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Wurzen Rückepferde ersetzen schwere Waldmaschinen: Kaltblüter schwitzen im Friedwald
Region Wurzen Rückepferde ersetzen schwere Waldmaschinen: Kaltblüter schwitzen im Friedwald
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06:00 11.05.2017
Auf den Boden schonende Weise transportieren die Kaltblüter Anuschka und Burschi, geführt von Dietmar Dietze (l.) und Mario Götze, die gefällten Stämme zum Waldweg. Quelle: Frank Schmidt
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Bennewitz

Rückepferde – etwa 800 Kilogramm schwere Vierbeiner – ziehen Holz aus unzugänglichen Waldstücken. Jetzt war diese selten gewordene Art der Forstbewirtschaftung im Planitzwald zu beobachten. Auf dem Areal des etwa 60 Hektar großen Friedwaldes in der Gemeinde Bennewitz waren Bäume eingeschlagen worden, die für den Abtransport beräumt werden mussten.

Dafür wurde Dietmar Dietze aus Falkenhain mit seinem Kollegen Mario Götze und den zwei Kaltblütern Burschi und Anuschka im Auftrag der Friedwaldbetreiber aktiv. „Das ist eine spezielle Aktion, um auf etwa anderthalb Hektar eine neue Fläche für den Friedwald vorzubereiten“, erklärt Katja Rauchhaupt von der Rauchhaupt Wald GbR, dem Waldbesitzer, der auch für die Waldpflege zuständig ist. Nahe liegend wäre es, dafür moderne und schwere Technik einzusetzen, was aber dann doch so einfach nicht sei. „Der Waldboden ist momentan sehr nass, sodass wir nicht mit schweren Maschinen arbeiten können, die würden tiefe Eindrücke im Boden hinterlassen. Außerdem ist die Vegetation jetzt schon weit fortgeschritten, und wir befinden uns in einem Vogelschutzgebiet. Das Arbeiten mit Rückepferden ist schonender, hat also rein praktische Gründe“, sagt Katja Rauchhaupt. Dass die beiden 14-jährigen Pferde zudem geräuscharm arbeiten, sei mit Blick auf den Status des Friedwaldes, in dem bislang etwa 700 Urnenbeisetzungen stattfanden, natürlich ein positiver Nebeneffekt, jedoch nicht ausschlaggebend gewesen.

Burschi und Anuschka heißen die Kaltblüter, die als sogenannte Rückepferde im Bennewitzer Friedwald eingesetzt sind.

Das so genannte Vorliefern, wie das Schleppen des Holzes zum nächsten Feldweg mittels Rückepferd bezeichnet wird, sei gar nicht so unmodern, weiß Dietze zu berichten. Zumindest sei es keine Jahrhunderte alte Tradition, wie man glauben könnte. „Forstgeschichtlich gesehen, ist das Pferd noch gar nicht so lange im Wald. Früher wurde das Holz mühsam mit den Händen rausgetragen. Hilfsmittel waren maximal Rutschen oder Schlitten, die mit Muskelkraft und später mit Rindern gezogen wurden“, sagt der 35-Jährige. Die Zeit der Kaltblüter habe um 1950 ihren Höhepunkt gehabt, sei aber relativ kurz gewesen. Um 1960 wurde der Kaltblüter vom Traktor abgelöst. Einzig im Forst seien zu DDR-Zeit noch vereinzelt Kaltblüter eingesetzt worden. Um die Wende brach aber auch hier die Tradition der Rückepferde ein, erlebte aber schon bald wieder eine Renaissance. Seit gut 20 Jahren werden eben aus besagten Gründen der schonenden und naturnahen Arbeitsweise in den Wäldern wieder Forstpferde gehalten und eingesetzt, wenn auch selten.

Beim Anblick der kräftigen Pferde stellt sich natürlich die Frage nach der wahren Pferdestärke. Denn leistungsmäßig ist so ein Kaltblüter nicht mit einem Reitpferd zu vergleichen. Physikalisch wird die Pferdestärke nach einer Formel von James Watt berechnet. Praktisch, so weiß der 30-jährige Pferdeführer Götze, ist ein PS, wenn 75 Kilogramm Gewicht in einer Sekunde einen Meter hochgezogen wird. Die beiden Teenager Burschi und Anuschka vereinen demnach bis zu sechs PS in ihren Muskeln – jedes Pferd für sich.

Von Frank Schmidt

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