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Wurzen Romanische Kapelle unter der Kapelle
Region Wurzen Romanische Kapelle unter der Kapelle
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05:00 01.12.2012
„Seltener Glücksfall“: Unter der Kapelle auf Schloss Colditz entdeckten Archäologen nicht nur Fluchttunnel – Restaurator Thomas Schmidt zeigt auf einen –, sondern dank der Tunnel auch Mauerreste einer romanischen Kapelle. Quelle: Klaus Peschel
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Colditz

Es handelt sich um Mauerreste einer Kapelle aus romanischer Zeit.

Für die Historiker sind Funde aus dieser Zeit in solch einem großen Umfang ein seltener Glücksfall. „Aus den gefundenen Resten der Umfassungsmauer kann der komplette Gebäudekomplex der romanischen Kapelle rekonstruiert werden", sagt Thomas Westphalen, der Abteilungsleiter für Archäologische Denkmalpflege beim Landesamt für Archäologie. Insgesamt wurden bei den Ausgrabungen auf der etwa 25 Quadratmeter großen Fläche 64 Befunde dokumentiert. Darunter befinden sich Abschnitte der Südwand der romanischen Kapelle und die Südwand des Chorbaues mit Teilen der halbkreisförmigen Apsis. „Die vorgefundenen Erdbefunde – Aufplanierungsschichten und ein Lehmfußboden – bestätigen, dass vor dem Bau der Kapelle dieser Bereich schon anderweitig genutzt wurde", erklärt die örtliche Grabungsleiterin Joanna Wojnicz. Überdies konnten weitere 700 Funde geborgen werden. „Darunter ein Knochenwürfel, ein Glasring, ein Hufeisenfragment und Keramik aus dem elften bis 13. Jahrhundert. Die Funde aus der Baugrube stammen voraussichtlich aus dem zwölften Jahrhundert. Die Untersuchung der Keramik läuft noch", informiert Joanna Wojnicz weiter. Sie betonte zudem, dass die Funde zum Teil sogar belegen, was und wie früher gegessen wurde. Die Archäologen öffneten bei den Arbeiten auch erneut Fluchtschächte aus der Zeit des Offizierslagers Oflag IV C. Die regen Grabungstätigkeiten im Kapellenbereich waren bereits in früheren Jahren aufgefallen und sind Zeugnisse der zahlreichen Fluchtversuche, die alliierte Offiziere auf dem Schloss während ihrer Gefangenschaft unternahmen. Die Untersuchungen der Funde werden nun weiterhin andauern, an der Grabstelle selbst wird das Loch jetzt allmählich wieder verfüllt. „Dabei werden wir für die nachfolgenden Generationen Markierungen anbringen, die zeigen, wo bereits gegraben wurde. Danach kommen wieder die Sandsteinplatten sowie eine Fußbodenschicht darüber", informierte Diplomrestaurator Thomas Schmidt. Zu Beginn des kommenden Jahres beginnt der Innenausbau des Kirchenhauses auf dem Schloss. Dieser umfasst die restauratorische Überarbeitung des Kirchenraumes, der danach museales Objekt sein wird. „Dazu gehört auch die Wiederherstellung der historischen Raumfassung von 1921", erläutert Schmidt. Die Sanierungsarbeiten sollen zwei Jahre dauern. Der Freistaat Sachsen nimmt hierfür insgesamt 1,8 Millionen Euro in die Hand.

Robin Seidler

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