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Wurzen Rund 350 Teilnehmer ziehen bei Antifa-Demo durch Wurzen
Region Wurzen Rund 350 Teilnehmer ziehen bei Antifa-Demo durch Wurzen
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10:06 04.09.2017
Begleitet wurde die Demo in Wurzen von einem starken Polizeiaufgebot. Quelle: LVZ
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Wurzen

Eine bundesweite Mobilisierung innerhalb der linken Szene, teilweise verbarrikadierte Schaufenster und maskierte SEK-Einheiten: In Wurzen haben am Samstag rund 350 Menschen des Antifa-Bündnisses „Irgendwo in Deutschland“ gegen Neonazi-Strukturen in der Region demonstriert. Begleitet wurden sie von einem Großaufgebot der Polizei, die auch mit SEK-Einheiten und mehreren Wasserwerfern vor Ort war. Doch insgesamt blieb es friedlich, Befürchtungen vor Ausschreitungen bewahrheiteten sich nicht. Lediglich vereinzelt kam es zu Provokationen vor allem von rechten Gegendemonstranten, die sich entlang der Strecke durch die Wurzener Innenstadt positioniert hatten.

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Ausnahmezustand im sächsischen Wurzen: Hunderte Teilnehmer sind zu einer Antifa-Demo mit dem Titel „Irgendwo in Deutschland“ angereist. Die Polizei sichert das Geschehen mit einem Großaufgebot ab. Fotos: LVZ

Bereits Wochen vor der Demo hatte es in Wurzen Diskussionen über die von Andreas Blechschmidt angemeldete Demo gegeben. Blechschmidt ist ein Sprecher der Hamburger Roten Flora und hatte während des G-20-Gipfels die „Welcome to Hell“-Demonstration mitorganisiert. Unter dem Motto „Das Land – rassistisch, Der Frieden – völkisch, Unser Bruch – unversöhnlich“ solle die 16.000-Einwohner-Stadt bei Leipzig „entnazifiziert“ werden, hieß es in einem Aufruf des Bündnisses. Auf den Flyern, die Demo-Teilnehmer verteilten, wurde unter anderem auf Angriffe auf linke Projekte in Wurzen verwiesen. Kommunalpolitiker aus der Ringelnatzstadt und dem Landkreis wiederum hatten sich gegen eine Stigmatisierung der Stadt gewehrt. Vor Demo-Beginn ließen mehrere Bürger rund 500 Ballons steigen, um ein Zeichen für ein buntes Wurzen zu setzen.

Am Morgen hatten Unbekannte laut Polizei eine Strohpuppe an einer Eisenbahnbrücke in Wurzen aufgehangen. Auf der Puppe war ein Schriftzug mit den Buchstaben „AFA/FCK“ und auf der Brust ein durchgestrichenes Antifasymbol aufgemalt.

SEK vor Ort

Aus Leipzig waren viele Teilnehmer der Versammlung mit dem Zug angereist und trafen sich vor dem Bahnhof der Ringelnatzstadt. Dort positionierte sich auch eine Einheit des SEK neben einem Wasserwerfer. „Das war unnötig und wirkte bedrohlich“, sagte später Linken-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel, die am Samstag in Wurzen mit dabei war, zu LVZ.de. Im späteren Demoverlauf hielt sich die Polizei dann aber spürbar zurück und setzte auf Deeskalation.

Mit einiger Verzögerung startete die Versammlung gegen 16 Uhr und zog mit vielen Transparenten und lautstark unter anderem über den Wettinerplatz, die August-Bebel-Straße sowie die Friedrich-Ebert-Straße zum Markt und zurück zum Bahnhof. Während der Demonstration kam es immer wieder zu vereinzelten Provokationen von Rechtsextremen, die sich in Nebenstraßen und am Rande des Demogeschehens postiert hatten. Teilweise heizte sich die Stimmung auf beiden Seiten spürbar auf. Die Polizei musste allerdings nur einmal wirklich eingreifen, als vereinzelte rechte Gegendemonstranten am Bürgermeister-Schmidt-Platz versuchten, zu den linken Demonstranten zu gelangen. „Mehrere Leute haben die Demoteilnehmer verbal provozierte und auch versucht, zu den Demonstranten durchzukommen. Dabei kam es kurz zu vereinzelten Rangeleien", so Polizeisprecher Uwe Voigt zu LVZ.de.

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In einem Fazit zeigte sich die Polizei insgesamt aber zufrieden mit dem Demoablauf und sprach von einem weitestgehend friedlichen Versammlungsgeschehen. "Die Demoteilnehmer haben sich an die Auflagen gehalten", so Voigt. Berichte über Hitler- und Kühnengrüße bei den rechten Gegendemonstranten konnte der Polizeisprecher nicht bestätigen. Laut Polizei gab es während des Demogeschehens eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung, zwei Ordnungswidrigkeitsanzeigen, eine Strafanzeige wegen Verstoß gegen das Sächsische Versammlungsgesetz wegen Mitführens eines Teleskopstocks zu einer Versammlung sowie eine Anzeige wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Gegen 18.20 Uhr löste sich die Versammlung am Bahnhof auf, viele Teilnehmer fuhren wieder mit dem Zug zurück nach Leipzig. „Es hat sich gezeigt, dass es berechtigt war, Wurzen als Demo-Ort auszusuchen, es gibt nun mal Neonazi-Strukturen vor Ort“, sagte Landtagsabgeordnete Nagel zu LVZ.de.

luc

In Wurzen hatte ein Bündnis für Samstag bundesweit zu einer Antifa-Demo aufgerufen. Mehrere hundert Teilnehmer demonstrierten gegen Neonazi-Strukturen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. Der Live-Ticker von LVZ.de zum Nachlesen.

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