viola Heß.

Für den Aufwind sorgte insbesondere der Wettbewerb „Call of Members“ Ende 2016. Im Rahmen des Fonds Neue Länder rief die Kulturstiftung des Bundes zum zweiten Mal Kunst- und Kulturvereine in Brandenburg, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern auf, für ein halbes Jahr ihre Kraft auf die Werbung neuer Mitglieder zu richten. Der Lohn für die Mühen: eine Prämie von 50 Euro pro Person. 3300 Euro flossen letztlich nach Wurzen und in eine neue Ära. Schon deshalb erinnert Heß einmal mehr an die Anfänge. Um das Geburtshaus vor einer ungewissen Zukunft in privater Hand zu retten, präsentierte der Verein der Stadtverwaltung ein Betreiberkonzept.

„In der Stufe eins ging es uns darum, die Immobilie für Wurzen und das Wurzener Land zu erhalten. Das Ziel haben wir erreicht“. Die zweite Etappe beinhaltete, das Haus zu beleben. Nicht allein mit Kultur, sondern zugleich für Familien. „Denn Böttichers waren bekannt für ihre Kreativität. Sie malten, dichteten und bastelten.“ Phase drei soll schließlich den Crostigall 14 als literarische Ringelnatz-Erinnerungsstätte in den öffentlichen Blickpunkt rücken – unter anderem mit Führungen, „vielleicht sogar über digitale Medien“. Jedoch erst nach der Sanierung, die für Frühjahr 2018 angedacht ist, betont Heß. „Königsdisziplin in diesem Punkt drei wird ein nationales Ringelnatz-Sommerfestival sein, dass Leute aus ganz Deutschland nach Wurzen lockt sowie zeitgenössische Künstler bindet.“ Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sei der Vorsitzenden zufolge die Aufnahme des Vereins als 263. Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Literarische Gesellschaften und Gedenkstätten gewesen. „Für unser Vorhaben zur Rettung des Hauses erhielten wir übrigens stehende Ovationen.“

Der Applaus im Kleinen blieb auch vor Ort nicht aus. Allein 50 Veranstaltungen organisierte die Gemeinschaft im Ehrenamt und innerhalb der vergangenen anderthalb Jahre. Die Bilanz weist seither 3000 Gäste aus – dieses Jahr knapp 2000. „Darunter fallen etwa 1000 Besucher, die beispielsweise unsere Reihe ,Freitags im Crostigall 14’ zum Kommen animierte.“ Darüber hinaus erfasst die Vereinsstatistik zahlreiche Führungen, Sonderausstellungen sowie Rundgänge entlang des Ringelnatzpfades. Mittlerweile, freut sich Heß, sei „das Geburtshaus ein Kulturhaus“. Und das keineswegs unter besten Voraussetzungen. Die marode Bausubstanz und allzu beengte Verhältnisse trugen nämlich dem wachsenden Zuspruch kaum Rechnung. Spätestens mit der Reko, so Heß, werde sich das ändern. Dafür muss der Verein allerdings umziehen und hat schon ein Ausweichquartier gefunden. Interimsdomizil bis zum Abschluss der Arbeiten am und im Ringelnatzhaus ist dann der ehemalige Jugendtreff im Kulturhaus Schweizergarten, informiert Heß. „Natürlich führen wir unsere Veranstaltungen und die Reihe ,Freitags im Crostigall 14’ weiter.“ Auf zwei Termine verweist sie im gleichen Atemzug.

Bereits am 12. Januar ab 19 Uhr heißt es „Lerne lachen ohne zu weinen – mit Ringelnatz ins neue Jahr“. Zu Gast ist der Hamburger Schauspieler und Sänger Bernhard Weber. Oder am 9. Februar – der Start für eine neue Ausstellung unter dem Titel „Woher die Ringelnatz-Kachel kam – die Colditzer Künstlerin Irmgard Sander“. Aus ihrer Hand stammt die 1983 vom damaligen Kulturbund und anlässlich des 100. Geburtstages von Joachim Ringelnatz in Auftrag gegebene Kachel.

Die nächsten Veranstaltungen

12. Januar, 19 Uhr – „Lerne lachen ohne zu weinen – mit Ringelnatz ins neue Jahr“ – Bernhard Weber von Weber’s Artists

27. Januar, 16 Uhr – „Otto und Elise Hampel – Karte bitte wandern lassen“ – Finissage zur Ausstellung mit Führung und Workshop durch den Kurator Christian Winterstein

9. Februar, 19 Uhr – „Woher die Ringelnatz-Kachel kam – die Colditzer Künstlerin Irmgard Sander“ – Vernissage der neuen Ausstellung

2. März, 19 Uhr – „Weisheit ist keine Bräunungsstufe“ – Sprachwitz-Feuerwerk mit brillant formulierten Aphorismen zu relevanten Themen, Irrtümern und Vorurteilen des Berliner Kabarettisten Gunnar Schade

16. März, 19 Uhr – „Die Hosenschnur – Märchen für Pärchen … und solche, die es werden wollen“ – Orientalisch-Verwegenes über die Liebe und das Leben mit Jan Deicke von Mondschaafs Lauschpalast Dresden

13. April, 19 Uhr – „UTA² treffen Balduin Bählamm, den verhinderten Dichter “ – Ein Wilhelm-Busch-Programm mit Uta Hauthal (Rezitation) und Uta Fehlberg (Klavierimprovisation)

27. April, 19 Uhr – „HC Schmidt liest Francois Villon“ – begleitet von Andreas Scotty Böttcher mit Improvisionen an Synthesizern

18. Mai, 19 Uhr – „Glück statt Spott“ – Gastspiel des Kabaretts „Die Kiebitzen-steiner“, Halle

1. Juni, 16 Uhr – „Von schlauen Füchsen und gewitzten Hühnern Schelmengeschichten aus allen Winden “ – Geschichten zum Kindertag (geeignet ab vier Jahre) mit Jan Deicke von Mondschaafs Lauschpalast Dresden

29. Juni, 19 Uhr – „Balla, Balla, Laika“ – Russian Hits From Baikal mit der gleichnamigen Band und Uwe Steger am Akkordeon

Von Kai-Uwe Brandt

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