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Wurzen Schwefelsäure läuft aus – Einsatz der Feuerwehr endet in der Nacht
Region Wurzen Schwefelsäure läuft aus – Einsatz der Feuerwehr endet in der Nacht
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16:41 06.06.2018
Der Einsatz nach dem Auslaufen von 98-prozentiger Schwefelsäure bei der Akzo Nobel Chemical GmbH im Dehnitzer Weg endete für die Kameraden der Feuerwehr erst gegen 2.30 Uhr. Quelle: Kai-Uwe Brandt
Wurzen/Dehnitz

Am darauffolgenden Vormittag erinnerte nichts mehr an den Großeinsatz der Feuerwehr von Dienstagabend bei Akzo Nobel Chemicals – ganz normaler Geschäftsverkehr im Dehnitzer Weg.

Schlauch geplatzt, Schwefelsäure läuft aus

Wie berichtet, wurden die Kameraden 19.30 Uhr wegen eines Chemieunfalls auf dem Gelände des Unternehmens alarmiert. „Beim Entladen von 98-prozentiger Schwefelsäure aus einem Lkw in den Betriebstank“, so Stadtwehrleiter Michel Uischner zu den Hintergründen des Zwischenfalls, „platzte der Schlauch.“ Dadurch verteilte sich die Flüssigkeit auf einer Betonfläche von 300 bis 400 Quadratmetern, circa 100 Liter liefen in das unterm Tank befindliche Auffangbecken.

Fahrer stoppt sofort

Der Fahrer reagierte geistesgegenwärtig, stoppte sofort den Pumpvorgang und verhinderte damit Schlimmeres. „Er hatte zudem Glück im Unglück, da er sich gerade am Fahrerhaus aufhielt“, sagt Uischner. Der 32-Jährige war selbst vor Ort als Zugführer des Gefahrengutzuges Nord, der aus den Feuerwehren Wurzen, Panitzsch und Grethen besteht. Den Einsatz leitete Wurzens Ortswehrchef Tim Rasser.

Feuerwehr sperrt Gefahrenbereich ab

Zunächst steckten die Kameraden den Gefahrenbereich ab und sperrten die Verbindungstrasse zwischen Dehnitzer Weg und Oelschützer Straße. Danach konsultierten sie sich mit den Fachberatern über das weitere Vorgehen. „Auch hierbei zeigte sich ein glücklicher Umstand, denn die ebenfalls auf dem Gelände ansässige PQ Germany GmbH verfügte über Soda, womit Schwefelsäure neutralisiert werden kann.“ Daher wurde in Absprache mit der Firma das Salz-Mineral durch Kameraden in Schutzanzügen aufgebracht. Jedoch, so Uischner weiter, reichte die vorrätige Menge nicht, sodass die Rettungskräfte auf eine angekündigte Soda-Lieferung warten mussten. Der Lkw traf gegen 23.30 Uhr ein. Da von den 100 Litern der Schwefelsäure im Auffangbecken vorerst keine Gefahr ausging, verblieb die Chemikalie dort. „Sie wird von einer Spezialfirma entsorgt.“

Stadtwehrleiter: Kein Risiko für Anwohner

Übrigens, betonte Uischner, bestand zu keinem Zeitpunkt ein Risiko für Leib und Leben der Anwohner. Gegen 2.30 Uhr konnte der Einsatz schließlich beendet werden. Insgesamt waren 65 Kameraden der Wehren Wurzen, Panitzsch und Grethen mit zehn Einsatzfahrzeugen beteiligt, außerdem Notarzt, Rettungswagen und Polizei. Zur Feuerwehrtechnik gehörten unter anderem Gerätewagen, Löschgruppenfahrzeug sowie ein Dekon-P-Lkw. Dekon P steht für Dekontamination Personal.

Obwohl Chemieunfälle laut Uischner relativ selten sind, musste der Gefahrengutzug dieses Jahr nach Nerchau und Trebsen nun schon zum dritten Mal ausrücken.

Polizei: Kein schuldhaftes Handeln

Die Prüfungen der Polizei zu diesem Unfall laufen noch. „Nach derzeitigen Erkenntnissen liegt kein schuldhaftes Handeln vor“, erklärte Michael Fengler, Sprecher der Polizeidirektion Leipzig am Mittwoch auf Anfrage.

Akzo Nobel Chemical sowie PQ Germany fungieren im Wurzener Ortsteil Dehnitz wie ein Mini-Chemiepark. Akzo stellt Kieselsol her, dessen Hauptrohstoff Wasserglas ist, und beliefert PQ. Beide Unternehmen haben eine gemeinsame Geschichte, die auf die Gründung der Chemischen Fabrik Dehnitz im Jahr 1889 zurückgeht. 1948 entstand der VEB Wasserglasfabrik Dehnitz. Nach der Wende starteten die Betriebe als Joint Venture. Seit 1995 geht man eigene Wege. Stammsitz der Akzo Nobel ist in den Niederlanden.

Von Kai-Uwe Brandt

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