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Schlammige Regenflut lässt Wut-Pegel in Machern steigen

Anwohner fordern Schutz Schlammige Regenflut lässt Wut-Pegel in Machern steigen

Als kein Tropfen Regen mehr fiel, ergoss sich vor Wochenfrist eine Schlammlawine durch die Püchauer Straße in Machern. Das Wasser hatte sich nach einem Gewitterguss auf dem benachbarten Maisfeld angestaut und anschließend Keller und Garagen geflutet.

Zu unfreiwilligen Wassergrundstücken wurden die Häuser in der Püchauer Straße nach dem jüngsten Starkregen. Anwohner haben das Schadensereignis im Bild festgehalten.
 

Quelle: privat

Machern.  Den Anwohnern der Püchauer Straße in Machern ist der Ärger noch immer anzusehen. Zur besten Achtelfinalzeit verwandelte sich die Straße vor ihrer Haustür vor Wochenfrist in einen reißenden Bach. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, schildert der Macherner Burghard Siegl. „So schnell konnten wir gar nicht reagieren, wie das Wasser die Straße herunterlief. Ich hatte die Brühe 15 Zentimeter hoch im Keller stehen. Das Wasser ist vorne rein und hinten wieder raus.“

Fußball wurde plötzlich zur Nebensache. „Alle sind auf die Straße gestürzt“ , berichtet eine Hausbesitzerin. Doch im ersten Moment konnten die Anwohner nur hilflos mit ansehen, wie sich die braune Brühe unaufhaltsam ihren Weg bahnte, Keller unter Wasser setzte, Garagen und Schuppen flutete. Bereits vier Tage vorher hatte es einen Vorgeschmack gegeben. „Da stand mein Schuppen schon mal unter Wasser“, so Anwohner Marcus Stabler. „Im Baumarkt habe ich mir anschließend Sandsäcke besorgt, um die Einfahrt notdürftig abzudichten.“

Boden konnte kein Wasser mehr aufnehmen

Kein Fluss, kein Bach ist in der Nähe. Dass die Anwohner dennoch zum wiederholten Mal nasse Füße bekommen, liegt am Starkregen – aber nicht nur. Als Übel haben sie das ausgedehnte Maisfeld nördlich der Stichstraße ausgemacht. „Von dort brach das Unheil über uns herein“, zeigt Steffen Müller in Richtung der Pflanzen, die oberhalb der Siedlung angebaut werden. Das Gelände ist abschüssig. „Der Boden konnte - bedingt durch den Maisanbau - bei dem Gewitterguss kein Wasser mehr aufnehmen, der starke Regen hat dann noch die feine Erde mit sich fortgerissen und irgendwann, als vom Himmel kein einziger Tropfen mehr fiel, ergoss sich die Schlammlawine über die Siedlung.“ Eine dreiviertel Stunde lang, schätzt Steffi Müller, sei die Brühe geflossen – mal als Wasser, mal als brauner Schmodder. „Die Feuerwehr hat erst gar nicht geglaubt, dass wir absaufen. Im Gerätehaus meinten sie nur ungläubig: Wieso habt ihr nasse Keller, es regnet doch gar nicht mehr?“

Wehrleiter sieht Wiederholungsgefahr

Um den Anwohnern im Kampf mit dem plötzlichen Sturzbach beizustehen, rückte die Wehr mit zehn Kameraden und drei Fahrzeugen aus. „Wir haben rund 160 Sandsäcke verbaut, um die Häuser zu schützen. Auch Keller wurden leergepumpt“, bestätigt David Kolodziej. Für den Macherner Gemeindewehrleiter steht fest: „Hier herrscht dringender Handlungsbedarf. Schließlich wird das nicht der letzte Starkregen dieses Sommers gewesen sein.“ Bei erneuten wolkenbruchartigen Regenfällen drohe jederzeit die Gefahr, dass sich die Schlammlawine wiederholt, warnt Kolodziej. „Temporär können wir mit Sandsäcken helfen. Aber das ist keine Lösung.“ Die Gemeindeverwaltung steht inzwischen mit den Leipziger Wasserwerken in Kontakt, um Lösungen für die Ableitung des Oberflächenwassers zu finden.

Die Anwohner fordern, dass die Ursachen beseitigt werden und sie nicht vor jedem Regenguss zittern müssen. „Das Wetter kann niemand beeinflussen. Aber der Landwirtschaftsbetrieb könnte wenigstens dafür sorgen, dass eine Furche gezogen wird, in der das Wasser vor der Siedlung versickern kann.“ Darauf sei der Landwirt aber bisher nicht eingegangen, kritisieren die Betroffenen. Bei der Machern Landwirtschaft GmbH und Co. KG, die das Feld bewirtschaftet, war gestern kein Ansprechpartner für Nachfragen erreichbar.

„Der Mais wird erst im September abgeerntet, hat man uns erklärt. Solange müssten wir mit der Situation leben“, ärgert sich Steffen Müller. Und er fragt sich – genau wie seine Nachbarn, ob die Püchauer Straße den ganzen Sommer lang wie ein Military-Gelände – bewehrt mit Sandsäcken – aussehen soll.

Von Simone Prenzel

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