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Wurzen Schwierige Zeiten für kleine Buchhandlung in Wurzen
Region Wurzen Schwierige Zeiten für kleine Buchhandlung in Wurzen
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14:38 23.02.2018
Kristina Jurich bietet in ihrer Buchhandlung ein großes Sortiment an. Mit christlicher Literatur und Kunsthandwerk hat sie eine besondere Nische gefunden. Quelle: Maria Sandig
Wurzen/Leipzig

Die Leipziger Buchmesse steht vor der Tür. Die Veranstaltung findet vom 15. bis 18. März statt und lockt jährlich tausende lesebegeisterte Besucher in die Messehallen der Stadt. Die Buchhändlerin Kristina Jurich (66) ist schon sehr gespannt auf die vier Tage, die sich ausschließlich um das Thema drehen, wofür sich die Buchliebhaberin am meisten interessiert. „Viele Autoren sind vor Ort, mit denen ich persönlich ins Gespräch kommen kann. Die Stimmung auf der Leipziger Buchmesse ist außerdem unverwechselbar.“

Rückzug aus dem Buchgeschäft

Buch und Digitales: Platz für beides!

Die Debatte um die fortlaufende Digitalisierung und die Rolle des gedruckten Buches hält weiterhin an. Einige sind der Meinung, das Papierbuch wird in naher Zukunft ein Relikt aus alten Zeiten darstellen. Andere wiederum sind sicher: Das Buch als Kulturgut und Handelsware wird nicht verschwinden.

Die Attraktivität elektronischer Bücher steigt. Mobile Lesegeräte sind leicht, handlich und stromsparend. Ihre Speicherfähigkeit ist immens. In vielen Hinsichten ist das elektronische Buch definitiv vorteilhaft. Das Schulbuch ist ein passendes Beispiel für diesen Umstand. Die Korrektur von Fehlern kann in kürzester Zeit durchgeführt und Wissen oder neue Erkenntnisse ergänzt werden.

Doch in anderen Bereichen ist das gedruckte Buch nicht wegzudenken. Die Digitalisierung bringt Beschleunigung mit sich. Das Smartphone begleitet die Menschen tagtäglich und führt zu Überforderung. Auch auf der Arbeit verbringen viele Menschen den Großteil ihrer Zeit damit, auf einen Bildschirm zu starren. Das Lesen eines Buches bedeutet Erholung. Zeit für sich. Es entschleunigt ungemein und fördert die Konzentration auf eine Sache, was explizit für Heranwachsende ein wichtiger Aspekt ist. Werke, die integral studiert werden müssen und nicht im Sinne eines Nachschlagewerkes dienen, werden möglicherweise auch in ferner Zukunft noch in klassischer Buchform bevorzugt.

Vielleicht sollte in der Diskussion um Bücher und die digitale Welt das „versus“ vergessen werden. Eine Koexistenz vom Papierbuch und all dem, was das digitale Zeitalter bereithält, ist nicht abwegig. Also: Weg mit den Grabreden und hin zur Offenheit für mehr Vielfalt.

m.sandig@lvz.de

Kristina Jurich betreibt die Wenceslai-Buchhandlung in Wurzen. Seit 1992 gibt es den Laden. Vielleicht jedoch nicht mehr allzu lange. Die 66-Jährige sucht momentan nach einem Nachfolger und hofft darauf, dass es eine Buchhandlung bleibt – auch, wenn sie sich aus dem Geschäft zurückzieht. „Zwei Jahre würde ich den Laden noch führen. Länger nicht. Am liebsten wäre es mir, wenn ich bald jemanden finde, der die Buchhandlung übernimmt“, sagt die Rentnerin. Von einer Buchhandlung, mit der sie einen überdurchschnittlichen Gewinn macht, hat sich Kristina Jurich längst verabschiedet. „Solange unter dem Strich schwarze Zahlen stehen, kann ich das noch machen. Ich war und bin immer mit sehr viel Liebe dabei“, gibt sie zu.

Unterstützung der Stadt

In Zeiten der Digitalisierung und Schnelllebigkeit, in der Onlineversandhändler immer wichtiger werden, haben es kleine Buchhandlungen in ländlichen Regionen wie die von Kristina Jurich nicht gerade leicht. „Ich habe zum Glück eine Nische gefunden. Ein großes Sortiment an christlicher Literatur und Kunsthandwerk zieht zum Teil auch Kunden aus Leipzig, Oschatz und Eilenburg nach Wurzen.“ Besonders dankbar ist die Buchhändlerin für die Unterstützung der Stadt. Schulbücher und Lehrmittel müssen von den Kommunen finanziert und ausgeschrieben werden. „Die Stadträte haben sich bisher immer für die örtlichen Buchhandlungen entschieden, was uns sehr hilft. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt die 66-Jährige.

Hoffnung für Buchhandlungen

Die Buchhändlerin bezeichnet sich selbst als konservativ. Sie hat nicht viel für Kriminalromane übrig und vertraut auch dem Internet nicht so ganz. „Natürlich benutze ich einen Computer. Die Kunden haben auch die Möglichkeit bei mir Bücher zu bestellen, die ich nicht auf Vorrat im Laden habe. Doch E-Books beispielsweise verkaufe ich nicht. Wenn ich etwas verkaufe, muss ich auch dahinter stehen. Gerade ältere Kunden haben ähnliche Bedenken, was das neue Medium angeht und kommen deshalb gern zu mir“, sagt die Rentnerin. Sie ist sich jedoch sicher, dass eine jüngere Person mit neuen Ideen die Thematik ganz anders anpacken könnte. „Ich denke, dass auch wieder andere Zeiten kommen. Irgendwann werden sich die Menschen auf das Land flüchten, wenn die Großstädte überfüllt sind. Dann wird es leichter für kleinstädtische Buchhandlungen“, glaubt Kristina Jurich.

Diskussion anregen

Im Hinblick auf die bevorstehende Buchmesse freut sie sich besonders auf das neueste Werk vom gebürtigen Wurzener Bernd Wagner. In „Die Sintflut in Sachsen“ beschreibt der Autor Kindheits- und Jugenderinnerungen in Bezug auf seine Heimatstadt. „Geplant war eine Buchlesung mit ihm. Zusammenarbeiten wollte ich mit der Stadt. Die Stadtverwaltung gab jedoch zu bedenken, dass sie glaube, der Autor habe seine Heimatstadt Wurzen im Buch als „Nazinest“ bezeichnet“, sagt die Wurzenerin. Kristina Jurich bezweifelt dieses Gerücht. Am 6. März wird das Buch veröffentlicht. Dann will sie sich selbst vergewissern: „Ich traue diesem Autor nicht zu, dass er diesen Ausdruck benutzt hat. Auch wenn er letztendlich Recht damit hätte. Natürlich fühlt sich eine Stadt bei einer solchen Aussage angegriffen. Aber das muss differenziert gesehen werden“, gibt Kristina Jurich zu bedenken. Mit einer Vorstellung des Buches am 13. April um 19:30 Uhr in der evangelisch lutherischen Kirchgemeinde möchte sie zur Diskussion über dieses Thema anregen.

Von Maria Sandig

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