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Schloss Wurzen: Experten wollen einzigartige Weinrankenmalerei retten

Notsicherung Schloss Wurzen: Experten wollen einzigartige Weinrankenmalerei retten

Erste Ergebnisse zur Notsicherung der Rankenmalerei in der Trinkstube des Schlosses Wurzen haben jetzt Experten der Hochschule für Bildende Künste Dresden präsentiert.

Vertieft im Fachgespräch (v.l.): Tutorin Marthe Meyer, die beiden Diplom-Restauratoren Carola Möwald und Jonas Roters, Tim Tepper von der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt, Professor Thomas Danzl, Schlossherr Ronny Wedekind und Torsten Nimoth, Referent für Wandmalerei beim Landesamt für Denkmalpflege.

Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wurzen. Schlossherr Ronny Wedekind ist des Lobes voll. Denn im historischen Schatzkämmerlein der einst bischöflichen Residenzstätte haben sich mittlerweile schon viele Experten versucht – alles in allem acht Restaurierungsbetriebe und renommierte Einrichtungen. Darunter das Fraunhofer Institut mit Chemikalien und die Technische Universität Dresden mit Laser. Doch bislang ohne Erfolg. Das erste zählbare Ergebnis präsentierte jetzt die Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK).

Professor Thomas Danzl zeigt sich begeistert von der Trinkstube des Schlosses, insbesondere von der Rankenmalerei, die an einigen Stellen hinter dicken, blätternden Farbschichten späteren Datums lugt. „Frühe Renaissance, zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts“, vermutet der promovierte Kunsthistoriker und Konservator. „Einmalig!“ Seine Euphorie steckt an. Zur Runde unterm Zellengewölbe des kleinen Raumes gehören Torsten Nimoth, Referent für Wandmalerei beim Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, und Tim Tepper von der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landratsamt. Beide sind gekommen, um sich über die Details der HfBK-Expertise durch Marthe Meyer zu informieren.

Die Studentin aus der Fachklasse Danzls hatte als Tutorin einer sechsköpfigen Gruppe sowie mit Hilfe der Diplom-Restauratoren Jonas Roters und Carola Möwald im November des Vorjahres mit ihrem Job in Wurzen begonnen. Dabei lag der Fokus auf die Notsicherung der Malerei. „Es wurde zunächst eine Bestandsuntersuchung durchgeführt, eine Ursachenanalyse erarbeitet und letztlich ein Behandlungskonzept entwickelt“, berichtet Meyer. Schließlich hinterließen die Jahrhunderte an den Wänden der Trinkstube ihre Spuren. „Es gibt offene Flächen, die stark gefährdet sind“, so Danzl. Und Denkmalpfleger Nimoth fügt an: Gründe hierfür seien unter anderem Temperaturschwankungen und die extreme Sonneneinstrahlung, die zu einer Verschattung der Wände führte. Mittlerweile zeichnen installierte Messgeräte die Eckdaten des Raumklimas auf. Doch vor allem, sagt Nimoth weiter, gehe es darum, „den Bestand zu erhalten und die schadhaften Stellen zu festigen“. Erst das präventive Konservieren ermögliche später eine Restaurierung.

Als Klebemittel der pellenden Schichten verwendeten die Studenten übrigens tierischen Leim. Sogenannter Hausenblasenleim, der aus der Fischblase der Hausen, einer Gattung der Echten Störe, gewonnen wird. Danzl verspricht Wedekind, dass die HfBK das Festigen der Schadstellen und das Beobachten übernimmt. Zugleich lädt er ihn ein, die Hochschule zu besuchen, um sich ein Bild von den Möglichkeiten maltechnischer und Farbqualitätsuntersuchungen zu machen. Wurzens Schlossherr nimmt an und dankte hernach allen Beteiligten – dem Professor, der Tutorin und den Mitarbeitern der Denkmalschutzbehörden. „Allein aus eigener Kraft wäre nämlich das Wiederherrichten der Trinkstube nicht möglich“, fügt er an. Schon gar nicht finanziell. Pi mal Daumen, schätzt Danzl, würden die Kosten fürs Freilegen immerhin 200 000 Euro kosten.

Apropos Trinkstube. Die Funktion, berichtet Wedekind, sei umstritten. In den Intarsien des Schlosses, das Bischof Johann VI. von Saalhausen zwischen 1491 und 1497 errichten ließ, stehe nämlich gelbe Kapitelstube. Lediglich einmal, 300 Jahre nach dem Bau, erwähnten die Niederschriften den Raum als Trinkstube. Zuletzt befand sich hier eine Art Krankenzimmer. Die Malerei entdeckte Familie Wedekind 2002. Was aber erst jetzt durch Marthe Meyer herauskam, will Ronny Wedekind keineswegs für sich behalten: „Es sind nicht nur Weinranken zu sehen, sondern auch Feigen.“

Von Kai-Uwe Brandt

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