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Schlammlawine wälzt sich durch Nemt

Schlammlawine wälzt sich durch Nemt


Wurzen/Nemt. Nach starken Regenfällen hat sich in der Nacht zu gestern eine Schlammlawine durch Nemt gewälzt.

. Verletzt wurde niemand, auch der Sachschaden hält sich offenbar in Grenzen. Allerdings mussten Anwohner, Feuerwehr und Bauhof gestern stundenlang Sonderschichten zum Putzen einlegen.

Gegen Mittag sah das hauptsächlich betroffene Areal zwischen Mühlbacher Straße, Wolfsstellenweg, Hinterem Anger und Alter Poststraße schon wieder recht manierlich aus. Dem war allerdings auch ein arbeitsreicher Vormittag vorausgegangen, an dem zunächst die Anlieger fleißig Schaufel und Besen geschwungen hatten. Heiko Colditz, der an der Alten Poststraße wohnt, hatte seit den frühen Morgenstunden damit zu tun, die Straßengullys freizuhalten: „Sonst sähe das hier noch ganz anders aus", ist er sicher. Er war es auch, der morgens die Polizei verständigt hatte. „Vorher fuhren die Autofahrer ja ungebremst durch die Schlammschicht", sagt Colditz kopfschüttelnd.

Als erste rückten am Vormittag Mitarbeiter des Bauhofs an. Kurz darauf war auch die Feuerwehr vor Ort. „Wir haben keinen Alarm ausgelöst, sondern nur individuell informiert", berichtet Stadtwehrleiter Thilo Bergt. Schließlich waren acht Wurzener und Nemter Feuerwehrleute mit zwei Fahrzeugen im Einsatz. Hauptaufgabe: Schlamm beseitigen.

„Die Jungs vom Bauhof hatten schon gut vorgearbeitet", lobt Bergt. Mehr als den Schmodder mit reichlich Wasser in die Kanalisation spülen, sei gar nicht möglich. Eigens für die „Spülwasserversorgung" wurde der Mühlbach angezapft. Allerdings war bei den Arbeiten Eile geboten. „Wenn der Schlamm erst einmal austrocknet, wird er hart wie Beton. Da ist Eile geboten", sagte Bergt.

Nach gestrigen Erkenntnissen kamen die Schlammmassen – eigentlich waren es zwei Schlammlawinen – von einem nordöstlich von Nemt gelegenen, kürzlich abgeernteten Feld. Die Regenfälle mit bis zu 80 Litern je Quadratmeter waren zu viel. Anwohnerin Sabine Winkler hatte den Schlamm erst gar nicht bemerkt. „Ab 22 Uhr hat es am Sonntag drei oder vier Stunden wie verrückt geregnet. " Aber mit einer Schlammlawine habe sie trotzdem nicht gerechnet. „So etwas gab’s hier noch nie." Erst morgens habe sie das Malheur gesehen. Auf ihrem Grundstück sind noch Schmutzreste zu sehen, ebenso auf den Anwesen im Umkreis. Und auf einer Anhöhe außerhalb des Ortes ist auch noch eine Art Schneise im Gras zu erkennen, wo sich der Schlamm in der Nacht seinen Weg suchte.

Winkler ist froh, dass alles glimpflich ausging. „Im Heizungskeller ist etwas Dreck, aber sonst ist nicht viel passiert." Auch eine junge Anliegerin der Poststraße, die gerade Hof und Garten vom Schlamm befreit, sieht es locker. „Was will man machen? Das ist auch mal eine Erfahrung", sagt sie achselzuckend. Immerhin habe das Landgut Nemt, das den Acker bewirtschaftet, Erntehelfer zum Saubermachen geschickt. Heiko Colditz kritisiert dagegen Versäumnisse bei der Pflege des Mühlbaches. „Wenn der ordentlich freigehalten würde, hätte sich das Wasser hierbei uns nicht so gestaut." Seine Lebensgefährtin Elke hat aber auch Versöhnliches zu berichten: Der Koi vom eigenen Gartenteich hat die Überflutung überstanden.

Markus Tiedke

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