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Wurzen Schulen im Landkreis haben klare Regeln: Handy bleibt im Unterricht stumm
Region Wurzen Schulen im Landkreis haben klare Regeln: Handy bleibt im Unterricht stumm
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10:36 28.03.2018
Zwei Schülerinnen spielen am Mittwoch (29.03.2006) mit ihren Handys im Unterricht im Caspar-Vischer-Gymnasium in Kulmbach (Illustration zum Thema "Handy-Nutzungsverbot an Bayerns Schulen"). Das bayerische Kabinett hat am Dienstag (28.03.2006) ein Nutzungsverbot für Handys an Schulen festgelegt. Foto: Marcus Führer dpa/lby (zu dpa/lby 7343 vom 29.03.2006) +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa
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Landkreis Leipzig

Ein Smartphone gehört für viele Schüler zum Alltag. Was für Generationen als Zeichen der Mobilität geschätzt wird, führt in der Schule oft zum Verdruss von Lehrern. Wie viel Freiheit und Mobilität wird in der Schule gestattet. Die Leipziger Volkszeitung hat sich im Landkreis Leipzig umgehört.

Paul Schramm, Schüler der Klasse 10b der Werner-Seelenbinder-Oberschule Bad Lausick: Bei uns in der Klasse merkt man schon, dass die Handys oft benutzt werden – auch während des Unterrichts. Und wenn es der schnelle Blick ist, wie lange die Stunde noch geht. Das Handy-Verbot im Unterricht ist uns bekannt, aber oft wird es ignoriert. Wer auf sein Handy schaut, stört ja nicht aktiv. Wer wegen dieser Ablenkung dann ein Thema nicht versteht, ist selbst schuld. Meine Eltern sagen immer, ich soll das Handy in der Tasche lassen. Das ist schon richtig. Mancher Lehrer droht schon mal an, das Gerät einzuziehen; aber durchgesetzt hat das noch keiner. In der fünften, sechsten Klasse nimmst du in jeder Pause das Handy her. Aber je älter man wird, desto mehr nutzt man die Pausen lieber, um sich mit Freunden zusammenzusetzen und zu reden.“

André Schröter, Informatik- und Beratungslehrer in der Werner-Seelenbinder-Oberschule Bad Lausick: „In der Schulkonferenz haben wir uns darauf verständigt, dass das Handy während des Unterrichts prinzipiell ausgeschaltet im Ranzen zu lassen ist. So steht es auch in der Hausordnung. Das ist schwer zu kontrollieren; viele haben ihr Handy in der Hostentasche. Regeln werden überall gebrochen. Aber das ist eher ein Problem bei einzelnen Schülern, der Großteil sieht das schon ein und richtet sich danach. Wir versuchen, das Handy – wo es passt – auch in den Unterricht einzubeziehen, thematisieren die Gefahren eines sorglosen Umgangs mit den eigenen Daten. Mancher nutzt das Handy auch, um das Tafelbild zu fotografieren, um einem erkrankten Mitschüler den Stoff zukommen zu lassen; dagegen ist nichts einzuwenden.“

Steffen Kretschmar, Leiter der Oberschule Am Wallgraben Grimma: „Handys sind im Schulhaus auszuschalten. Auf dem Schulhof und auch im Schülerclub ist die Nutzung erlaubt. Verstößt ein Schüler gegen das Verbot, wird er ermahnt. Wird er mehrfach erwischt, kann der Lehrer das Handy einziehen.“ In der Regel erhält der Schüler nach dem Unterricht sein Gerät zurück. Im Wiederholungsfall werden aber auch die Eltern in die Schule gebeten. Indes wisse man in der Schule, dass die Digitalisierung voran schreitet und immer mehr den Alltag bestimmt. Schon jetzt entscheide der Fachlehrer, ob im Unterricht zur Erfüllung von Aufgaben mit dem Smartphone recherchiert werden darf. „Man kann sich der Entwicklung nicht verschließen.“ Früher oder später werde in der Schulkonferenz eine Änderung der Hausordnung zur Debatte stehen.

