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Runder Tisch: Luxusprobleme statt echter Konflikte?

Freies Gymnasium Borsdorf Runder Tisch: Luxusprobleme statt echter Konflikte?

Die Zusammenkunft am „Runden Tisch“, um über die Zustände am Freien Gymnasium Borsdorf zu sprechen, ruft gespaltene Meinungen hervor. Während die einen Veranstaltungsort und – zeit als ungünstig erachteten, sehen andere die Schwerpunktsetzung kritisch. Fest steht nur: Es gibt noch viel zu tun.

Runder Tisch: Die Diskussion zu aktuellen Themen und Schwerpunkten der Bildungseinrichtung wurde in die Kirche verlegt und ist sehr gut besucht gewesen.

Quelle: Frank Schmidt

Borsdorf. Lutz Stephan hatte von Anfang an keine Illusionen, an diesem Tag eine Lösung zu finden. Der Geschäftsführer der Volkssolidarität Leipziger Land/Muldental, in deren Trägerschaft sich das Freie Gymnasium Borsdorf (FGB) befindet, lud am Sonnabend zu einem sogenannten Runden Tisch ein. Eine Zusammenkunft, in der Meinungen ausgetauscht werden konnten – rund um die Zustände am Gymnasium und die Diskussion, die dazu in den vergangenen Wochen aufkam. Lutz Stephan sollte Recht behalten. Eine Lösung ist in weiter Ferne, und trotzdem verbucht der Geschäftsführer die Zusammenkunft als Erfolg.

Schon im Vorfeld rumorte es, nachdem der Termin bekannt gegeben worden war. Denn dieser lag zeitgleich mit dem Tag der offenen Tür der Bildungseinrichtung. Ungünstig gewählt, sagten die einen. Vorsätzlich kalkuliert, die anderen. Lutz Stephan selbst hätte sich mehr Resonanz von Seiten der immerhin 71 gewählten Vertreter von Lehrern, Schülern und Eltern gewünscht. „Wo waren die alle?“, fragte er im Anschluss der Veranstaltung. Als Ort der Zusammenkunft wurde die Kirche Borsdorf auserwählt. Kein Platz blieb unbesetzt. Im Gegenteil: Die Kirche war mehr als gut besucht.

Neben dem Träger war auch Schulleiterin Kai Hakl anwesend, ebenso wie jeweils zwei Vertreter von Eltern- und Schülerrat. Lehrer suchte man zumindest am offiziellen Runden Tisch vergebens. Die saßen vereinzelt im Publikum.

Vom ursprünglichen Plan, einen Neun-Fragen-Katalog abzuarbeiten, blieb am Ende nicht viel übrig. Nicht mal eine Hand voll davon konnte besprochen werden. Kitty Dietzmann, Mutter eines Schülers, kritisierte zudem, möglicherweise die falschen Aspekte ausgewählt zu haben. So wurde als allererstes geklärt, wie viele Lehrer in den letzten zwei Jahren das Gymnasium verließen. Die Zahl 20 kursierte in diesem Zusammenhang. Tatsächlich aber seien es 28 Lehrkräfte aus den unterschiedlichsten Gründen gewesen. Hauptursache waren demnach Berufs- beziehungsweise Wohnortwechsel von acht Pädagogen, sieben Elternzeit-Fälle sowie fünf Kündigungen aufgrund von Differenzen mit der Schulleitung. So richtig einordnen wollte oder konnte das niemand, einen Vergleich zu ähnlich strukturierten Bildungsstätten gab es nicht.

Der Ruf nach einer erneuten Mediation wurde an diesem Tag schon recht früh laut. Eine erste gab es bereits vor Monaten aufgrund von Unstimmigkeiten im Kollegium. Diese scheiterte allerdings. Warum, erklärte Schulleiterin Kai Hakl. „Es gab viele Gespräche, ich glaube es waren zehn. Ziel war es, die emotionalen Zerwürfnisse aufzuarbeiten und aus der Welt zu schaffen.“ Den Vorwurf, sie habe die Mediation weinend abgebrochen, wies sie zurück. Stattdessen habe sie eine Konfliktaufarbeitung in der Öffentlichkeit, nämlich bei einer Schulbeginnveranstaltung, abgelehnt. Letztlich war es der Mediator, der abbrach, so die Schulleiterin. 7000 Euro kostete der Prozess, der am Ende ins Nichts führte. 10 000 Euro stellte die Volkssolidarität Leipziger Land/Muldental damals insgesamt für einen Zeitraum von zwölf bis 18 Monaten bereit. „Schon nach drei Monaten war das Budget fast weg“, erinnert sich Lutz Stephan. Trotzdem soll im nächsten Haushalt erneut Geld eingestellt werden, um es für eine eventuelle zweite Mediation bereit zu stellen. „Dafür sollte aber erst einmal geklärt werden, ob ein externer Berater überhaupt notwendig ist“, so Stephan weiter.

Ziemlich oft fiel das Wort „Luxusprobleme“. Eine augenscheinliche Mehrheit war der Ansicht, dass es sich bei denen des Borsdorfer Gymnasiums um genau solche handele. So meldete sich eine ehemalige Lehrerin zu Wort, die erst kürzlich an eine staatliche Schule wechselte. Sie klagte an, dass Eltern am FGB viel zu viel Mitspracherecht eingeräumt werde. „Die Schule hat sich zu weit geöffnet“, sagte sie. Sie erinnere sich daran, wie Lehrer regelrecht mit E-Mails von Eltern bombardiert wurden. „Eltern dürfen nicht zu viel mitreden.“ Dafür erntete sie Applaus – vor allem aus den Reihen der Lehrer.

Ein gewisses Mitspracherecht haben die Eltern allein schon aufgrund der Tatsache, dass es einen Elternrat gibt. Dessen Vertreterin räumte ein, dass es in der Vergangenheit Fehler bei der Kommunikation gegeben habe. „Wir wussten, wie die Meditation damals ausging, haben die Ergebnisse aber für uns behalten.“ Das bereue sie heute, sagte sie.

Und auch einzelne Schüler meldeten sich zu Wort. Die allesamt mit dem gleichen Tenor: Der Unterricht ist gut, die Lehrer ebenso. Wer etwas zu sagen habe, könne dies ohne Angst tun. In den vergangenen Wochen meldeten sich Schüler anonym zu Wort, die das Gegenteil behaupteten und von ständig wechselnden Lehrern, unzureichender Abiturvorbereitung und Konsequenzen bei kritischen Wortmeldungen berichteten.

Was sich künftig ändern wird, konnte am Sonnabend keiner sagen. Die Situation für Lehrkräfte am Borsdorfer Gymnasium sei eine Baustelle, die interne Kommunikation eine andere. Lutz Stephan erbat Zeit: „Es ist wichtig, dass die Schule und der Träger in diesem Prozess auch mal unter sich sein dürfen.“ Zunächst soll ein Maßnahmepaket erarbeitet werden, die nächsten intern geführten Gespräche sind angedacht. Bereits am morgigen Dienstag wird es eine erneute Zusammenkunft geben, in den nächsten zwei Wochen folgen weitere.

Von Stephanie Helm

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