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Sächsische Apfelernte: Natur malt Früchte rot an

Sächsische Apfelernte: Natur malt Früchte rot an

Trotz des Achterbahn-Sommers hängen die sächsischen Obstbäume voller süßer Früchte. Auch wenn die Menge mit voraussichtlich 88 000 Tonnen fünf Prozent unter dem Rekordertrag des Vorjahres bleiben wird, sehen die Obstbauern im Freistaat der Vermarktung ihrer Äpfel optimistisch entgegen.

Leisnig/Dürrweitzschen. „Wir ernten sehr gute Fruchtqualitäten", sagte Gerd Kalbitz, Chef des sächsischen Obstbauverbandes, gestern in Leisnig.

Nach den Wetterkapriolen mit Temperaturstürzen Anfang des Jahres und Frösten während der Blüte hielt sich die Zuversicht der Landwirte vorerst in Grenzen. Doch was sie seit Mitte August ernten, glättet die tiefsten Sorgenfalten. Die Natur habe sich als Maler in den Plantagen betätigt, sagte Kalbitz. „Durch die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht haben die Äpfel eine gute Färbung", so der Obstgärtner. Feuchte und trockene Phasen im Wechsel sorgten zudem für ein gutes Zucker- und Säureverhältnis bei den Früchten.

Da die Erzeuger in anderen Anbaugebieten wie dem Alten Land und am Bodensee in diesem Jahr mit einem noch stärkeren Rückgang von zehn Prozent rechnen und damit im Trend mit der europäischen Ertragsmenge liegen, sehen die Sachsen gute Absatzchancen für ihre Ernte. „Sachsen mischt im europäischen Konzert der Apfelanbauer mit", stellte Sachsens Agrarminister Frank Kupfer (CDU) fest. Mit Jonagold, Jonagored, Idared, Gala, Golden, Shampion und Elstar würden im drittgrößten Obstanbaugebiet der Bundesrepublik Sorten reifen, die zu den acht häufigsten in Europa gehören. Damit die Erfolgsgeschichte weiter geschrieben wird, verspricht Kupfer Unterstützung – so beispielsweise bei der Errichtung von Hagelschutznetzen sowie bei der Vermarktung ab Hofladen.

Während Erzeuger und Lobbyisten bei der jährlichen Saisoneröffnung eine Lanze für den sächsischen Apfel brachen, trieben Thomas Seidel, Gastgeber der gestrigen Veranstaltung, echte Sorgen um. „Das sieht nicht gut aus", stellte der Geschäftsführer der Leisniger Obstgarten mit Blick zum Himmel fest. Kurz darauf ergoss sich ein kräftiger Schauer über das Obstland. Die Hagelkanonen kündeten mit ihren Schlägen davon, dass nur sicher ist, was bereits in der Obstpresse oder im Kühlhaus landete.

Dabei hatte der Erntetag optimal begonnen. Bei Sonnenschein und Temperaturen um die 20 Grad waren die Erntehelfer am Morgen – hier klafften Schein und Sein etwas auseinander – in eine Birnenplantage bei Minkwitz ausgeschwärmt. Schnell füllten die rumänischen Männer und Frauen im Alter von 20 bis 50 die zwischen den Baumreihen geparkten Kisten mit der Winterbirne Alexander Lukas Rund 300 Kilogramm Obst landeten in jedem der quadratischen Holzkästen. Zweieinhalb Kisten sind die tägliche Norm für die Pflücker.

Bevor in Lauschka später weiter geerntet wurde, gönnten sich Nicu, Anka und Christian Micu genauso wie ihre Landsleute eine Frühstückspause. Die dreiköpfige Familie aus Sighisoara in Siebenbürgen wird bereits zum dritten Mal von der Leisniger Obstgarten beschäftigt. „Hier geht es gerecht zu, die Organisation ist gut", sagte der gelernte Bauarbeiter, der in Rumänien derzeit keine Arbeit hat. Außerdem werde er als Erntehelfer besser bezahlt als in seinem Job zu Hause. Mit seiner Frau und dem Sohn verdiene er während der sechs- bis siebenwöchigen Einsätze genug, um auch die achtjährige Tochter und die Großmutter mit zu ernähren. Wie hoch der Verdienst sei, darüber wollte er nicht sprechen.

Weil der Schauer schnell vorüberzog, ging die Arbeit weiter. Die makellosen Früchte landeten in der A-, die mit braunen Punkten in der B-Kiste. „Durch den Hagelschlag ist der Sortieraufwand in diesem Jahr höher", erklärte Obstlandchef Michael Erlecke. Obwohl mehr Früchte als Industrieware vermarktet und in der eigenen Kelterei verarbeitet werden, müsse das nicht unbedingt negative Auswirkungen auf das Ergebnis in Ostdeutschlands größtem Anbaubetrieb haben. „Das ist alles eine Frage des Preises", sagte Erlecke. Die geringeren Mengen im Markt ließen Hoffnungen keimen.

Birgit Schöppenthau

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