So reagieren die Schulen im Landkreis Leipzig

Gymnasium
Am Breiten Teich Borna: Im Unterricht haben die Handys außerhalb der Schulranzen nichts zu suchen. Klingelt es, landet das Gerät bei der Schulleiterin. Dort dürfen es sich die Eltern der Handy-Erwischten persönlich abholen. Die bisherige Quote aber ist gering: In diesem Schuljahr blieb das entsprechende Aufbewahrungsfach bislang leer.

Dinter-Oberschule Borna: Wird das Handy im Unterricht genutzt, landet es bei der Schulleitung. Allerdings müssen die Eltern nicht den Weg in die Schule suchen, sondern vielmehr am Telefon ihr Einverständnis geben, dass das Gerät an den Schüler wieder ausgehändigt werden darf.

Grundschule Clemens-Thieme Borna: Hier spielte das Thema bislang fast gar keine Rolle. Zwar hat der eine oder andere Schüler schon ein Handy, allerdings bestehen viele Eltern darauf, dass das zu Hause bleibt. Aus dem Grund mussten bisher weder Lehrer noch Schulleiter aktiv werden.

Grundschule Neukieritzsch: An dieser Grundschule sind Handys schon durchaus verbreitet. Seit drei Jahren steht in der Hausordnung, dass die Handys ausgeschaltet in der Schultasche bleiben müssen. Anlass war ein Vorfall auf dem Schulhof: Kinder hatten sich gegenseitig gefilmt und das verbreitet, informierte die Schulleitung. Die Änderung der Hausordnung wurde mit den Eltern besprochen. Einige meinten, die Kinder könnten in der Pause die Handys benutzen. Doch das Lehrerkollegium ist der Meinung, dass es besser ist, wenn die Kinder sich in der Pause beim Spielen bewegen.

Grundschule Frankenhain: Die Handynutzung spielt in dieser Grundschule keine Rolle. Die meisten Kinder haben keines einstecken. Nur einige haben eines für den Notfall dabei. In der Schule gibt es die klare Vorschrift, dass die Handys ausgeschaltet sein müssen. Daran würden sich die Schüler halten.

Pestalozzi-Oberschule Wurzen: Im Unterricht ist das Handy tabu. Lediglich der Fachlehrer entscheidet über Ausnahmefälle. Die Schulleitung hält angesichts der heutigen Medienerziehung allerdings nichts von einem pauschalen Verbot in Bildungsstätten. Wer sich nicht am die Vorschriften hält, muss damit rechnen, dass das Handy vom Lehrer eingezogen wird.

Magnus-Gottfried-Lichtwer-Gymnasium Wurzen: Zwar darf das Handy im Unterricht mitgeführt werden, muss aber stumm im Ranzen liegen. Lediglich in den Pausen und während der Freistunden könne die Schüler ab Klassenstufe 7 ihr Smartphone im Schulgebäude sowie auf dem Außengelände nutzen – aber geräuschlos. Sollte jemand bei Verdacht der Verbreitung strafrechtlicher Inhalte oder zu Zwecken des Mobbings sein Handy missbrauchen, schaltet die Schulleitung die Polizei ein.

Oberschule Naunhof: Seit Februar existiert hier das Angebot „Soziales Lernen“ für die Fünftklässler, das die Unterrichtseinheit „Social Media“ beinhaltet. Hier lernen die Schüler Umgangsregeln mit der neuen Technik. Das Handy sollte nicht nur als etwas Negatives zu betrachten, es handelt sich dabei auch um ein faszinierendes Kommunikationsmittel. Trotzdem sei die Nutzung während des Unterrichts verboten. In jedem Klassenzimmer gebe es Handygaragen, eine Art Wandteppiche, in die die Geräte gesteckt werden müssen.

Oberschule Brandis: Das Handy muss laut Hausordnung ausgeschaltet in der Schultasche bleiben, auch in der Pause. Das gilt für das gesamte Schulgelände wie auch die Mehrzweckhalle,wo der Sportunterricht stattfindet. Bei Verstoß wird das Smartphone eingezogen und muss von den Eltern bei der Schulleitung abgeholt werden.

