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Schüler machen die Welt besser

Schüler machen die Welt besser

Der Umgang mit dem Rasenmäher ist für den kleinen Nick Lehmann eine eher leichte Übung. Schließlich hält der 15-Jährige auch zu Hause in Machern die Wiese im Garten kurz.

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An den Dachziegeln: Baumarkt-Hausmeister Horst Bendix betreut den eifrigen Helfer Nick Lehmann mit viel Einfühlungsvermögen.

Quelle: Andreas Doering

Nein, der Junge aus der 9b der Pestalozzi-Oberschule Wurzen hat keine Angst, sich die Zehen abzusäbeln - Respekt hat er allein vor Wespen und Bienen: "Ich reagiere allergisch auf Stiche von denen. Im schlimmsten Fall könnte ich sogar daran sterben." Deshalb habe er immer ein Erste-Hilfe-Set dabei. Sollte er gestochen werden und in Atemnot geraten, müsse er sich eine entsprechende Spritze in den Oberschenkel jagen.

Wie weitere über 100 Mädchen und Jungen der Wurzener "Pesta" beteiligte sich auch Nick gestern am Aktionstag Genialsozial. In seiner blauen Latzhose stand er schon eine knappe halbe Stunde vor Arbeitsbeginn auf der Matte. Vater Andreas ist Maurer in einer Firma, die zu den Stammkunden des Bennewitzer Hagebaumarktes gehört. Er sprach in dem 30-Mann-Betrieb vor, erkundigte sich danach, ob Sohnemann hier einen Tag lang aushelfen und den Lohn für die gute Sache spenden könne. Das Team vom Baumarkt überlegte nicht lange, sagte zu.

Niederlassungsleiter Daniel Nejedly (34) unterstützt das Projekt zugunsten von Menschen in ärmeren Gegenden der Welt gern. Er selbst weiß, was es bedeutet, in der Not nicht alleine dazustehen: "Bei der verheerenden Flut 2002 stand die braune Brühe im Markt 1,80 Meter hoch. Nur ein Jahr später geriet unsere Lagerhalle in Brand. Der Schaden war hoch, die Solidarität riesig."

Benefiz in Bennewitz: Nick Lehmann rupft und zupft Unkraut, fegt im Schweiße seines Angesichts alles auf einen Haufen und fragt nach einer guten Stunde kaum hörbar an, ob er mal kurz was trinken dürfe: "Na klar doch, Junge", kann sich Hausmeister Horst Bendix (57) ein Lachen nicht verkneifen und begleitet seinen Helfer in die Garderobe. Bei der kurzen "Fuffzn" erfährt der Betreuer, dass Nick ein guter Schüler ist und später mal Baugeräteführer werden möchte. So lange er denken könne, habe er bei der Großzschepaer Firma Kafril noch nie einen Tag der offenen Tür ausgelassen, schwärmt der Junge: "Da darfst du nämlich schon als Kind Bagger fahren."

Denise Krohn, Sozialarbeiterin an der Wurzener "Pesta", würdigte ausdrücklich das Engagement von Schülern wie Nick, der sich gestern 50 Euro verdiente. "Den Lohn überweist die Firma direkt auf das Konto der Sächsischen Jugendstiftung als Initiatorin des Projektes. Der größte Teil der Einnahmen kommt weltweit agierenden gemeinnützigen Vereinen zugute. 30 Prozent des Erlöses gehen an die Schulen", so Krohn. "Wir entscheiden dann gemeinsam, wer das Geld erhält. 2013 unterstützten wir das abgesoffene Fährhaus in Dehnitz. Im vorigen Jahr spendeten wir die Summe an das ,Kinderhospiz Bärenherz' Markkleeberg." Krohn nannte es ein Glück, dass in diesem Jahr sachsenweit ausgerechnet ein Verein aus dem Muldental den Zuschlag bekam und 67 000 Euro für sein Hilfsprojekt in Nepal erhält.

Arne Drews ist Vorsitzender der in Grimma ansässigen Nicht-Regierungs-Organisation Nepalmed. Der Lungenarzt, der sich seit Jahren für ein Krankenhaus im bettelarmen Land im Himalayagebirge engagiert, weiß schon, was er mit dem von den Schülern erarbeiteten Geld machen wird: "Wir bauen die Kinderstation um, kaufen einen geländegängigen Notarztwagen und errichten eine Schwesternunterkunft." Nicht zuletzt mit Blick auf die zerstörerischen Erdbeben dankt Drews den Schülern und verspricht, unmittelbar nach der Regenzeit persönlich nach Nepal zu reisen, um die Arbeiten zu koordinieren.

Wenn er an die Kinder in Nepal denkt, gehe es ihm in Sachsen richtig gut, sagt Nick Lehmann, auch wenn er in der Klasse immer noch der kleinste Junge ist. Einmal in der Woche geht er zum Schwimmtraining ("wegen Fitness und Figur"), er stöbert in japanischen Comics und fährt mit seinen Eltern in den Winterferien meist nach Österreich: "In Schnee und Eis gibt es zum Glück keine Bienen und Wespen." Schon in der nächsten Woche wolle er sich bei Kafril um einen Ferienjob bemühen.

Potenzielle Lehrlinge stünden bei ihnen längst nicht mehr Schlange, so die Bauma-Geschäftsführer Peter und Tino Michael. "Öffnungszeiten von 6.30 bis 19 Uhr, dazu Schichtsystem und Samstagsarbeit schrecken viele ab." Umso glücklicher sind Vater und Sohn, in ihrem Hagebauzentrum ein Team mit gemischter Altersstruktur aufbieten zu können. Zum 25-jährigen Firmenjubiläum eröffneten sie ein nagelneues Gartencenter, wodurch sie zwei Mitarbeiter, darunter einen bisherigen Lehrling, zusätzlich einstellen konnten.

Unterdessen weiht Hausmeister Horst Bendix den kleinen Nick in die Geheimnisse der Dachziegel ein: "Lackierte halten am längsten." Wenig später jäten beide weiter fleißig Unkraut. Rasenmäher Nick stößt im Gebüsch auf ein Glas voller Zigarettenkippen. "Das schmeißen die Leute einfach aus dem Auto", schüttelt der Hausmeister den Kopf. Nick trotzt der Hitze und mäht weiter, meterweit. Sein Notfall-Set kann getrost in der Garderobe bleiben, weder Bienen noch Wespen kommen ihm zu nahe, und auch der Sonnenstich hat keine Chance. Nick trägt wohlweislich ein Basecap.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.07.2015
Haig Latchinian

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