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Wurzen Sächsischer Museumsbund: Polymobil ist Wurzens Sixtinische Madonna
Region Wurzen Sächsischer Museumsbund: Polymobil ist Wurzens Sixtinische Madonna
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00:20 08.12.2017
Museum: Praktikantinnen Paula Woche (l.) und Andrea Aurig Quelle: Haig Latchinian
Wurzen

Als Angriff auf die Reputation des Kulturhistorischen Museums und die Glaubwürdigkeit der Stadt Wurzen bezeichnet Joachim Breuninger, Vorstandsvorsitzender des Sächsischen Museumsbundes, den geplanten Tausch Ringelnatzbilder gegen Polymobil. In einem der LVZ vorliegenden Brief an Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) fordert Breuninger, den Tausch auf der für Mittwoch angesetzten Stadtratssitzung „unbedingt abzulehnen“.

Das Polymobil sei für die Industriegeschichte Sachsens und die Stadt Wurzen von unschätzbarem Wert, schreibt Breuninger und setzt noch einen drauf: Das Auto sei Wurzens Sixtinische Madonna. Die Anschaffung weiterer Gemälde von Ringelnatz stelle bestenfalls eine Vergrößerung einer Sammlung dar, mit der dieser Künstler im Museum bereits hervorragend präsent sei, so Breuninger. Und weiter: Kein Museum der Welt käme auf die Idee, seine Sixtinische Madonna gegen den Zuwachs eines schon vorhandenen Bestandes einzutauschen. „Bitte tun Sie dies auch nicht!“

Wie berichtet, sollen die Stadträte am Mittwoch entscheiden, ob der prominente Oldtimer, der gegenwärtig in der Remise des Kulturhistorischen Museums geparkt ist, künftig in die Hühn’sche Privatsammlung übergeht. Die angesehene Unternehmerfamilie würde der Stadt im Gegenzug originale Ringelnatz-Gemälde vermachen. Zudem plant die Familie in Wurzen eine wissenschaftlich fundierte, öffentlich zugängliche Schau sächsischer Automobile. Dabei soll auch besagter Oldtimer, Baujahr 1907, gezeigt werden, Wurzens erstes Auto, das der Direktor der Arnimschen Werke, Richard Funke, 1936 dem Wurzener Museum schenkte.

Museumsleiterin Sabine Jung ist beseelt von diesem Tausch, da er Wurzen nur Vorteile brächte: „Herr Hühn würde das Polymobil – was wir niemals hätten leisten können – fachmännisch restaurieren, im Gegenzug schärfen wir mit weiteren Ringelnatzbildern das Profil unseres Museums.“ Dem Schreiben des Sächsischen Museumsbundes hält sie die Forderungen des International Council of Museums (ICOM) entgegen: „Der Internationale Museumsverband, dessen Mitglied ich bin, ermahnt die Museen ja geradezu, sich nicht zu verzetteln, sondern sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. Und unsere Stärke ist nun mal Ringelnatz. Nicht umsonst kommen die meisten Besucher aus ganz Deutschland wegen Ringelnatz.“ Sie vermute, dass der Museumsbund bei der Restaurierung des Polymobils eine Verschlimmbesserung befürchte, so Sabine Jung: „Ich finde, der Oldtimer ist bei Herrn Hühn in besten Händen.“

Indes legt Joachim Breuninger nach: Was Museen für Stifter attraktiv mache, sei die Zusicherung, dass Schenkungen für nachfolgende Generationen aufbewahrt würden. Mit Blick auf Unternehmer Richard Funke, der das Polymobil einst der Stadt vermachte, argumentiert der Chef des Museumsbundes: „Wollen Sie später einem Stifter erzählen, dass seine Schenkung nicht wirklich sicher in Ihrem Museum ist, sondern dass es passieren kann, dass sein Geschenk weiter getauscht wird, wieder in private Hände und somit in Unsicherheit gerät?“ Das tiefe Wesen von Stiftungen sei Sicherheit auf Ewigkeit. Der Tausch eines Museumsobjektes aus öffentlichem Eigentum zurück in private Verfügung, sei nicht nur ein Verstoß gegen den grundlegenden Charakter der Institution Museum an sich, „sondern ebenso ein Verstoß gegen das Vertrauen in die Zukunft“.

Der Brief erreichte inzwischen alle Stadträte und zeigt womöglich Wirkung: Nach LVZ-Informationen kommen am Mittwoch kurz vor der Stadtratssitzung die Fraktionsvorsitzenden zusammen.

Von Haig Latchinian

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