Gymnasium Brandis: Das Handy muss mit Betreten des Schulgeländes ausgeschaltet werden, das Verbot betrifft auch die Pause, denn das Lehrerkollegium möchte, dass die Schüler miteinander reden und nicht nur mit den neuen Medien beschäftigt sind. Nicht zuletzt sei die Regel auch zum Schutz der Schülerinnen und Schüler gedacht, damit keine Fotos und Videos von Mitschülern ins Netz gestellt werden, die das nicht wollen. Diese Regelung habe sich über viele Jahre bewährt und werde akzeptiert.

Oberschule Kitzscher: Generell sollen Handys im Unterricht ausgeschaltet in der Tasche liegen. Wenn sich ein Schüler nicht daran hält, wird das Gerät eingezogen. Anschließend gibt es eine Information an die Erziehungsberechtigten, die das Handy in der Schule abholen müssen. Manchmal wird eine so genannte pädagogische Maßnahme vereinbart – das Handy einen Tag in der Schule lassen und es am folgenden Tagesende erst an das Kind zurück geben. So dreimal pro Woche landet ein Handy bei der Schulleiterin.

Gymnasium St. Augustin Grimma: Es gilt ein generelles Smartphone-Verbot im Unterricht. Wird dagegen verstoßen, muss der Schüler sein Gerät ausgeschaltet auf den Lehrertisch legen. Entweder kann er es nach dem Unterrichtet und einer Belehrung selbst wieder in Empfang nehmen oder die Eltern müssen es abholen. In den Pausen und nach der letzten Stunde soll das Handy „so wenig wie möglich“ benutzt werden, so die Schulleitung. Das Gymnasium sieht es nicht gern, wenn in der Schule mit dem Smartphone kommuniziert oder gesurft wird. Eine WhatsApp-Nachricht oder ein Anruf für eine wichtige Botschaft erlaubt die Schule aber.

Oberschule Böhlen, Ortsteil von Grimma: Die Schüler müssen beim Betreten des Schulgeländes ihr Smartphone ausschalten. Der Schulleitung ist klar, dass diese Regelung schwer zu kontrollieren und umzusetzen ist. Aber es sei im Pausenhof kaum jemand mit einem Handy zu sehen. Wer gegen die Regelung verstößt, muss mit Konsequenzen rechnen. Unter anderem ist es möglich, dass der Schüler sein Gerät einige Tage früh abgegeben muss und erst beim Nachhausegehen wieder erhält. Dieses Vorgehen sei zu den Elternabenden besprochen und akzeptiert worden.

Oberschule Pegau: Die Fünft- bis Siebtklässler müssen ihre Telefone zu Beginn des Schultags im Sekretariat abgeben und können sie am Ende dort wieder abholen. Die Acht- bis Zehntklässler müssen ihre Handys ausgeschaltet in den Taschen aufbewahren. Bei Verstößen wird das Telefon eingezogen, es kann am Tagesende im Sekretariat abgeholt werden – passiert das mehrfach, müssen dafür die Eltern in die Schule kommen.

Oberschule Regis-Breitingen: Da es viele Fahr-Schüler gibt, sind Handys nicht völlig untersagt. Die Schulkonferenz hat aber beschlossen, dass Mädchen und Jungen der 5. bis 8. Klassen ihre Geräte vor der ersten Unterrichtsstunden ausschalten müssen und erst nach der letzten Stunde wieder nutzen dürfen. Neunt- und Zehntklässlern ist die Nutzung in den Pausen gestattet. Bei Zuwiderhandlungen wird das Telefon zur Schulleiterin gebracht, wo es am Unterrichtsende abgeholt werden kann. Ab dem zweiten Vorfall müssen die Eltern zur Schulleiterin kommen.

Freies Gymnasium Naunhof: Laut Hausordnung muss das Handy vom Betreten bis zum Verlassen des Geländes ausgeschaltet im Ranzen aufbewahrt werden. Eine Ausnahme sei, wenn der Lehrer die Nutzung der Geräte im Unterricht freigibt, weil sie für die Recherche benötigt werden.

