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Rohre auf Knopfdruck aus Beucha

Standortvorteil im Landkreis Leipzig Rohre auf Knopfdruck aus Beucha

Vor 25 Jahren siedelte sich die Firma rff in Beucha an. Von einstmals 15 Mitarbeitern hat sich die Zahl der Beschäftigten auf mittlerweile 75 erhöht. Der Komplettanbieter für Rohre und Rohrverbindungen liefert bis in die USA, den Nahen Osten oder Malaysia. Zwei vollautomatische Rohrlager sind Herzstück einer ausgeklügelten Logistik.

In einem vollautomatischen Rohrkassettenlager werden die Rohre bei rff in Beucha für die Kunden zusammengestellt. Beliefert werden vor allem Firmen des Anlagenbaus, der chemischen und der Kraftwerksindustrie. Niederlassungsleiter Heiko Gottschalk (r.) mit Mitarbeiter André Kedzierski .
 

Quelle: Simone Prenzel

Brandis/Beucha.  In jeder Hinsicht hoch hinaus geht es bei der Firma rff im Gewerbegebiet Brandis-Beucha. Das Unternehmen Rohr Flansch Fitting Handels GmbH beliefert vom Muldental aus nicht nur Kunden in aller Welt. Um immer flexibel reagieren zu können, steht hier auch das größte Rohrkassettenlager Europas. Auf Knopfdruck werden Rohre unterschiedlichster Größe und Beschaffenheit zusammengestellt. Geliefert wird bis in den Nahen Osten, die USA oder ins südostasiatische Malaysia.

„Die Entscheidung für Beucha“, erinnert sich Niederlassungsleiter Heiko Gottschalk, „ist auf Grund der Autobahnnähe und der Grundstückspreise gefallen.“ Dass das Unternehmen auf Tuchfühlung zum Chemiedreieck wollte, lag auf der Hand. „Für die Belieferung der Industriegebiete in Böhlen, Schkopau und Bitterfeld liegen wir hier ideal“, so der Kaufmann für Groß- und Außenhandel. Besonders in den Jahren nach der Wende habe es in Mitteldeutschland einen enormen Bedarf an neuer Industrie-Ausstattung gegeben. Die Firma rff stieß genau in diese Lücke.

Markt ist hart umkämpft

Das Unternehmen zählt zu den größten Komplettanbietern für Rohre und Rohrverbindungen in Europa. Die Rohr Flansch Fitting Handels GmbH wurde 1976 in Stuhr bei Bremen gegründet. Ab 1984 erschloss man sich weitere Verkaufsgebiete und eröffnete Niederlassungen in Düsseldorf und Nürnberg. 1991 schuf sich die Firma ein Standbein in den neuen Bundesländern. Nach einem kurzen Intermezzo in Leipzig siedelte sich rff in Beucha an. „Unsere Kunden kommen vor allem aus dem Rohrleitungs- und Anlagenbau, der chemischen Industrie, dem Öl- und Gasgeschäft sowie dem Kraftwerksbau“ , schildert Gottschalk, gebürtiger Bremer. Nach Jahren mit zweistelligen Zuwachsraten, auf die das Unternehmen am Standort Beucha mit Investitionen reagierte, ist der Markt mittlerweile hart umkämpft. „In Deutschland wird derzeit wenig investiert“, macht Gottschalk deutlich, dass auch die Entwicklungen im Energiesektor in den Auftragsbüchern zu spüren sind. „Besonders der Kraftwerksbau ist extrem rückläufig.“ Hier konzentrieren sich die Arbeiten aktuell darauf, die Anlagen instandzuhalten.

 „Für rff ist es deshalb besonders wichtig, in Vertrieb und Logistik höchsten Qualitätsansprüchen an Service und Termintreue zu genügen.“ Eine ausgeklügelte Lagerhaltung gilt dabei als A und O. „In den Anfangsjahren waren wir noch auf Gabelstapler angewiesen“, blickt Roberto Heckel, Logistikchef und seit 1995 bei rff, zurück. Ein neues Zeitalter der Bevorratung brach mit den beiden Rohrkassettenlagern an. Insbesondere Lager numero zwei gilt als technische Sensation. Superlative fallen reihenweise, geht es um die Ausmaße des Riesen-Rohr-Schranks, der auch die Silhouette des Gewerbeparks prägt. Gelagert werden kann hier eine Last von bis zu 11 000 Tonnen. „Dafür“, so Gottschalk, „musste das Fundament natürlich entsprechend ausfallen.“ Insgesamt seien 560 Betonpfähle bis zu acht Meter tief in die Erde gerammt worden. Nicht weniger gigantisch muten die Ausmaße an. In einem riesigen Gittergeflecht stapeln sich hier Rohre in 2300 einzelnen Kästen. Und das auf 24 Metern Höhe, 60 Metern Länge und 24 Metern Breite.

Viel Platz

Viel Platz: Auf einer Fläche von insgesamt 16 000 Quadratmetern betreibt rff in Beucha zwei vollautomatische Rohrkassettenlager, in denen die Ware per Knopfdruck zusammengestellt und dann ausgeliefert wird.

Quelle: rff/Carsten Heidmann Fotografie

Die Suche nach dem passenden Stück geschieht vollautomatisch. André Kedzierksi stellt in der riesigen Halle gerade einen Auftrag zusammen. Am Computer scannt er die Liste mit den gewünschten Artikeln ein. Dann steuert ein riesiger fahrbarer Kran wie von Geisterhand das passende Rohr-Fach an, befördert es behutsam zu Boden, legt das Material ab und sortiert die Kassette ordentlich wieder ein. Zeitgleich können vier weitere Kollegen die Rohr-Auswahl per PC starten.

Musterbeispiel der Ingenieurskunst

Insgesamt kann rff auf ein Sortiment von 40 000 Artikeln zurückgreifen. Ein Hoch der Technik ,die hier den Überblick behält. Heiko Gottschalk gerät ins Schwärmen, wenn er den gigantischen Lagerturm vorführt. „Das ist ein Musterbeispiel deutscher Ingenieurskunst.“ Ein größeres Lager dieser Art existiere nur noch in Kanada.

Weil rff seine Logistik im Griff hat, greifen Kunden weltweit auf die Dienste des Unternehmens zurück. „Wir liefern in die USA, aber auch nach Russland oder Saudi-Arabien.“ Die meisten Materialien kommen per Schiff in Hamburg an. Über den dortigen Hafen werden auch zahlreiche Abnehmer beliefert. Vieles läuft aber auch per Lkw. So ging ein Großauftrag auf 40 Lastern schon einmal gen Russland. „Da muss alles genau getimt sein.“ Auch der Nahe Osten kämpft sich per Lkw nach Beucha vor. Täglich werden rund 20 Fahrzeuge be- oder entladen. Von einstmals 15 Mitarbeitern habe sich die Zahl der Beschäftigten im 25. Jahr des Bestehens der Niederlassung inzwischen auf 75 erhöht, davon arbeiten 35 im Vertrieb und 40 in der Logistik. Dass rff mit der Region verwurzelt ist, beweist man auch auf sportlichem Parkett: Seit Jahren unterstützt rff die Handball-Frauen des HC Leipzig.

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Von Simone Prenzel

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