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Wurzen Schmielteich bei Polenz ist ein Refugium für Kranich und Moorfrosch
Region Wurzen Schmielteich bei Polenz ist ein Refugium für Kranich und Moorfrosch
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00:17 03.10.2017
Idylle und Rückzugsort für viele Tiere: der Schmielteich Polenz. Quelle: Thomas Kube
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Brandis/Polenz

Es dämmert. Majestätisch gleiten die Kraniche über den Schmielteich südöstlich von Polenz, um sich im Röhricht zum Übernachten niederzulassen, Spring- und Moorfrosch bringen sich in Sicherheit, beobachtet von einem Baumfalken. Eine kleine Gruppe Naturfreunde freute sich bei einer Wanderung dieser Tage besonders über dieses Naturschauspiel. Denn einige von ihnen, wie Wolfgang Köcher, hatten sich vehement für die Unterschutzstellung des 37,7 Hektar großen Areals eingesetzt. Diese liegt jetzt im September 20 Jahre zurück, drei Jahre später mündete der vorläufige Schutz in die Ausweisung zum Naturschutzgebiet (NSG).

Arten in Polenz auf der Roten Liste

Und das aus gutem Grund: Was wahrscheinlich selbst nur wenige der Einheimischen wissen: Der vom Saubach gespeiste Schmielteich mit seiner Ufervegetation und angrenzenden, teils sumpfigen Gehölzstrukturen ist mit seinen unterschiedlichen Biotopen, zu denen stehende Kleingewässer genauso gehören wie höhlenreiche Altholzinseln, Refugium einer ganzen Reihe von Arten. Über 288 Höhere Pflanzenarten wurden nachgewiesen. 21 davon stehen auf der Roten Liste, wie Rispensegge und Sumpflabkraut. „Bemerkenswert sind zudem die Vorkommen der extrem seltenen Armleuchteralgen Nitella translucens – als einem von zwei sächsischen Fundorten – und der ebenfalls seltenen Chara globularis“, heißt es in der damaligen Würdigung für das NSG durch das Staatliche Umweltfachamt. Die Kreuzotterpopulation hier ist die „stabilste in Nordwestsachsen“. Insgesamt wurden in der Würdigung 108 Vogelarten aufgelistet sowie 17 Amphibien- und Reptilienarten.

Erkämpfter Schutz

Trotzdem wehte damals heftiger Gegenwind aus der Politik über den Polenzer Schmielteich. „Der damalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) hätte den vorläufigen Schutz am liebsten rückgängig gemacht, weil NSG seiner Meinung nach die wirtschaftliche Entwicklung der Kommunen behinderten“, erinnert sich Sven Möhring, seinerzeit noch ehrenamtlicher Naturschützer und heute im Umweltamt tätig. Ein entsprechender Erlass von Umwelt- und Landwirtschaftsminister Rolf Jähnichen stoppte im August 1999, begründet mit begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen, die Festsetzung neuer NSG, das betraf 23 Flächen, im heutigen Landkreis Leipzig auch das Rückhaltebecken Stöhna sowie eine Muldeninsel bei Grubnitz. Naturschützer, auch unterstützt vom damaligen Landrat Gerhard Gey, liefen jedoch – und das letztlich erfolgreich – gegen den Erlass Sturm, der BUND plante sogar eine Protestaktion am Schmielteich, der ihm besonders am Herzen lag. Er hatte dessen Sicherstellung 1997 beim Regierungspräsidium selbst beantragt.

Bewegte Geschichte

Da hatte der Teich schon eine bewegte Geschichte hinter sich. Zum Rittergut Polenz gehörend, wurde er im 19. Jahrhundert als Fischteich genutzt, nach seiner Aufgabe spätestens Anfang der 1930er-Jahre eroberten Weiden und Erlen die entstandene Nasswiese. In den 1970ern wurde die Fläche durch die LPG Pflanzenproduktion Machern gerodet, Dämme wurden aufgeschoben, um das Wasserreservoir für landwirtschaftliche Beregnungsanlagen zu nutzen, was jedoch nie geschah. Die Nutzung als Wildacker Anfang der 1990er bezeichnet Köcher als „Tiefpunkt“. 1997 kaufte eine Eigentümergemeinschaft, zu der auch Köcher gehört, das Gebiet von der Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft BVVG. „Die jetzigen Besitzer haben das Gebiet des Schmielteiches in dem bewussten Wissen erworben, ein Kleinod der Natur pflegen und entwickeln zu wollen“, heißt es in der „Würdigung.

In den Augen von Möhring hat sich die Ausweisung als NSG auf jeden Fall gelohnt. „Das Areal wurde beruhigt. Hätte man vor zwanzig Jahren einem Ornithologen prophezeit, dass es hier einmal Kraniche geben würde, er hätte sich an den Kopf gegriffen“, sagt er. So aber sichert der Schutz des Areals dem erhabenen Schreitvogel – inzwischen brüten drei Paare im Planitzwald – das Nahrungsangebot.

Von Ines Alekowa

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