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Wurzen Rossmann statt Ratskeller: 484 Bürger aus Brandis sind dafür
Region Wurzen Rossmann statt Ratskeller: 484 Bürger aus Brandis sind dafür
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00:16 17.10.2017
Aufgefächert: Listen mit 484 Unterschriften pro Rossmann-Ansiedlung übergab Thomas Schirmer (l.) im Rathaus an Bürgermeister Arno Jesse. Quelle: Foto:
Brandis

Rossmann statt Ratskeller am Brandiser Markt – 484 Bürger unterstützen mit ihrer Unterschrift diese Forderung. Der Brandiser Thomas Schirmer (55) hatte entsprechende Listen einen Monat lang in zwölf Geschäften, vorwiegend am Markt und in der Hauptstraße, ausgelegt. Jetzt übergab er sie im Rathaus Bürgermeister Arno Jesse (SPD). „Vielleicht hilft die Unterschriftensammlung etwas, damit der Denkmalschutz einlenkt und sich der Drogeriemarkt hier ansiedeln kann“, so seine Hoffnung.

Gegensätzliche Positionen

Der Standpunkt der Dresdener Denkmalpfleger, vor wenigen Wochen noch einmal bekräftigt, sei allerdings eindeutig, sagt Jesse: „Kein Abriss.“ Natürlich habe der Ratskeller „unbestritten historische Bedeutung“, betont er. „Es ist richtig, erst abzuwägen und nicht gleich jedem Abriss zuzustimmen.“ Aber dem gegenüber stünden auch Baugutachten: „Eine Sanierung ist nicht nur wirtschaftlich nicht vertretbar. Es gibt auch keine technische Lösung zur Rettung.“ Dafür dass der Denkmalschutz dennoch hart bleibt, hat Schirmer kein Verständnis: „Wenn er den Ratskeller erhalten will, soll er die Sanierung auch bezahlen. Man kann nicht nur fordern“, findet er deutliche Worte.

Weichenstellung

Vor diesem Hintergrund hatte der Stadtrat Ende August eine weitere Weiche für Rossmann gestellt und sich – vorbehaltlich einer Einigung mit dem Denkmalschutz und einer Baugenehmigung – einhellig für den Verkauf des Grundstückes an das Unternehmen ausgesprochen. Nach Ausschreibung des Grundstückes im Januar war als einziges ein Angebot der Dirk Rossmann Objekt GmbH aus Burgwedel eingegangen, dazu ein architektonischer Entwurf. Dieser schlägt anstelle von Ratskeller und dem benachbarten „blauen Haus“, das der Wohnungsgesellschaft gehört und ebenfalls fast leer steht, einen mehrgeschossigen Neubau zur gewerblichen Nutzung vor – Drogerie im Erdgeschoss, eventuell Praxisräume darüber. Benötigte Parkplätze, ergänzt Jesse, könnten in der Rathausgasse entstehen, wo neben der Fleischerei ebenfalls ein leeres Haus reif für den Abriss ist. „Es geht nicht darum, dass hier ein 0815-Markt entsteht“, betont der Bürgermeister. Die Fassadengestaltung greife Elemente des Ratskellers auf, und sei, wie auch die optische Unterteilung in wieder zwei Häuser, schon mal Ergebnis von Gesprächen mit Dresden gewesen.

Ratskeller kein Aushängeschild

Er habe das Rossmann-Vorhaben in der Leipziger Volkszeitung und im Brandiser Stadtjournal „mit Interesse verfolgt“ und sich daraufhin zu der Unterschriftensammlung entschlossen, erzählt Schirmer. Dabei ist der Leipziger erst vor drei Jahren nach Brandis gezogen, die Stadt hatte er allerdings schon zu DDR-Zeiten in sein Herz geschlossen. Die meisten Geschäfte, in denen er um Mithilfe bat, hätten die Idee „prima“ gefunden. Mit Blick auf Touristen, die im Sommer an die Seen kommen, sei das halbverfallene Gemäuer auf dem schmucken Markt sowie die dadurch gesperrte Rathausgasse „mit Sicherheit kein Aushängeschild“, begründet er seine Initiative. Ebenso wenig für die Besucher von Oldtimertreff, Stadtfest oder Weihnachtsmarkt. „Und sein Zustand wird nicht besser.“ Der gelernte Maurer weiß: „Häuser, die nicht bewirtschaftet und damit auch nicht beheizt und belüftet werden, verfallen schnell, Schädlinge nisten sich ein.“ Eine Drogerie in einem Neubau hingegen fände er gut. Nicht nur, weil dadurch Arbeitsplätze entstünden. Schirmer weiß, dass es bei den Discountern rundum nur ein minimales Drogeriesortiment gibt. Als Hobbyfotograf vermisst er vor allem das von Drogerien wie Rossmann unterbreitete Angebot, Fotos entwickeln zu lassen. „Wer etwas aus der Drogerie braucht, fährt aktuell nach Naunhof“, weiß auch Jesse. Das sei insofern ärgerlich, weil die Kunden dann auch gleich dort zu Rewe gingen – Kaufkraft, die aus Brandis abfließt. „Mit Rossmann bekämen wir eine Ansiedlung, die die ganze Innenstadt beleben würde“, ist Jesse überzeugt, der mit Sorge beobachtet, dass in kurzer Zeit gleich zwei Café-Betreiber aufgegeben haben.

Botschaft der Bürger

„Die Denkmalpfleger sollten mal selbst mit den Leuten reden“, empfiehlt Schirmer. Er freut sich über die große Resonanz auf seine Aktion. Und auch Jesse zeigt sich positiv überrascht: „Ich freue mich vor allem über die Botschaft, die daraus spricht.“ Er werde sie dem Denkmalschutz „mit Sicherheit“ übermitteln. Denn gebe es bei weiteren Gesprächen keine Einigung, werde der Landkreis, der die Position der Stadt unterstützt, die Angelegenheit zur Entscheidung an die Landesdirektion weiterleiten. „Und da ist der erklärte Wille der Bürger sicher nicht unerheblich“, meint Jesse. „Die Liste zeigt, dass es vielen Bürgern wichtig ist, dass hier ein Neubau entsteht, anstatt den Ratskeller weiter verfallen zu lassen. Wir hoffen, dass die Landesdirektion dann im Sinne der Stadtentwicklung entscheidet.“ Und das nach Möglichkeit noch 2017.

Von Ines Alekowa

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42 Jahre war er Teil des Grimmaer Krankenhauses, 25 Jahre dieser Zeit schulterte er als Technischer Leiter des Klinikums Verantwortung. Nunmehr hat Steffen Grimm (65) seinem Nachfolger bei der Muldentalkliniken GmbH endgültig Platz gemacht. Matthias Schröter (53) verantwortet jetzt die technische Funktionsfähigkeit der Häuser.

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