Internationales Gymnasium Geithain: Vom Beginn des Unterrichts bis zum Ende haben die Schüler der Klassen 5 bis 10 keine Erlaubnis, die Handys zu benutzen. Die Älteren haben dazu allerdings in den Pausen die Möglichkeit. Bei Zuwiderhandlung wird das Handy eingeschlossen.

Marina Zborala, Leiterin der Schule zur Lernförderung Elstertrebnitz: „Den Mädchen und Jungen bei uns fällt es noch viel schwerer, sich zu konzentrieren. Deshalb mussten wir reagieren, als die Handys trotz des mündlichen Verbots für den Unterricht fast im Dauereinsatz waren; außerdem waren untersagte Bildaufnahmen gemacht worden. Deshalb haben wir das Problem vor einigen Jahren in Absprache mit Elternvertretern, Schulträger und Schülersprechern in der Hausordnung verankert. Die Schüler legen ihre Telefone morgens in eine Box, die tagsüber in einem extra Raum aufbewahrt wird. Nach dem Ende des Unterrichts werden die Handys von einem Klassenverantwortlichen wieder ausgegeben. Die Lehrer fassen sie nicht an. Dadurch haben wir längst wieder eine gute Lernsituation erreicht. Und es gibt null Diskussionen.“ Bei Notfällen könne die Schule immer erreicht werden.

Walter Dietze, Klasse 5a der Oberschule Grimma: „Im Unterricht ist das Handy für die Schüler tabu. In der Pause auf dem Schulhof darf es aber genutzt werden. Ich habe zwar noch gar kein Handy, finde es aber gut, dass es im Unterricht ausgeschaltet sein muss“, meint der junge Oberschüler. Seiner Meinung nach würde das Klingeln und Sprechen in Mathematik, Englisch oder Deutsch „in jedem Falle“ stören. „In der Hofpause dürfen wir es ja nutzen und da schaue ich bei meinen Freunde auch schon mal gern mit drauf“, gibt er zu.

Joshua Bettin, Klasse 8/1 im Gymnasium St. Augustin Grimma: „Im Unterricht ist die Nutzung des Handys prinzipiell untersagt. Auch in den Pausen ist es nicht erwünscht, allerdings sind die Lehrer da toleranter und schauen häufig darüber hinweg. Da man den Klingelton und auch sämtliche andere Töne bei der Bedienung des Smartphones stumm schalten kann, empfinde ich die Handynutzung nicht wirklich als störend. Da ist das allgemeine Gequatsche im Klassenraum oft viel nerviger. Schließlich kann man im Internet viele Lehrbücher oder den Lehrstoff schnell finden, so dass Lehrbücher allein gar nicht mehr zeitgemäß sind. Einige Lehrer gehen ja sogar davon aus, dass man das Internet nutzt. Somit sind da offensichtlich auch unterschiedliche Auffassungen vorhanden.“

Walter Dietze, Klasse 9a der Oberschule Grimma: „Ich fände es prinzipiell besser, wenn man das Handy im Unterricht nutzen darf. Man könnte sich so manches Lehrbuch sparen, weil man den Inhalt auch im Internet findet. Dann würde auch die Schlepperei entfallen. Natürlich nicht zum telefonieren, das würde tatsächlich stören.“ In seiner Grimmaer Oberschule sei es so geregelt, dass im Unterricht das Handy für die Schüler generell verboten ist. In der Pause auf dem Schulhof darf es aber genutzt werden.

Sedine Böhme, Klasse 10a der Oberschule Grimma: „Aus meiner Sicht wäre es wirklich besser, wenn wir die Handys im Unterricht nutzen dürfen. Telefonieren freilich nur bei Notfällen, wenn es gesundheitliche Probleme gibt oder unvorhersehbare Dinge geschehen sind. Aber für den Unterricht selber wäre es doch nützlich. Sei es, um Lernstoff im Internet zu googlen oder wenn man sich im Kunstunterricht oder bei Ausarbeitungen durch Musik und Kopfhörer von den Geräuschen im Klassenraum etwas isolieren will. Außerdem gehen viele Lehrer im Unterricht auch ans Handy und das stört den Unterricht ja schließlich auch.“

Von tk, es, jto, cc

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