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Rotstift setzt an Domkonzerten an

Rotstift setzt an Domkonzerten an

Wenn Domkantor und Kirchenmusikdirektor Johannes Dickert. auf die für nächstes Jahr geplanten Konzerte in Mariendom und Wenceslaikirche schaut, dann graben sich tiefe Sorgenfalten in seine Stirn.

Wurzen. Für die Veranstaltungen stehen ihm 2015 deutlich weniger Fördermittel aus dem Zweckverband Kulturraum Leipziger Raum zur Verfügung als in den Vorjahren. Wie er die Finanzierungslücke schließen soll, weiß er noch nicht.

Dickert ist im Kulturraum selbst Mitglied des sechsköpfigen Fachgremiums "Orchester und Musik", das - einen Budgetrahmen vor Augen - Fördermittelanträge anhand der dazu gehörenden Konzepte bewertet, auch Tipps gibt, an welcher Stelle vielleicht Kosten gespart oder die Einnahmen - zum Beispiel durch Eintritt statt freiwilliger Kollekte - aufgebessert werden können. In der Regel folge dann der übergeordnete Kulturbeirat, in dem wiederum jede Sparte, ob nun Musik oder Bibliotheken, durch ein Mitglied vertreten ist, den Empfehlungen des Fachgremium, beschreibt Dickert die Abläufe.

In diesem Jahr allerdings habe sich das Budget nach der Spartensitzung noch einmal geändert. "Das passiert", weiß Dickert. Die Art und Weise jedoch, wie der Fehlbetrag eingespart werden soll, treibt ihn auf die Barrikade. Der Beirat habe beschlossen, das Defizit auf die Sparten aufzuteilen. So weit, so gut. "Aber in der Sparte Orchester und Musik - hier sind es 25 000 Euro - soll das Geld allein bei den kirchenmusikalischen Projekten eingespart werden", berichtet er über eine entsprechende Mitteilung im November und fügt hinzu: "Wenn der Fehlbetrag stattdessen auf alle 15 Projekte dieser Sparte mit Augenmaß verteilt würde, müssten keinem Projektleiter graue Haare wachsen." So muss Dickert, der 9000 Euro Fördermittel beantragt hatte, nun mit 3491 Euro auskommen. "60 Prozent weniger Förderung - das ist eine ganze Menge." Auf die Region Grimma-Wurzen berechnet, bleiben von 19 610 Euro noch 7900 Euro übrig. Betroffen seien auch der Leipziger Raum, Oschatz, Delitzsch und die Region Borna. Ungeschoren davon komme nur Torgau, um das Rahmenprogramm zur nationalen Lutherausstellung zu gewährleisten.

Schon jetzt muss der Domkantor zwei Drittel der mit der Konzertreihe verbundenen Kosten selbst erwirtschaften durch Eintritte und Spenden - 50 Sponsoren sind im Anhang des Programmflyers für 2014 aufgelistet. Von vielen Kosten ahnt der Konzertbesucher, wenn er sich wie vergangenes Wochenende an den von Capella Sancti Wenceslai und Kammerorchester St. Wenceslai vorgetragenen adventlichen Weisen erfreut, gar nichts. Die Palette reicht von Honoraren und Heizung der Kirche über Notenkauf und Instrumentenpflege, wie zum Beispiel Stimmen der Orgel, bis zur Werbung. "Auch für 2015 sind wieder 20 Konzerte geplant", sagt er. "Und für mindestens die Hälfte davon fallen Honorarkosten an, was besonders ins Kontor schlägt, wenn Orchester engagiert werden, wie beispielsweise die Sächsische Bläserakademie." An dem einen oder anderen Honorarposten zu sparen und trotzdem die Anzahl der Konzerte durch Vermietung des Domes an Agenturen aufrecht zu erhalten, so wie Ende Januar, wenn die Donkosaken hier gastieren, ist für den Domkantor keine echte Alternative. "Das in den Dom passende Angebot ist beschränkt, und jedes Jahr möchten die Wurzener sicher nicht gregorianische Musik hören, auch wenn sie hier gut klingt."

Dickert sieht die Kontinuität der letzten Jahre gefährdet. "Ich arbeite seit über 28 Jahren in der Kirchgemeinde Wurzen und kann sagen, dass die Konzertreihe ,Domkonzerte/Musik in St. Wenceslai' in dieser Qualität, Ausstrahlungskraft und Bedeutung ohne die Kulturraumförderung so nicht möglich gewesen wäre." Die Kirchgemeinde habe, da zum Beispiel nicht durch Pachteinnahmen wie die dörflichen Gemeinden gesegnet, in vielen Jahren ihren Haushalt nur einigermaßen rund bekommen. "Wenn wir bei Konzerten ausreichend Einnahmen erzielen könnten, hätte ich schon längst die Zeit statt für Anträge und Abrechnungen lieber zum Musizieren verwendet", sagt der Domkantor. Statt dessen schwant ihm, dass er nun wohl noch öfter mit dem Klingelbeutel die Runde wird machen müssen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.12.2014
Ines Alekowa

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